Melilla hat König Felipe VI. und Königin Letizia am heutigen Mittwoch mit einem großen öffentlichen Empfang begrüßt. Hunderte Einwohner versammelten sich auf der Plaza de España, um die Monarchen bei ihrem ersten offiziellen Besuch in der autonomen Stadt seit fast 19 Jahren willkommen zu heißen. Im Mittelpunkt des Tages standen die Verbundenheit Melillas mit Spanien, die Forderung nach mehr staatlicher Unterstützung und die Folgen der Migrationskrise vom vergangenen Juli.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda von der konservativen Partido Popular (PP), überreichte Felipe VI. im Palacio de la Asamblea die Goldenen Schlüssel der Stadt. In seiner Rede bezeichnete er den Besuch als Beginn einer neuen Etappe für Melilla und forderte eine stärkere Beteiligung der Zentralregierung an der Entwicklung und Sicherheit der nordafrikanischen Exklave. Die Reise des Königspaares sollte am Nachmittag mit einem Besuch einer öffentlichen Schule und einem Treffen mit Vertretern der melillensischen Gesellschaft abgeschlossen werden.
Begeisterter Empfang auf der Plaza de España
Felipe VI. und Letizia landeten am Mittwoch um 11.44 Uhr auf dem Flughafen von Melilla. Sie waren am Morgen mit dem Hubschrauber aus Ceuta angereist, wo sie die Nacht verbracht hatten. Anschließend begaben sie sich zur Plaza de España, dem zentralen Platz vor dem Palacio de la Asamblea.
Dort warteten bereits zahlreiche Menschen auf das Königspaar. Viele trugen spanische Flaggen oder hatten diese um die Schultern gelegt. Zwischen den Gebäuden waren Fahnen und Bilder der Monarchen angebracht. Die Besucher begrüßten Felipe VI. und Letizia mit Rufen wie „¡Viva España!“ und „¡Viva el Rey!“ sowie dem Gesang „Yo soy español, español, español“. Auch der Satz „De Ceuta y de Melilla no nos moverán“ war zu hören.
Das Königspaar nahm sich längere Zeit für die Menschen vor Ort. Felipe VI. und Letizia schüttelten Hände, posierten für Fotos und Selfies und kamen mit den Wartenden ins Gespräch. Der König unterschrieb unter anderem auf spanischen Flaggen. Der Empfang erinnerte an die herzliche Begrüßung, die die Monarchen am Vortag in Ceuta erlebt hatten.
Für viele Einwohner war die Ankunft mehr als ein protokollarischer Termin. Der Besuch wurde als Zeichen der Aufmerksamkeit und Unterstützung durch die spanische Krone verstanden. Die letzte Reise eines spanischen Monarchen nach Melilla hatte 2007 stattgefunden, als Juan Carlos I. und Königin Sofía die Stadt besuchten. Seitdem waren fast 19 Jahre vergangen.
Imbroda überreicht die Goldenen Schlüssel der Stadt
Nach dem Empfang auf dem zentralen Platz begaben sich Felipe VI. und Letizia in den Palacio de la Asamblea. Dort wurden sie von Stadtpräsident Juan José Imbroda, der Regierungsdelegierten Sabrina Moh Abdelkader sowie Vertretern der örtlichen Institutionen und Sicherheitskräfte begrüßt.
Bei einem Arbeitstreffen tauschten sich die Monarchen mit Vertretern der Stadtregierung und weiteren zivilen und militärischen Verantwortlichen aus. Anschließend fand im Salón Dorado ein offizieller Empfang statt. Imbroda überreichte Felipe VI. die Goldenen Schlüssel Melillas sowie den symbolischen Amtsstab der Stadt. Der König trug sich außerdem in das Ehrenbuch ein.
Die Übergabe der Schlüssel gilt als besondere institutionelle Geste gegenüber hochrangigen Besuchern. Imbroda nutzte die Zeremonie zugleich, um die Bedeutung des Besuchs für die Bevölkerung hervorzuheben. Er bezeichnete die Reise als einen lange gehegten Wunsch und erklärte, dass sie Vertrauen, Sicherheit und Hoffnung für die Zukunft vermitteln solle.
Imbroda bekräftigt Melillas Zugehörigkeit zu Spanien
In seiner Ansprache unterstrich Imbroda, dass Melilla untrennbar zu Spanien gehört. „Melilla ist Spanien“, betonte der Stadtpräsident und hob hervor, dass die Stadt zugleich Teil der Europäischen Union sei. Mit dieser Aussage bekräftigte er die spanische Souveränität über die nordafrikanische Exklave.
Die Aussagen stehen im Zusammenhang mit den seit Langem bestehenden territorialen Ansprüchen Marokkos auf Melilla und Ceuta. Spanien betrachtet beide Städte als autonome Bestandteile seines Staatsgebiets und der Europäischen Union. Der Besuch des Königspaares soll die institutionelle Präsenz der Krone in den beiden nordafrikanischen Exklaven unterstreichen.
Imbroda dankte Felipe VI. für dessen Unterstützung und verwies auf die Aussagen des Königs am Vortag in Ceuta. Dort hatte der Monarch die spanische Souveränität und territoriale Integrität als nicht verhandelbar bezeichnet. Imbroda erklärte, dass sich die Einwohner beider Städte durch diese Position gestärkt fühlten.
Stadtpräsident fordert eine stärkere Präsenz des Staates
Ein wesentlicher Teil von Imbrodas Rede richtete sich an die spanische Zentralregierung. Der Präsident Melillas forderte eine stärkere Präsenz des Staates in der Stadt – sowohl in finanzieller und gesetzgeberischer Hinsicht als auch bei den Sicherheitskräften und den Streitkräften.
Nach seiner Darstellung benötigt Melilla zusätzliche Unterstützung, um seine sozioökonomische Entwicklung voranzutreiben und bei den Lebensbedingungen stärker mit anderen Teilen Spaniens Schritt halten zu können. Gleichzeitig müsse die Sicherheit der Stadt und ihrer Einwohner gewährleistet bleiben.
Imbroda verband seine Forderung mit der Hoffnung, dass der Besuch des Königspaares einen Wendepunkt darstellen könne. Die Stadt brauche nicht nur symbolische Unterstützung, sondern auch konkrete Maßnahmen, die ihre Entwicklung und ihre Stellung innerhalb Spaniens stärken.
Seine Forderungen richtete er damit indirekt auch an die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez. Die Anwesenheit des Königspaares bot ihm eine Gelegenheit, die Anliegen Melillas auf nationaler Ebene sichtbar zu machen.
Migrationskrise in Ceuta bleibt Thema
Obwohl der Besuch am Mittwoch ganz auf Melilla ausgerichtet war, spielte die Migrationskrise von Ende Juli auch in den Reden des Tages eine wichtige Rolle. Imbroda sprach die Ereignisse in der Nachbarstadt Ceuta an, wo am 30. und 31. Juli eine große Zahl von Menschen aus Marokko die Grenze überwunden hatte beziehungsweise in das spanische Gebiet gelangt war.
Der Stadtpräsident bezeichnete die damaligen Vorgänge als Verletzung der nationalen Souveränität. Niemand dürfe die territoriale Integrität Spaniens verletzen, ohne Konsequenzen erwarten zu müssen, erklärte er. Zugleich kritisierte er, dass die Verantwortlichen seiner Ansicht nach nicht schnell und entschlossen genug reagiert hätten.
Imbroda räumte ein, dass die Lage inzwischen nicht mehr mit den dramatischen Tagen Ende Juli vergleichbar sei. Vollständig gelöst sei die Situation aus seiner Sicht jedoch nicht. Er forderte deshalb, aus den Ereignissen Konsequenzen zu ziehen und die staatlichen Strukturen in den nordafrikanischen Exklaven zu stärken.
Die Migrationskrise hatte vor allem Ceuta getroffen. Der Besuch des Königspaares in beiden Städten soll nach Angaben aus dem Umfeld der Reise die Verbundenheit der Krone mit den Einwohnern unterstreichen. Am Dienstag hatte Felipe VI. in Ceuta die Bedeutung der spanischen Souveränität betont und zugleich für respektvolle Beziehungen zu Marokko geworben.
Besuch einer Schule mit mehr als 900 Schülern
Am Nachmittag stand der Besuch des Colegio Público Pintor Eduardo Morillas auf dem Programm. Die Schule liegt in einem dicht besiedelten Wohngebiet Melillas und zählt nach den veröffentlichten Angaben mehr als 900 Schüler sowie 79 Lehrkräfte.
Das Zentrum gilt als Beispiel für die kulturelle Vielfalt der Stadt. Es arbeitet seit rund 25 Jahren zweisprachig und bietet neben dem regulären Unterricht auch ein besonderes Projekt zur Förderung von Kindern im Autismus-Spektrum an. Felipe VI. und Letizia besuchten mehrere Klassenräume und erhielten Einblicke in den Schulalltag.
Der Termin hatte auch eine gesellschaftliche Bedeutung: Neben den politischen Institutionen sollte das Königspaar eine Einrichtung kennenlernen, in der die Vielfalt der melillensischen Bevölkerung im Alltag sichtbar wurde.
Treffen mit Vertretern der Gesellschaft am Abend
Den Abschluss des Besuchs soll am Mittwochabend ein Empfang im Hotel Melilla Puerto bilden. Für den späten Nachmittag ist ein Treffen mit Vertretern der melillensischen Gesellschaft vorgesehen. Erwartet werden unter anderem Repräsentanten der Religionsgemeinschaften, der Institutionen und verschiedener gesellschaftlicher Organisationen.
Dabei soll Felipe VI. eine weitere Rede halten. Der Termin bietet dem König die Gelegenheit, die Botschaften des Besuchs zusammenzuführen: die Zugehörigkeit Melillas zu Spanien, die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und die Unterstützung der Bevölkerung durch die Krone.
Zum aktuellen Zeitpunkt steht die abschließende Rede noch bevor. Welche konkreten Aussagen der König dabei machen wird, lässt sich daher noch nicht abschließend beurteilen.
Ein historischer Besuch nach fast zwei Jahrzehnten
Mit dem Besuch in Melilla beenden Felipe VI. und Letizia ihre zweitägige Reise durch die beiden spanischen Exklaven in Nordafrika. Der letzte gemeinsame Besuch eines spanischen Monarchen in Ceuta und Melilla fand 2007 statt. Die aktuelle Reise ist zugleich der erste offizielle Besuch Felipe VI. in beiden Städten seit seiner Thronbesteigung.
Die Reise fällt in eine politisch sensible Phase. Marokko erhebt weiterhin Ansprüche auf die beiden Städte, während Spanien seine Souveränität bekräftigt. Die Migrationskrise Ende Juli hat die Debatte über Grenzschutz und die Zusammenarbeit mit Rabat zusätzlich verschärft.
In Melilla stand an diesem Mittwoch jedoch vor allem die Beziehung zwischen der Krone und der örtlichen Bevölkerung im Vordergrund. Der Empfang auf der Plaza de España, die Übergabe der Goldenen Schlüssel und Imbrodas Forderung nach mehr staatlicher Unterstützung prägten den Tag. Der Stadtpräsident verbindet mit dem Besuch die Hoffnung auf eine stärkere politische und wirtschaftliche Aufmerksamkeit für Melilla – und auf eine neue Etappe in der Entwicklung der autonomen Stadt.
