Wir leben in unruhigen Zeiten. Kriege, wirtschaftliche Unsicherheit, Migration und tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen bestimmen die öffentliche Debatte. Doch ebenso besorgniserregend wie die Krisen selbst ist für mich die Art und Weise, wie wir inzwischen miteinander darüber sprechen.
Als Chefredakteurin von Spanien Press beobachte ich täglich, wie sehr sich die politischen Fronten verhärtet haben. Wer eine andere Meinung vertritt, wird immer seltener als Gesprächspartner und immer häufiger als Gegner wahrgenommen. Es geht kaum noch darum, Argumente auszutauschen oder einander verstehen zu wollen. Stattdessen wird vorschnell verurteilt, abgestempelt und ausgegrenzt.
Das zeigt sich nicht nur in den Kommentaren unter unseren Artikeln, sondern ebenso in sozialen Netzwerken, Diskussionsforen und persönlichen Gesprächen. Dabei ist es keineswegs ein rein spanisches Problem. In Spanien, Deutschland, ganz Europa und weit darüber hinaus wächst die Kluft zwischen den politischen Lagern.
„Eine Demokratie lebt von unterschiedlichen Meinungen, von Kritik und auch von deutlichem Widerspruch. Doch sie gerät in Gefahr, wenn aus politischer Gegnerschaft persönliche Feindschaft wird.“
Links und rechts scheinen sich immer weiter voneinander zu entfernen. Gleichzeitig schwindet die Bereitschaft, andere Überzeugungen auszuhalten. Oft genügt ein einziger Beitrag, um zu erkennen, wie viel Misstrauen, Wut und Gereiztheit inzwischen in unserer Gesellschaft vorhanden sind.
Natürlich darf und soll leidenschaftlich diskutiert werden. Eine Demokratie lebt von der Vielfalt der Ansichten. Doch sie gerät in Gefahr, wenn wir dem anderen jede Vernunft, Aufrichtigkeit oder Menschlichkeit absprechen.
Ich weiß nicht, ob es die Logik der sozialen Medien, die weltweiten Krisen, wirtschaftliche Zukunftsängste oder eine Mischung aus all diesen Faktoren ist, die uns an diesen Punkt geführt hat. Aber diese Entwicklung bereitet mir große Sorgen.
Ich wünsche mir deshalb für unsere Leserinnen und Leser – und für unsere Debattenkultur insgesamt – eine Rückkehr zum echten Dialog: dass wir einander wieder zuhören, einander widersprechen, ohne zu beleidigen, und akzeptieren, dass kein politisches Lager allein im Besitz der Wahrheit ist.
Denn unterschiedliche Meinungen gehören zur Demokratie. Verachtung gehört nicht dazu.
