Spanien Press im Interview mit der Bestseller Autorin Nathalie Stüben: Zwischen Sangria, Sonnenuntergang und stiller Einsamkeit

Zwischen Sangria, Sonnenuntergang und stiller Einsamkeit

Zwischen Sangria, Sonnenuntergang und stiller Einsamkeit – Warum gerade im Sehnsuchtsland Spanien viele Menschen heimlich trinken

In Spanien steht fast immer ein Glas Wein auf dem Tisch.

Mittags.
Abends.
Zum Essen.
Zum Treffen mit Freunden.
Zum Sonnenuntergang.
Zum Leben.

Und genau das macht es so gefährlich.

Denn Alkohol wirkt in Spanien selten wie Alkohol.
Er wirkt wie Lebensgefühl.

Wie Urlaub.
Wie Leichtigkeit.
Wie Freiheit.

Ein Glas Cava auf der Dachterrasse in Sevilla.
Ein eiskalter Weißwein am Hafen von Sotogrande.
Rosado am Strand von Marbella.
Sangria unter Palmen.
Champagner in Beachclubs, während im Hintergrund irgendein DJ melancholischen Deep House spielt und das Meer rauscht.

Es sieht schön aus. Elegant sogar.

Und genau darin liegt die Falle.

Denn Spanien ist nicht nur ein Land.
Spanien ist für viele Menschen eine Projektionsfläche.

Für Freiheit.
Für Neuanfang.
Für Sonne.
Für „endlich leben“.

Gerade Menschen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommen oft mit einer Sehnsucht hierher. Nach weniger Druck. Weniger Regeln. Mehr Leben.

Und plötzlich sitzt man an einem Dienstagmittag am Meer und trinkt Wein, obwohl man das zu Hause niemals tun würde.

Weil es sich hier normal anfühlt.

Noch nie wurden so viele Sätze verniedlicht wie in Spanien:

„Ach komm, wir sind doch im Urlaub.“
„Ein Gläschen geht.“
„Hier lebt man eben anders.“
„Das gehört zur Kultur.“

Und ja – natürlich gehört Wein in Spanien kulturell dazu. Spanien hat eine jahrhundertealte Weintradition. Aber zwischen Kultur und Dauerzustand liegt manchmal nur ein sehr schmaler Grat.

Vor allem an den Küsten.

Denn dort, wo immer Sonne scheint und ständig Menschen kommen und gehen, verschwimmen oft auch Grenzen.

Gerade in Orten an der Costa del Sol, auf Mallorca oder an anderen internationalen Küstengebieten lebt man oft in einer Art Dauer-Ausnahmezustand. Menschen sind entspannter, spontaner, lockerer. Freunde kommen zu Besuch und bringen eine Flasche Wein aus dem Duty-Free-Shop mit. Oder Champagner. Oder Gin. Irgendjemand kennt immer irgendeine Rooftop-Bar, irgendein neues Restaurant, irgendeinen Sundowner-Spot.

Und plötzlich besteht das soziale Leben fast nur noch aus Alkohol.

Lunch mit Wein.
Dinner mit Wein.
Geburtstage mit Champagner.
Beachclubs mit Rosé.
Afterwork mit Aperol.
Sonntagsparty mit Sangria.

Es ist immer lustig. Immer locker. Immer ein bisschen wie Ferien.

Bis es das irgendwann nicht mehr ist.

Denn viele Residenten sind längst in die Alkoholfalle geraten – und keiner spricht darüber.

Gerade unter Auswanderern sieht man oft einen Alkoholkonsum, der erschreckend normalisiert wurde. Vielleicht sogar stärker als in vielen Heimatländern. Denn das Leben am Meer hat nicht nur schöne Seiten. Es fehlt oft auch Struktur. Beständigkeit. Familie. Ein Wochenanker.

Menschen kommen. Menschen gehen.

Freundschaften wechseln schnell. Beziehungen auch. Viele arbeiten selbstständig oder saisonabhängig. Andere leben in einem dauerhaften Schwebezustand zwischen Urlaub und Realität.

Und Alkohol wird zum sozialen Kleber.

Vielleicht sogar zum emotionalen Rettungsring.

Wobei dieses Wort „Rettungsring“ plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommt.

Denn genau dieses Bild brannte sich einmal ein: Ein luxuriöses Hotel an der Küste. Weiß gestrichene Wände. Eine elegante Champagner-Bar. Darüber hing ein dekorativer Rettungsring mit irgendeinem glamourösen Schriftzug.

Alle fanden ihn wunderschön.

Und plötzlich kam dieser Gedanke:

Wie makaber eigentlich.

Ein Rettungsring über einer Champagner-Bar.

Denn für viele Menschen ist Alkohol genau das geworden: ein vermeintlicher Rettungsring.

Gegen Einsamkeit.
Gegen Stress.
Gegen innere Leere.
Gegen Überforderung.
Gegen das Gefühl, irgendwo zwischen zwei Ländern, zwei Leben oder zwei Versionen seiner selbst verloren gegangen zu sein.

Und genau dort beginnt die Geschichte von Nathalie Stüben.

Denn Nathalie spricht über Alkohol anders als die meisten Menschen.

Nicht belehrend.
Nicht moralisch.
Nicht mit diesem erhobenen Zeigefinger.

Sondern ehrlich.

Sie spricht über Frauen, die funktionieren. Frauen, die mitten im Leben stehen. Frauen, die Karriere machen, Kinder großziehen, meditieren, Business führen, Yoga unterrichten oder in Chefetagen sitzen – und trotzdem trinken.

Oder gerade deshalb.

Denn die Wahrheit ist unbequem: Problematischer Alkoholkonsum hat oft nichts mit fehlender Bildung oder fehlendem Wissen zu tun.

Viele der Frauen, die bei Nathalie sitzen, wissen genau, wie ungesund Alkohol ist.

Und trotzdem trinken sie.

Warum?

Weil Alkohol selten das eigentliche Problem ist.

Er ist oft nur die Antwort auf etwas Tieferes.

Und das beginnt meistens viel früher.

Vielleicht auf einer Hockeyparty.
Auf einer Studentenfeier.
Beim ersten Date.

Da wird getrunken, gesoffen, gelacht. Und es gehört zum guten Ton, mitzuhalten. Man ist jung, verliebt, unsicher – und kaschiert diese Unsicherheit mit Alkohol. Vielleicht erlebt man das erste große Verliebtsein mit Alkohol. Vielleicht den ersten Herzschmerz.

Und der Alkohol bleibt.

Er verändert nur seine Form.

Aus der Partynacht wird irgendwann der „witzige“ Prosecco-Moment unter Müttern. Aus Cocktails werden Abendrituale. Aus „ich gönn mir was“ wird emotionale Betäubung.

Und irgendwann sitzt man abends alleine auf der Couch, trinkt eine Flasche Wein – und stellt sich zum ersten Mal die Frage:

„Wer bin ich eigentlich?“

Viele Frauen können diese Frage gar nicht beantworten. Weil sie so früh angefangen haben, Alkohol mit Entspannung, Mut oder Zugehörigkeit zu verbinden.

Und genau diese Frauen landen irgendwann bei Nathalie.

Frauen aus sozialen Berufen. Ärztinnen. Unternehmerinnen. Lehrerinnen. Yoga-Lehrerinnen.

Ja, auch Yoga-Lehrerinnen trinken.
Auch Menschen, die meditieren.
Auch Frauen, die „Om“ sagen und morgens Selleriesaft trinken.

Provokativ? Vielleicht.

Aber genau das macht Nathalie Stüben so wichtig.

Sie zeigt, dass Alkoholprobleme nicht aussehen wie im Fernsehen.

Nicht verwahrlost.
Nicht dramatisch.
Nicht laut.

Sondern oft wunderschön geschniegelt, erfolgreich und perfekt organisiert.

Es sind unsere Freundinnen.
Unsere Nachbarn.
Unsere Kolleginnen.
Unsere Mütter.
Unsere Omas.

Und sie schämen sich.

Denn niemand spricht darüber.

Nathalie Stüben hat nüchternen Menschen ein modernes Gesicht gegeben. Ein intelligentes. Ein schönes. Ein menschliches.

Sie zeigt Menschen, dass es keine Schande ist, zu viel zu trinken. Keine Schande, Hilfe anzunehmen. Und erst recht keine Schande, das eigene Leben zu verändern.

Denn vielleicht beginnt Freiheit manchmal genau dort, wo der nächste Sangria eben nicht bestellt wird.

www.oamn.jetzt.

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