Stromausfall auf La Palma: Heftige Regenfälle legen gesamte Kanareninsel lahm

Starke Regenfälle und Gewitter zogen in der Nacht von Sonntag auf Montag über La Palma hinweg. Die Unwetter gingen mit einem vollständigen Stromausfall einher, von dem mehr als 50.500 Stromanschlüsse auf der Kanareninsel betroffen waren (Credit: KI generiert)

Ein schwerer Stromausfall hat am heutigen Montagmorgen die gesamte Kanareninsel La Palma getroffen. Mehr als 50.500 Stromanschlüsse waren nach heftigen Regenfällen und Gewittern ohne Versorgung. Die kanarische Regionalregierung aktivierte den Katastrophenschutzplan PLATECA. Nach knapp vier Stunden konnte die Stromversorgung wieder vollständig hergestellt werden. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Der Stromausfall ereignete sich gegen 6.42 Uhr Ortszeit. Betroffen waren insgesamt 50.508 Stromanschlüsse auf der gesamten Insel. Der Netzbetreiber Red Eléctrica de España leitete unmittelbar Maßnahmen zur Wiederherstellung der Versorgung ein. Zunächst gelang es, einen Teil der Anschlüsse wieder ans Netz zu bringen. Gegen 10 Uhr waren bereits rund 56 Prozent der betroffenen Haushalte und Einrichtungen wieder mit Strom versorgt. Um 10.26 Uhr war die Versorgung schließlich vollständig wiederhergestellt.

Kraftwerk Los Guinchos im Mittelpunkt der Untersuchungen

Als möglicher Auslöser des sogenannten „cero energético“ steht das Wärmekraftwerk Los Guinchos in der Gemeinde Breña Alta im Mittelpunkt der Untersuchungen. Nach Angaben von Red Eléctrica war es dort zu einer Abschaltung gekommen, die schließlich den Zusammenbruch der Stromversorgung auf der gesamten Insel zur Folge hatte. Auch eine wichtige Hochspannungsleitung zwischen Guinchos und Valle war bereits in den frühen Morgenstunden außer Betrieb gegangen.

Die genaue technische Ursache war zunächst noch nicht abschließend geklärt. Ein Zusammenhang mit den heftigen Regenfällen und Gewittern der vorangegangenen Nacht wurde jedoch als mögliche Erklärung untersucht. Bei der schrittweisen Wiederinbetriebnahme der Anlage kam es zunächst zu Schwierigkeiten beim Hochfahren einzelner Erzeugungsgruppen.

Unwetter bringt bis zu 110 Liter Regen pro Quadratmeter

Dem Stromausfall war eine Nacht mit außergewöhnlich starken Niederschlägen vorausgegangen. Besonders betroffen war der Osten La Palmas. Nach Messungen des privaten Wetterdienstes Apalmet fielen in Miranda in der Gemeinde Breña Alta bis zu 110 Liter Regen pro Quadratmeter. In Finca Amado (Breña Baja) wurden 83 Liter und in Santa Cruz de La Palma 46 Liter registriert.

Auch die spanische Wetterbehörde AEMET hatte vor den intensiven Niederschlägen gewarnt. In der Nacht wurde für den Osten der Insel zeitweise die höchste Warnstufe Rot ausgerufen. Innerhalb einer Stunde konnten örtlich bis zu 62 Liter Regen pro Quadratmeter zusammenkommen. Innerhalb von zwölf Stunden wurden Niederschlagsmengen von bis zu 138 Litern registriert.

Die starken Regenfälle führten neben dem Stromausfall zu weiteren Zwischenfällen. Besonders in Breña Alta und Breña Baja mussten Einsatzkräfte wegen überfluteter Häuser und Geschäftsräume, überlaufender Abwassersysteme und kleinerer Erdrutsche auf Straßen ausrücken. Nach Angaben der Behörden wurden zunächst keine Verletzten gemeldet.

Katastrophenschutzplan PLATECA aktiviert

Als Reaktion auf den flächendeckenden Stromausfall aktivierte die Generaldirektion für Notfälle der kanarischen Regionalregierung um 7.30 Uhr den regionalen Katastrophenschutzplan PLATECA. Ziel war es, die Maßnahmen der verschiedenen Einsatzkräfte und Behörden zu koordinieren und die Auswirkungen auf die Bevölkerung sowie wichtige öffentliche Einrichtungen zu überwachen.

Unabhängig davon galt wegen der außergewöhnlichen Wetterlage auch der spezielle Notfallplan PEFMA für meteorologische Gefahren. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, unnötige Autofahrten zu vermeiden, überflutete Straßen nicht zu durchqueren und den Anweisungen der Rettungsdienste zu folgen.

Der Präsident der kanarischen Regionalregierung, Fernando Clavijo, erklärte, dass die Entwicklung auf La Palma aufmerksam verfolgt werde. Auch die spanische Zentralregierung stand nach Angaben des Ministers für Territorialpolitik, Ángel Víctor Torres, mit den kanarischen Behörden in Kontakt.

Flughafen und Krankenhaus verfügen über Notstromversorgung

Trotz des vollständigen Ausfalls des öffentlichen Stromnetzes konnten wichtige Einrichtungen auf eigene Notstromaggregate zurückgreifen. Dazu gehörten der Flughafen La Palma und das Universitätskrankenhaus der Insel. Beide Einrichtungen waren damit nicht ausschließlich von der regulären Stromversorgung abhängig.

Die schrittweise Wiederherstellung des Stromnetzes dauerte insgesamt knapp vier Stunden. Um 10.26 Uhr Ortszeit waren schließlich sämtliche betroffenen Anschlüsse wieder versorgt.

Erneuter Blackout wirft Fragen zur Stromversorgung auf

Der Vorfall ist nicht der erste größere Stromausfall auf La Palma. Bereits im Juni 2025 war die gesamte Insel von einem sogenannten Blackout betroffen. Damals waren ebenfalls Probleme im Kraftwerk Los Guinchos für den Zusammenbruch der Stromversorgung verantwortlich. Rund 19.500 Anschlüsse waren zudem bereits im Mai 2025 bei einem weiteren Vorfall in einem Umspannwerk betroffen.

Auch auf anderen Kanareninseln kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu größeren Stromausfällen. Auf La Gomera führte beispielsweise im Juli 2023 ein Brand im Kraftwerk El Palmar zu einem Ausfall, der rund 15.300 Anschlüsse betraf und fast 60 Stunden andauerte.

Der erneute Blackout auf La Palma rückt damit die Stabilität der Energieversorgung auf den Kanarischen Inseln wieder in den Mittelpunkt. Ob die Ursachen des aktuellen Vorfalls mit den früheren Störungen zusammenhängen, muss allerdings noch geklärt werden.

Eine Antwort hinterlassen

Your email address will not be published.

Vorherige Geschichte

Nur 90 Tage gearbeitet? Diese 570-Euro-Hilfe in Spanien kennen die meisten Ausländer nicht

Nächste Geschichte

Protestcamp auf Madrids Puerta del Sol wird abgebaut: Aktivisten verlagern ihren Kampf gegen die Wohnungsnot in die Stadtviertel

Neues von Blog

Fehler: Der Inhalt ist geschützt !!
Gehe zuTop