Ein Erdbeben der Stärke 4,8 hat Granada am Dienstag erneut erschüttert. Augenzeugen berichten von einem gewaltigen Knall, schwankenden Gebäuden und herabfallenden Gegenständen. In einem Supermarkt gerieten Kunden in Panik, in Cafés rannten Menschen ins Freie. Auch Krankenhäuser und die berühmte Alhambra reagierten auf die anhaltenden Erschütterungen.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Granada kommt nicht zur Ruhe. Nach dem bereits starken Erdbeben vom vergangenen Wochenende hat die Erde am Dienstag erneut kräftig gebebt. Das stärkste Beben erreichte nach Angaben des spanischen Instituto Geográfico Nacional (IGN) eine Magnitude von Mw 4,8 und ereignete sich um 10:37 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag im Raum Gójar und Alhendín, südlich von Granada. Das Beben war sehr oberflächennah und deshalb in einem großen Gebiet deutlich zu spüren.
Was die Menschen vor Ort erlebten, macht deutlich, wie intensiv selbst ein Beben dieser Stärke wahrgenommen werden kann.
„Als hätte jemand eine Bombe geworfen“
Eine Bewohnerin schilderte den Moment des Erdstoßes mit drastischen Worten. Es habe sich angefühlt, als hätte jemand eine Bombe geworfen. Vor allem das ungewöhnlich laute Geräusch habe sie erschreckt. Für einige Sekunden bewegte sich nach ihren Angaben alles um sie herum, während gleichzeitig ein tiefes Donnern zu hören war.
Die eigentliche Erschütterung habe nur wenige Sekunden gedauert – für die Betroffenen allerdings lang genug, um für große Verunsicherung zu sorgen. Kurz darauf folgten bereits weitere Bewegungen. Damit begann für viele Bewohner eine angespannte Zeit, denn die Frage war nicht nur, wie stark das erste Beben gewesen war, sondern ob unmittelbar weitere Erschütterungen folgen würden.
Panik in einem Supermarkt
Besonders eindrücklich war das Erdbeben für Menschen, die sich während des Erdstoßes in Geschäften befanden. Eine junge Frau berichtete, wie plötzlich Regale und Waren zu schwanken begannen. Zahlreiche Produkte fielen zu Boden, während sich die Kunden erschrocken umsahen. Besonders im Bereich der Getränke sei die Situation chaotisch geworden.
Menschen ließen ihre Einkaufswagen stehen und liefen aus dem Supermarkt. Einige schrien vor Angst. Die heftige Bewegung des Gebäudes habe bei vielen Kunden unmittelbar Panik ausgelöst.
Auch wenn ein Beben mit einer Magnitude von 4,8 nicht mit den verheerendsten Erdbeben Spaniens vergleichbar ist, zeigt die Szene, wie stark oberflächennahe Erdstöße in dicht besiedelten Gebieten wahrgenommen werden können.
Café wird innerhalb von Sekunden geräumt
Ähnliche Szenen spielten sich in einem Café ab. Dort saßen Menschen gerade beim Frühstück, als plötzlich ein lautes Geräusch ertönte und der Boden zu schwanken begann. Lampen und Gegenstände bewegten sich, Tassen und Getränke fielen herunter. Innerhalb weniger Sekunden verließen die Gäste das Lokal.
Besonders ältere Menschen und Familien mit Kindern reagierten panisch. Einige Menschen rannten nach draußen, ohne persönliche Gegenstände mitzunehmen. Für viele Betroffene war nicht nur die Bewegung selbst erschreckend. Auch das Geräusch des Bebens verstärkte den Eindruck einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr.
„Die Erde hat mich vom Boden gehoben“
Auch im Café Fútbol im Zentrum Granadas wurde der Erdstoß deutlich wahrgenommen. Der Betreiber beschrieb das Gefühl, als würde der Boden ihn regelrecht anheben. Während in seinem Café größere Schäden zunächst ausblieben, waren die Gäste sichtlich verunsichert. Viele Menschen wollten nach dem Beben nicht länger in geschlossenen Räumen bleiben und suchten die Straße auf.
Solche persönlichen Schilderungen zeigen, wie unterschiedlich ein und dasselbe Erdbeben wahrgenommen werden kann. Während manche Menschen nur ein kurzes Schwanken bemerkten, hatten andere das Gefühl, dass das gesamte Gebäude in Bewegung geraten war.
Besonders heftig in Gójar
Noch intensiver wurde der Erdstoß in der Nähe des Epizentrums wahrgenommen. Gójar, südlich von Granada, gehörte zu den am stärksten betroffenen Orten. Dort berichteten Bewohner von starken Erschütterungen innerhalb ihrer Häuser. An einigen Gebäuden wurden Risse und Schäden an Fassaden festgestellt. Auch Schornsteine und andere Gebäudeteile wurden beschädigt.
Das Problem: Nach dem ersten starken Erdstoß war die Situation nicht vorbei. Weitere Beben folgten innerhalb kurzer Zeit. Das IGN registrierte unter anderem weitere Erschütterungen der Magnituden 3,9, 4,2 und 4,0.
Mehr als 400 Erdbeben innerhalb weniger Tage
Das Beben vom Dienstag ist Teil einer größeren seismischen Serie, die die Region seit dem 14. August beschäftigt. Nach den aktuellen Angaben des IGN wurden inzwischen 432 Erdbeben registriert. Die überwiegende Mehrheit war schwach und lag unter Magnitude 2. Allerdings wurden neun Ereignisse mit einer Magnitude von mindestens 3 registriert, während 45 Erdbeben von der Bevölkerung wahrgenommen wurden.
Die beiden stärksten Ereignisse erreichten jeweils Mw 4,8 – eines am 14. August und das zweite am Dienstag. Die Erdbeben konzentrieren sich auf den Bereich rund um Alhendín, Gójar und La Zubia, nur wenige Kilometer südlich von Granada.
Mehr als 500 Orte spüren die Erschütterungen
Die Auswirkungen beschränkten sich allerdings nicht auf das unmittelbare Epizentrum. Die beiden stärksten Beben wurden nach Angaben des IGN in mehr als 500 Ortschaften wahrgenommen. Betroffen waren vor allem Zentral- und Ostandalusien, aber auch Teile der Region Murcia und Süd-Castilla-La Mancha.
Damit wurde das Ausmaß der Erschütterungen auch außerhalb des Großraums Granada deutlich.
Drei Menschen leicht verletzt
Die Erdbebenserie blieb nicht ohne Folgen. Nach Angaben der andalusischen Behörden wurden drei Menschen leicht verletzt. Unter ihnen war auch eine Minderjährige, die vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht wurde.
Darüber hinaus wurden Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen und Fassaden gemeldet. Herabfallende Bauteile und Trümmer sorgten an mehreren Stellen für zusätzliche Gefahren. Das IGN spricht bislang vor allem von nichtstrukturellen Schäden und herabgefallenen Gegenständen. Die genaue Schadensbilanz wird weiter überprüft.
Auch Krankenhäuser reagieren auf die Erdbeben
Die anhaltenden Erschütterungen sorgten auch in den Krankenhäusern Granadas für Anspannung. In den beiden großen öffentlichen Krankenhäusern Virgen de las Nieves und Clínico San Cecilio wurden nicht dringende Aktivitäten zeitweise ausgesetzt. Dringende medizinische Behandlungen liefen dagegen weiter.
Eine Ärztin schilderte, dass sie selbst zunächst in einem Café vom Erdbeben überrascht worden sei und anschließend zur Arbeit ins Krankenhaus ging. Dort habe sie Menschen erlebt, die unter großer Angst und teilweise unter Panikattacken litten. Gerade die wiederholten Erschütterungen machten die Situation für viele Menschen psychisch belastend.
Alhambra vorsorglich geräumt
Auch eines der wichtigsten Wahrzeichen Spaniens blieb von den Ereignissen nicht verschont. Nach dem neuerlichen Erdbeben wurden die Nasridenpaläste und die Alcazaba der Alhambra vorsorglich geräumt. Die Besucher wurden aus den betroffenen Bereichen gebracht, während Experten die historischen Gebäude auf mögliche Schäden überprüften.
Auch weitere öffentliche und kulturelle Einrichtungen in Granada wurden aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen. Die Vorsichtsmaßnahmen zeigen, wie ernst die Behörden die wiederholten Erschütterungen nehmen – insbesondere bei historischen Gebäuden, die gegenüber starken Vibrationen besonders empfindlich sein können.
Granada bleibt in Alarmbereitschaft
Die Behörden haben inzwischen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet und appellieren gleichzeitig an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und die offiziellen Empfehlungen zu befolgen.
Für die Menschen in Granada bleibt die Situation dennoch ungewöhnlich. Immer wieder spürbare Erschütterungen, beschädigte Gebäude und die Ungewissheit über das nächste Beben sorgen dafür, dass viele Bewohner derzeit besonders aufmerksam sind.
Fest steht: Die Erde unter Granada bleibt in Bewegung. Nach zwei Erdbeben der Stärke 4,8 innerhalb weniger Tage und hunderten weiteren registrierten Erschütterungen dürfte die seismische Aktivität die andalusische Provinz auch in den kommenden Tagen weiter beschäftigen.
