Die Demonstrationen vom gestrigen Mittwoch, 2. September, machten die Unterstützung für Ceuta landesweit sichtbar. In zahlreichen spanischen Städten gingen Tausende Menschen auf die Straße. Dabei ging es längst nicht mehr nur um Solidarität mit der spanischen Exklave: Vielerorts richtete sich der Protest auch direkt gegen die Regierung von Pedro Sánchez.
Spanien erhob gestern seine Stimme für Ceuta.
Redaktion Spanien Press
Am gestrigen Mittwoch, dem 2. September, fanden in zahlreichen Städten und Gemeinden Spaniens Demonstrationen und Kundgebungen zur Unterstützung Ceutas statt. Was ursprünglich vor allem als Zeichen der Solidarität mit der spanischen Exklave gedacht war, entwickelte sich vielerorts zugleich zu einer deutlichen Protestbewegung gegen die Politik der Regierung in Madrid.
Spanische und ceutische Flaggen bestimmten das Bild. Immer wieder war der Ruf „Ceuta no se vende, Ceuta se defiende“ – „Ceuta wird nicht verkauft, Ceuta wird verteidigt“ zu hören.
Doch bei diesem einen Appell blieb es gestern nicht.
Auf zahlreichen Kundgebungen richtete sich der Unmut zunehmend gegen Ministerpräsident Pedro Sánchez. „Pedro Sánchez, dimisión“ – „Pedro Sánchez, Rücktritt“ gehörte an verschiedenen Orten zu den Rufen der Demonstranten.
Damit bekam der gestrige Protest eine politische Dimension, die weit über Ceuta hinausging.
Madrid wurde zum Zentrum der Proteste
Besonders eindrucksvolle Bilder kamen gestern aus Madrid.
Die Plaza de Cibeles war voller Menschen. Über die genaue Teilnehmerzahl gibt es – wie bei politischen Großdemonstrationen in Spanien häufig – unterschiedliche Angaben.
Die Regierungsdelegation sprach von rund 50.000 Teilnehmern, während die Stadt Madrid die Zahl auf bis zu 150.000 Menschen bezifferte.
Auf Plakaten wurde Solidarität mit Ceuta gefordert, gleichzeitig waren immer wieder Rücktrittsforderungen gegen Sánchez zu hören.
An der Madrider Kundgebung nahmen auch führende Vertreter der spanischen Opposition teil, darunter PP-Chef Alberto Núñez Feijóo, Vox-Chef Santiago Abascal, die Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso sowie Madrids Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida.
Doch Madrid war gestern keineswegs ein Einzelfall.
Auch in zahlreichen anderen Teilen Spaniens gingen Menschen auf die Straße.
Auf den Kanarischen Inseln beteiligten sich nach Angaben der Regierungsdelegation mehr als 10.000 Menschen an den Kundgebungen in Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife.
Auch in Palma kamen Tausende Menschen zusammen. In Pamplona reichte der Platz vor dem Rathaus zeitweise nicht aus, sodass sich die Teilnehmer auf die angrenzenden Straßen verteilten.
In Ciudad Real wurde die Zahl der Demonstranten nach Polizeiangaben auf rund 8.000 geschätzt.
Auch aus Sevilla, Zaragoza, Valencia, Barcelona, Logroño und zahlreichen kleineren Städten und Gemeindenwurden gestern Kundgebungen gemeldet.
Auch Ceuta selbst ging gestern auf die Straße
Die wohl symbolträchtigste Demonstration fand selbstverständlich in Ceuta selbst statt.
Ausgerechnet am offiziellen Día de Ceuta gingen Tausende Einwohner auf die Straße.
Erste Schätzungen sprachen von mehr als 20.000 Teilnehmern – eine bemerkenswerte Zahl für eine Stadt mit rund 80.000 Einwohnern.
Die seit Ende Juli anhaltende Krise hat das politische und gesellschaftliche Klima in Ceuta tiefgreifend verändert.
Was zunächst als Migrations- und humanitäre Krise begann, ist inzwischen längst zu einer politischen Krise mit nationaler Tragweite geworden.
Viele Einwohner Ceutas beklagen seit Wochen, von Madrid im Stich gelassen worden zu sein. Gleichzeitig wächst die Sorge darüber, wie lange die derzeitige Situation noch aufrechterhalten werden kann.
Nicht jeder Demonstrant forderte den Rücktritt von Sánchez
Bei aller Deutlichkeit der gestrigen Bilder ist allerdings eine Unterscheidung wichtig.
Die Demonstrationen waren offiziell Kundgebungen zur Unterstützung Ceutas – nicht sämtliche Teilnehmer gingen auf die Straße, um den Rücktritt von Pedro Sánchez zu fordern.
Die Federación Española de Municipios y Provincias (FEMP) hatte für gestern um 20 Uhr zu Kundgebungen vor spanischen Rathäusern aufgerufen.
PP und Vox unterstützten die Initiative ausdrücklich. Die PSOE kritisierte dagegen die Art der Organisation und warf der PP vor, die Institution politisch zu instrumentalisieren.
Einige von PSOE und IU regierte Gemeinden organisierten eigene Solidaritätskundgebungen für Ceuta, ohne sich der offiziellen FEMP-Initiative anzuschließen.
Genau darin liegt möglicherweise die politische Bedeutung des gestrigen Tages.
Denn auf den Straßen trafen unterschiedliche Motive zusammen: Menschen, die ausschließlich ihre Solidarität mit Ceuta zeigen wollten; Bürger, die schnelle Lösungen für die Krise verlangten; und Demonstranten, die ihren Protest ausdrücklich gegen die Regierung von Pedro Sánchez richteten.
In vielen Städten vermischten sich diese Botschaften.
Die Botschaft von gestern ist in Madrid angekommen
Die Regierung kann über Teilnehmerzahlen diskutieren und vor einer parteipolitischen Instrumentalisierung der Krise warnen. Die Opposition wiederum wird versuchen, die Bilder der gestrigen Demonstrationen als Beleg für den wachsenden politischen Druck auf Pedro Sánchez zu nutzen.
Ein Punkt lässt sich jedoch kaum übersehen:
Ceuta hat gestern Menschen in ganz Spanien mobilisiert.
Noch vor wenigen Wochen bestand in der Exklave die Sorge, dass die Krise aus den Schlagzeilen verschwinden und der Rest des Landes Ceuta vergessen könnte.
Die Demonstrationen vom 2. September zeigten ein anderes Bild.
Von Madrid über Andalusien bis zu den Kanarischen Inseln, von den Balearen bis nach Navarra und Castilla-La Mancha wurde gestern deutlich, dass die Situation in Ceuta längst nicht mehr ausschließlich als regionales Problem an der südlichen Grenze Spaniens wahrgenommen wird.
Ceuta ist zu einem nationalen politischen Thema geworden.
Und neben der Solidarität mit den Menschen vor Ort wurde gestern noch eine zweite Botschaft sichtbar: Ein Teil der Demonstranten macht die Regierung unmittelbar für den Umgang mit der Krise verantwortlich und fordert politische Konsequenzen.
Die Bilder der vollen Plaza de Cibeles, der Kundgebungen in zahlreichen spanischen Städten und der Tausenden Menschen auf den Straßen Ceutas werden politisch nachwirken.
Gestern ging Spanien für Ceuta auf die Straße. Und vielerorts war die Botschaft an den Regierungssitz in Madrid unüberhörbar: „Pedro Sánchez, dimisión.“
