Spanien vergibt TIE-Fingerabdrucktermine jetzt automatisch in weiteren Regionen

Ein Polizeibeamter nimmt in einer spanischen Dienststelle die Fingerabdrücke einer Person auf. Das Verfahren ist Teil der Beantragung der TIE-Aufenthaltskarte (Credit: KI generiert)

Die spanische Nationalpolizei weitet ein Pilotprojekt zur automatischen Vergabe von Terminen für Aufenthaltskarten aus. Betroffen sind unter anderem Málaga, Alicante, Barcelona, Murcia und Valencia. Allerdings profitieren zunächst nur ausgewählte Antragsteller von der Neuerung.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Die spanische Nationalpolizei führt ein neues Verfahren ein, um die langen Wartezeiten bei der Beantragung von Aufenthaltskarten zu verkürzen. In mehreren Regionen Spaniens werden Termine für die Abnahme von Fingerabdrücken künftig automatisch vergeben. Damit sollen ausländische Einwohner leichter einen Termin für ihre sogenannte TIE-Karte erhalten.

Das Pilotprojekt wurde auf weitere wichtige Provinzen ausgeweitet. Dazu gehören Alicante, Barcelona, Málaga, Murcia und Valencia. Die Maßnahme ist Teil der Bemühungen, den wachsenden Rückstau bei der Bearbeitung von Aufenthaltsdokumenten zu bewältigen.

Automatische Termine sollen Wartezeiten verkürzen

Bislang müssen Antragsteller in der Regel selbst über das Onlineportal der Behörden einen freien Termin für die Fingerabdruckabnahme finden. Gerade in größeren Städten kann sich dies als schwierig erweisen. Die hohe Nachfrage, begrenzte Personalkapazitäten und technische Probleme bei der Terminbuchung haben in den vergangenen Monaten zu erheblichen Verzögerungen geführt.

Das neue Verfahren soll diesen Prozess vereinfachen. Statt darauf zu warten, dass Betroffene selbst einen verfügbaren Termin finden, weist die Polizei ausgewählten Antragstellern automatisch einen Termin zu. Die entsprechenden Informationen werden per SMS und E-Mail übermittelt.

Das Pilotprojekt wurde zunächst in den katalanischen Provinzen Girona, Tarragona und Lleida erprobt. Seit dem 9. Oktober 2026 wird es auf weitere Regionen ausgeweitet. Mit der Ausdehnung auf Alicante, Barcelona, Málaga, Murcia und Valencia sollen nun auch weitere Gebiete mit hoher Nachfrage profitieren.

Eine landesweite Einführung ist damit jedoch noch nicht bestätigt. Die Behörden wollen zunächst Erfahrungen mit dem Verfahren sammeln und prüfen, in welchem Umfang es zur Entlastung der Terminvergabe beiträgt.

Nur ein Teil der Antragsteller profitiert

Die automatische Terminvergabe gilt zunächst nicht für alle Personen, die eine TIE-Karte beantragen. So werden nämlich vorerst nur rund zehn Prozent der betreffenden Fälle in das Pilotprojekt einbezogen. Wer für das Verfahren ausgewählt wird, erhält die Terminangaben automatisch. Die übrigen Antragsteller müssen weiterhin den herkömmlichen Weg über das Onlineportal nutzen.

Auch beim Warten auf eine Benachrichtigung sollten Betroffene aufmerksam bleiben. Wenn innerhalb von 20 Tagen nach der Mitteilung über die Bearbeitung des Antrags kein automatischer Termin eingeht, müssen sie selbst über das reguläre Buchungssystem einen Termin vereinbaren.

Bei technischen Schwierigkeiten mit der Plattform verweist die Polizei auf das zuständige Nutzer-Servicezentrum. Die örtlichen Polizeidienststellen können Probleme bei der Online-Terminvergabe dem Bericht zufolge nicht unmittelbar beheben.

Diese Regionen sind bislang nicht einbezogen

Mit der aktuellen Ausweitung werden mehrere große Ballungsräume und wichtige Küstenregionen erfasst. Dennoch ist das System noch nicht flächendeckend verfügbar.

Die Balearen und die Kanarischen Inseln sowie die Festlandprovinzen Almería und Cádiz gehören bislang nicht zu den neu einbezogenen Gebieten. Wer dort eine TIE-Karte beantragen muss, sollte deshalb weiterhin mit dem bestehenden Terminvergabesystem planen.

Ob und wann weitere Provinzen hinzukommen, hängt von der weiteren Entwicklung des Pilotprojekts ab. Eine verbindliche Frist für die landesweite Einführung wurde nicht genannt.

Was ist die TIE-Karte?

Die Tarjeta de Identidad de Extranjero, kurz TIE, ist ein spanischer Identitätsnachweis für bestimmte ausländische Staatsangehörige mit einem entsprechenden Aufenthaltsstatus. Die Karte enthält unter anderem persönliche Angaben und biometrische Daten und dient als Nachweis des jeweiligen Aufenthaltsstatus.

Für die Ausstellung müssen Antragsteller nach der entsprechenden Entscheidung über ihren Aufenthalt in der Regel einen Termin bei der Polizei vereinbaren. Bei diesem Termin werden unter anderem die Fingerabdrücke erfasst. Anschließend kann die Karte ausgestellt werden.

Die TIE ist insbesondere für Menschen aus Nicht-EU-Staaten relevant, die in Spanien leben. Auch viele britische Einwohner benötigen sie aufgrund der seit dem Brexit geltenden Regelungen. Welche Dokumente im Einzelfall erforderlich sind, hängt allerdings vom jeweiligen Aufenthaltsstatus ab.

Hohe Nachfrage belastet die Behörden

Die automatische Terminvergabe ist Teil einer größeren Herausforderung für die spanischen Behörden. Bereits im August wurde ein Maßnahmenplan bekannt, mit dem die Polizei den Rückstau bei der Bearbeitung von Aufenthaltskarten reduzieren will.

Zu den damals veröffentlichten Maßnahmen gehörten zusätzliches Personal, längere Öffnungszeiten und Einsätze an Nachmittagen und Samstagen. Außerdem war die automatische Zuweisung von Terminen in vielen Provinzen bereits als Pilotmaßnahme vorgesehen.

Ein wesentlicher Faktor für die gestiegene Nachfrage ist die hohe Zahl neuer Aufenthaltsanträge. Im Zusammenhang mit dem spanischen Regularisierungsverfahren sind fast 1,2 Millionen Anträge eingereicht worden. Viele erfolgreiche Anträge führen anschließend dazu, dass eine TIE-Karte ausgestellt werden muss. Gleichzeitig stehen zahlreiche bereits in Spanien lebende Ausländer vor der Verlängerung ihrer Aufenthaltsdokumente.

Die automatische Terminvergabe soll daher nicht nur den Zugang zu freien Terminen erleichtern, sondern auch die Arbeit der zuständigen Stellen besser organisieren.

Noch keine Garantie für kürzere Wartezeiten

Ob das neue System die Wartezeiten tatsächlich deutlich verkürzen wird, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Da zunächst nur ein begrenzter Anteil der Fälle automatisch zugewiesen wird, müssen viele Antragsteller weiterhin selbst nach freien Terminen suchen.

Für ausländische Einwohner in den neu einbezogenen Provinzen lohnt es sich deshalb, sowohl SMS-Nachrichten als auch E-Mails im Blick zu behalten. Wer keine automatische Benachrichtigung erhält, sollte nicht davon ausgehen, dass ein Termin bereits feststeht.

Die Ausweitung des Pilotprojekts ist ein weiterer Versuch, die Schwierigkeiten bei der Vergabe von TIE-Terminen zu entschärfen. Ob daraus ein dauerhaftes, landesweites Verfahren wird, hängt davon ab, wie erfolgreich die Behörden die neue Methode in der Praxis bewerten.

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