5. Juni 2026
Lesezeit 2 Minuten

Lehrer lehnen Millionen-Deal ab: Neue Streikwelle droht Kataloniens Schulen lahmzulegen

Bleiben die Klassenräume bald erneut leer? Nach dem gescheiterten Tarifdeal könnten die Streiks in Katalonien weitergehen (Credit: Ivan Aleksic/Unsplash)

Der Bildungskonflikt in Katalonien spitzt sich erneut dramatisch zu. Nur wenige Tage nachdem die Regionalregierung und mehrere Lehrergewerkschaften einen historischen Kompromiss präsentiert hatten, haben die Lehrkräfte selbst das Abkommen deutlich abgelehnt. Damit droht den Schulen der Region eine neue Welle von Streiks und Unterrichtsausfällen.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Das Paket, das von der Regierung als Durchbruch gefeiert wurde, sah Investitionen von rund 700 Millionen Euro vor. Herzstück des Angebots waren deutliche Gehaltserhöhungen für Lehrkräfte sowie tausende neue Stellen im Bildungswesen. Dennoch votierte eine klare Mehrheit der Lehrer gegen die Vereinbarung.

Deutliche Ablehnung bei der Abstimmung

Nach Angaben der beteiligten Gewerkschaften stimmten 39.502 Lehrkräfte gegen das Abkommen. Lediglich 21.184 Beschäftigte unterstützten den Vorschlag. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,1 Prozent, mehr als 60.000 Lehrer nahmen an der Abstimmung teil. Insgesamt waren rund 99.000 Beschäftigte stimmberechtigt.

Besonders die Gewerkschaften CGT und Intersindical hatten im Vorfeld massiv für eine Ablehnung geworben. Sie kritisieren, dass die vorgeschlagenen Verbesserungen nicht weit genug gingen und zentrale Forderungen der Streikbewegung unberücksichtigt blieben.

Bis zu 400 Euro mehr Gehalt – trotzdem kein Ja

Dabei hatte die Regionalregierung erhebliche Zugeständnisse gemacht. Das Abkommen sah vor, dass Lehrkräfte in den kommenden vier Jahren schrittweise bis zu rund 400 Euro monatlich zusätzlich erhalten sollten. Geplant war unter anderem ein neuer Bildungszuschlag von etwa 172 Euro pro Monat. Hinzu kommen bereits vereinbarte regionale Gehaltszulagen von rund 210 Euro sowie weitere Anpassungen im öffentlichen Dienst.

Nach Berechnungen verschiedener katalanischer Medien hätten viele Lehrkräfte bis zum Jahr 2029 sogar auf Gehaltssteigerungen von insgesamt rund 600 Euro brutto pro Monat kommen können.

Doch genau hier liegt einer der Gründe für den Widerstand. Viele Lehrer kritisieren, dass die Erhöhungen nicht sofort greifen, sondern über mehrere Jahre verteilt werden. Zudem sehen zahlreiche Beschäftigte die Maßnahmen als unzureichenden Ausgleich für die gestiegenen Lebenshaltungskosten der vergangenen Jahre.

Tausende neue Stellen versprochen

Neben den Gehaltsverbesserungen hatte die Regierung auch einen massiven Personalaufbau angekündigt. Mehr als 6.400 neue Stellen für Lehrkräfte, Sonderpädagogen, Sozialarbeiter und weiteres Unterstützungspersonal sollten in den kommenden Jahren geschaffen werden. Bereits zum nächsten Schuljahr waren über 1.000 zusätzliche Stellen vorgesehen.

Die Regierung argumentiert, dass damit sowohl die Arbeitsbelastung reduziert als auch die Qualität des Unterrichts verbessert werden könne. Kritiker halten dagegen, dass die Maßnahmen zu spät kämen und die Personalprobleme vieler Schulen bereits heute akut seien.

Wochenlange Proteste erschütterten Katalonien

Der Konflikt schwelt bereits seit Wochen. Seit Anfang Mai kam es immer wieder zu großangelegten Streikaktionen, Demonstrationen und Blockaden.

Besonders für Aufsehen sorgte eine Protestaktion in Barcelona, bei der streikende Lehrkräfte den Zugang zur weltberühmten Basilika Sagrada Família blockierten. Besucher konnten das Wahrzeichen zeitweise nicht betreten, Tickets mussten erstattet werden.

Auch wichtige Verkehrsverbindungen wurden blockiert. Demonstranten legten zeitweise Straßen und Bahnstrecken lahm und machten damit deutlich, wie entschlossen die Bewegung ist. Gewerkschaften berichteten von einer außergewöhnlich hohen Beteiligung an den Protesten.

Regierung unter Druck

Für die Regierung von Salvador Illa stellt das Abstimmungsergebnis einen schweren Rückschlag dar. Die Regionalregierung hatte gehofft, mit dem milliardenschweren Maßnahmenpaket einen der größten Bildungskonflikte der vergangenen Jahre beenden zu können.

Stattdessen steht die Verwaltung nun erneut vor schwierigen Verhandlungen. Beobachter rechnen damit, dass die Streiks bereits in den kommenden Tagen wieder aufgenommen werden könnten. Weitere Unterrichtsausfälle sowie neue Protestaktionen gelten als wahrscheinlich.

Familien und Schüler blicken mit Sorge auf den Sommer

Für Eltern und Schüler bedeutet die Eskalation vor allem Unsicherheit. Schon die bisherigen Arbeitsniederlegungen haben vielerorts zu Unterrichtsausfällen geführt. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnte der Konflikt bis in das kommende Schuljahr hineinreichen. Mehrere Bildungsexperten in Katalonien warnen bereits vor einem „heißen Bildungsherbst“, falls Regierung und Gewerkschaften keinen neuen Kompromiss finden.

Fest steht: Trotz eines Angebots in Millionenhöhe und deutlicher Gehaltsverbesserungen ist der Konflikt längst nicht beendet. Die Fronten zwischen Regierung und Teilen der Lehrerschaft bleiben verhärtet – und Kataloniens Schulen stehen erneut vor unruhigen Wochen.

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