Neue Direktflüge, volle Golfplätze, ein Profiturnier zum Saisonfinale: Zwischen November und März ist an der Costa del Sol mehr los, als das Wort „Nebensaison“ vermuten lässt. Doch der Boom hat auch eine Kehrseite.
Redaktion Spanien Press
Wer in diesem Winter von Hamburg in die Sonne will, hat eine neue Option. Ryanair fliegt seit Ende Oktober erstmals direkt von der Hansestadt nach Málaga. Es ist eine von sechs neuen Winterrouten, mit denen die Airline ihr Angebot am Flughafen Málaga-Costa del Sol ausbaut.
Insgesamt bietet Ryanair bis Ende März 2027 mehr als 3,4 Millionen Sitzplätze von und nach Málaga an, rund 92.000 mehr als im Vorjahr. Verteilt sind sie auf 82 Strecken. Die Zahlen zeigen: Die Airlines rechnen auch im Winter mit voller Auslastung.
Rekorde trotz Bahnchaos
Dabei begann das Jahr 2026 für die Region holprig. Nach dem Zugunglück von Adamuz im Januar und einem Erdrutsch bei Álora war die Schnellzugverbindung AVE zwischen Madrid und Málaga monatelang unterbrochen. Die Branche befürchtete hohe Verluste.
Es kam anders. Über Ostern lag die Hotelauslastung an der Costa del Sol laut dem Hotelierverband Aehcos bei knapp 83 Prozent, und damit über dem Vorjahr. Getragen wurde das Ergebnis vor allem von ausländischen Gästen: Sie stellten fast 78 Prozent der Belegung. Spanische Urlauber reisten dagegen zurückhaltender an.
Für die Wintersaison ist das eine wichtige Erkenntnis. Die Costa del Sol hängt stärker denn je am internationalen Publikum, und das kommt längst nicht mehr nur im Sommer.
Golf als Wintermotor
Der wichtigste Grund dafür liegt auf dem Grün. Mit mehr als 70 Plätzen vermarktet sich die Region selbst als „Costa del Golf“. Wenn es in Mitteleuropa grau und kalt wird, beginnt hier die Hochsaison für Golfer.
Eine Studie der Universität Málaga nennt Briten, Deutsche und Schweden als wichtigste Zielgruppen. Ausschlaggebend sind das Klima, die vielen Sonnenstunden und das dichte Angebot an Resorts.
Auch für den deutschen Markt gibt es konkrete Zahlen. Laut einer Erhebung der Plattform Travellyze für das Tourismusamt Turismo Costa del Sol geben deutsche Golfreisende meist zwischen 1.000 und 3.000 Euro pro Reise aus. Bei der Absicht, wiederzukommen, liegt die Costa del Sol im deutschen Markt auf Platz drei der spanischen Ziele.
Saisonfinale in Mijas
Ende November rückt die Region auch sportlich ins Rampenlicht. Vom 26. bis 29. November findet im La Cala Resort in Mijas die Andalucía Costa del Sol Open de España statt, die offene spanische Meisterschaft der Damen.
Das Turnier ist das Finale der Ladies European Tour. Es geht um ein Preisgeld von 700.000 Euro, und neben dem Titel wird hier auch die Jahreswertung der Tour entschieden. Für La Cala ist es die erste Ausrichtung. Region und Tourismusamt finanzieren das Turnier mit, weil die TV-Bilder aus Andalusien genau die Zielgruppe erreichen, die man im Winter anlocken will.
Die Kehrseite des Booms
Der ganzjährige Andrang hat seinen Preis, und den zahlen vor allem die Bewohner. In der Provinz Málaga sind die Wohnungspreise in fünf Jahren um 62 Prozent gestiegen. Eine typische 90-Quadratmeter-Wohnung kostet inzwischen mehr als 310.000 Euro.
Das spüren auch die sogenannten Überwinterer, die Jahr für Jahr mehrere Monate an der Küste verbringen. Langzeitmieten für den Winter werden knapper und teurer, weil Ferienwohnungen das ganze Jahr über gefragt sind.
Und ganz verschwunden ist die Nebensaison nicht. Die Hoteliers selbst betonen, dass man erst dann von echter Saisonunabhängigkeit sprechen könne, wenn im Herbst und Winter keine Häuser mehr schließen. Davon ist die Küste noch ein Stück entfernt.
