24. September 2026
Lesezeit 3 Minuten

Neue Umfrage in Spanien: PSOE verliert – Vox gewinnt deutlich hinzu

Demonstration von VOX-Anhängern Credit ZUMAPRESS /Cordon Press

Die jüngste Migrationskrise in Ceuta fällt mit deutlichen Verschiebungen in der politischen Stimmung Spaniens zusammen. Laut der aktuellen DYM-Umfrage verliert die sozialistische PSOE weiter an Boden, während Vox zulegt. Die konservative Partido Popular bleibt mit deutlichem Abstand stärkste Kraft. Gemeinsam kämen PP und Vox auf eine komfortable absolute Mehrheit.

Redaktion Spanien Press

Spaniens politische Landschaft ist nach dem Sommer in Bewegung. Die neue Umfrage des Instituts DYM, die am 24. September veröffentlicht wurde, sieht die regierende PSOE bei nur noch 26,3 Prozent. Gegenüber der letzten Erhebung im Juli entspricht dies einem Minus von 0,7 Prozentpunkten.

Damit liegen die Sozialisten inzwischen rund fünf Punkte unter ihrem Ergebnis bei der Parlamentswahl 2023.

Die konservative Partido Popular (PP) von Alberto Núñez Feijóo bleibt mit 34,7 Prozent klar stärkste politische Kraft. Gegenüber Juli verliert sie zwar geringfügig 0,2 Prozentpunkte, würde laut DYM jedoch zwischen 144 und 148 Sitze im spanischen Abgeordnetenhaus erreichen.

Deutlich stärker fällt die Bewegung bei Vox aus.

Die Partei von Santiago Abascal kommt in der aktuellen Erhebung auf 17,3 Prozent und könnte zwischen 58 und 61 Abgeordnete stellen. Gegenüber der letzten Parlamentswahl bedeutet dies einen Zuwachs von fast fünf Prozentpunkten.

Wähler wechseln vom PSOE zur PP – und von der PP zu Vox

Interessant sind vor allem die von DYM ermittelten Wählerwanderungen.

Demnach würden 8,7 Prozent derjenigen, die 2023 noch PSOE gewählt hatten, heute für die Partido Popular stimmen.

Gleichzeitig verliert die PP einen Teil ihrer damaligen Wählerschaft an Vox: 10,4 Prozent der PP-Wähler von 2023 würden sich derzeit für die Partei von Santiago Abascal entscheiden.

Damit zeigt sich eine Verschiebung auf mehreren Ebenen des politischen Spektrums.

Rechnerisch kämen PP und Vox laut der aktuellen Sitzprojektion gemeinsam auf 202 bis 209 Mandate. Für eine absolute Mehrheit im Congreso de los Diputados sind 176 Sitze erforderlich.

Ceuta prägt die politische Debatte

Die Umfrage erscheint wenige Wochen nach der außergewöhnlichen Migrationskrise in Ceuta, die die politische Diskussion in Spanien über Wochen beherrscht hat.

DYM registriert gleichzeitig eine sehr kritische Wahrnehmung der Bevölkerung beim Thema Migration. 76,3 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich die Situation in diesem Bereich während der laufenden Legislaturperiode verschlechtert habe.

Die zeitliche Nähe zwischen der Krise in Ceuta und den Veränderungen in der Wahlabsicht ist auffällig. Aus einer Meinungsumfrage allein lässt sich allerdings nicht ableiten, dass Ceuta die alleinige Ursache für die Verluste der PSOE beziehungsweise die Zugewinne von Vox ist.

PSOE nähert sich erneut einem Umfragetief

Mit 26,3 Prozent liegt die PSOE nur knapp über ihrem bisherigen DYM-Tief dieser Legislaturperiode. Im Juni 2025, auf dem Höhepunkt der politischen Auseinandersetzungen um den sogenannten Cerdán-Fall, hatte die Partei 26,1 Prozent erreicht.

Auch die Entwicklung links der PSOE bleibt schwierig.

Sumar kann sich zwar leicht verbessern, käme derzeit aber lediglich auf 4,5 Prozent und maximal sieben Abgeordnete.

Podemos fällt auf 3,7 Prozent zurück und würde nach der DYM-Projektion zwei bis drei Mandate erhalten.

Zusammengenommen liegen beide Parteien damit mehr als vier Prozentpunkte unter dem Ergebnis, das das gemeinsame linke Bündnis bei der Parlamentswahl 2023 erzielt hatte.

Die Frage, ob die verschiedenen Kräfte links der PSOE bei der nächsten Wahl erneut gemeinsam antreten werden, dürfte deshalb weiter an Bedeutung gewinnen.

Kein Parteichef erreicht die Note „gut“

Auch die persönlichen Bewertungen der wichtigsten Politiker fallen ausgesprochen niedrig aus.

PP-Chef Alberto Núñez Feijóo erreicht mit 3,2 von zehn möglichen Punkten den höchsten Wert. Ministerpräsident Pedro Sánchez und Yolanda Díaz kommen jeweils auf 3,0 Punkte.

Vox-Chef Santiago Abascal erreicht 2,9 Punkte, Podemos-Generalsekretärin Ione Belarra 2,2.

Damit erreicht keiner der abgefragten Parteichefs im Durchschnitt eine positive Bewertung.

Auf die Frage, wen sie als Regierungschef bevorzugen würden, nennen 36,2 Prozent Feijóo und 34,7 Prozent Sánchez. Noch im Mai hatte dieses Verhältnis anders ausgesehen: Damals nannten 42,9 Prozent Sánchez und 36,6 Prozent Feijóo.

Wohnen und Migration bereiten den Spaniern die größten Sorgen

Besonders deutlich fällt die Unzufriedenheit bei konkreten politischen Themen aus.

An erster Stelle steht die Wohnungsfrage. 77,8 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum in den vergangenen drei Jahren verschlechtert hat.

Unmittelbar dahinter folgt die Migration mit 76,3 Prozent. Bei der Inflation sehen 75,8 Prozent eine Verschlechterung.

Auch Korruption wird von 69,1 Prozent der Befragten negativer bewertet, bei der Gesundheitsversorgung sind es 62,3 Prozent.

Etwas weniger eindeutig fällt das Urteil über den Arbeitsmarkt aus. 43,1 Prozent sehen eine Verschlechterung, 27,2 Prozent keine wesentliche Veränderung und 24,5 Prozent eine Verbesserung.

Auch die Regierung verliert an Zustimmung

Die allgemeine Bewertung der spanischen Regierung ist ebenfalls gesunken.

Im Durchschnitt erhält die Regierung nur noch 3,7 von zehn Punkten. Im Mai waren es noch 4,4.

54,2 Prozent der Befragten bewerten die Arbeit der Regierung negativ, während 40,4 Prozent ihr ein positives Zeugnis ausstellen.

Die aktuelle DYM-Umfrage zeichnet damit ein deutlich verändertes Bild gegenüber der Parlamentswahl von 2023: Die PP bleibt klar vor der PSOE, Vox gewinnt an Unterstützung und das politische Lager links der Sozialisten bleibt zersplittert.

Ob sich diese Entwicklung bis zur nächsten Parlamentswahl verfestigt, lässt sich aus einer einzelnen Umfrage jedoch nicht ableiten. Sie ist eine Momentaufnahme der politischen Stimmung in Spanien Ende September 202

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