Die Eisenbahnlandschaft Spaniens steht vor einer ihrer größten Bewährungsproben seit Jahren: Nach dem Start eines dreitägigen Bahnstreiks am Montagmorgen sind Hunderttausende Pendler, Reisende und Berufspendler mit massiven Zugausfällen, Verspätungen und Ungewissheit konfrontiert. Gewerkschaften und Regierung konnten sich trotz mehrerer Verhandlungsrunden nicht auf eine Einigung einigen – die Folge sind umfassende Ausfälle im Personenverkehr und erhebliche Einschränkungen im Güterverkehr.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Was ist passiert?
Die größten spanischen Eisenbahn-Gewerkschaften – darunter der Sindicato Español de Maquinistas Ferroviarios (Semaf) sowie CCOO, UGT und weitere Verbände – haben eine dreitägige Streikwelle ausgerufen, die vom 9. bis 11. Februar 2026 andauert. Hintergrund sind anhaltende Forderungen nach Verbesserungen der Sicherheit, besseren Arbeitsbedingungen und einer grundlegenden Reform der Bahn-Infrastruktur nach mehreren schweren Unfällen in jüngster Zeit, darunter tragische Zwischenfälle mit zahlreichen Toten und Verletzten.
Die Verhandlungen mit dem spanischen Verkehrsministerium unter Leitung von Óscar Puente blieben ergebnislos, was zur Aufrechterhaltung der Arbeitsniederlegungen führte. Das Ministerium hatte vor Beginn der Streiks Mindestdienste («servicios mínimos») föderal festgelegt, um die Grundmobilität zu gewährleisten – doch diese Regelungen stoßen bei den Gewerkschaften auf scharfe Kritik.
Massive Auswirkungen auf den Zugverkehr
Renfe, der staatliche Betreiber, sowie die privaten Hochgeschwindigkeitsanbieter Ouigo und Iryo haben zur Bewältigung der Situation bereits über 330 Züge im Bereich Hochgeschwindigkeit (AVE) und Regionalfernverkehr abgesagt. Viele weitere Verbindungen verkehren nur eingeschränkt oder verspätet.
Die Situation nach Verkehrsart:
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Alta Velocidad & Larga Distancia (Hochgeschwindigkeit & Fernverkehr)
Die Verkehre sind stark reduziert, mit deutlich weniger Fahrten als ursprünglich geplant. -
Media Distancia (Regionalfernverkehr)
Nur rund 65 % der üblichen Regionalzüge verkehren, entsprechend etwa 1.277 von 1.960 geplanten Verbindungen – der Rest entfällt. -
Cercanías (Pendlerzüge)
In den Hauptverkehrszeiten ist ein Angebot von etwa 75 % vorgesehen, außerhalb dieser Zeiten rund 50 %. In autonomen Regionen wie Katalonien gelten angepasste Mindestdienste mit zeitweise noch geringerem Angebot. -
Güterverkehr (Transport von Waren)
Nur rund 21 % des üblichen Güterverkehrs ist geplant – ein schwerer Einschnitt für die Logistik in der gesamten Wirtschaft.
Warum streiken die Bahnarbeiter?
Die Gewerkschaften begründen ihre Entscheidung vor allem mit Sicherheits- und Infrastrukturproblemen im spanischen Eisenbahnsystem. Nach einer Reihe schwerer Unfälle – unter anderem ein Hochgeschwindigkeitszusammenstoß in Adamuz (Córdoba) mit Dutzenden Toten und ein tödlicher Vorfall im Cercanías-Netz bei Gelida (Barcelona) – habe sich die Situation nicht verbessert und es mangele an Investitionen, Personal und Wartung.
Die Gewerkschaften fordern unter anderem:
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Erhöhter Personaleinsatz und bessere Wartung der Schieneninfrastruktur
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Striktere Sicherheitsprotokolle auf allen Strecken
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Beteiligung der Beschäftigten an Reformplänen und Entscheidungsprozessen
Trotz mehrfacher Gespräche mit dem Verkehrsministerium konnte keine verbindliche Vereinbarung erzielt werden, weshalb die Arbeitsniederlegung wie geplant stattfindet.
Offene Verhandlungen trotz Streik
Sowohl das Ministerium als auch die Gewerkschaften betonen, dass der Verhandlungskanal weiterhin offen ist und zu jedem Zeitpunkt ein Durchbruch möglich wäre, wenn substanzielle Fortschritte erzielt werden. Sollte ein solches Abkommen erzielt werden, könnten die Streikmaßnahmen vorzeitig beendet oder entschärft werden.
Konkrete Auswirkungen auf Reisende und Wirtschaft
Für Pendler in Großstädten wie Madrid und Barcelona bedeutet der Ausstand massive Beeinträchtigungen: Reduzierte Pendlerzüge, volle Bahnhöfe sowie Verzögerungen im Alltag sind die Folge. Die spanische Regierung hatte zuvor darauf hingewiesen, dass Millionen von Personen täglich auf den Schienenverkehr angewiesen sind – etwa 1,1 Mio. allein für Cercanías im Tagesbetrieb sowie Hunderttausende weitere auf Fern- und Regionalstrecken.
Auch Unternehmen sind betroffen: Logistik- und Güterzüge im Binnenverkehr sehen sich erheblichen Einschränkungen gegenüber, was Lieferketten und Produktion belasten kann.
Tipps für Reisende in der Streikwoche
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Prüfen Sie vor Abfahrt online, ob Ihr Zug fährt oder storniert wurde.
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Nutzen Sie bei Streichungen die Möglichkeit zur Umbuchung oder Erstattung des Tickets ohne Zusatzkosten bei Renfe, Ouigo und Iryo.
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Ziehen Sie gegebenenfalls alternative Verkehrsmittel wie Bus oder Flug in Betracht, insbesondere für Fernreisen.
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Planen Sie zusätzliche Zeit für die Anreise ein – gerade an Hauptverkehrszeiten sind die verbleibenden Züge oft stark ausgelastet.
Ein Land zwischen Sicherheit, Mobilität und Reformbedarf
Die aktuelle Situation zeigt nicht nur, wie empfindlich das spanische Schienennetz auf interne Konflikte reagiert, sondern legt auch Grundsatzfragen offen: Wie sicher ist der Schienenverkehr? Wie werden Investitionen priorisiert? Und wie kann ein Gleichgewicht zwischen effizienter Mobilität und arbeitnehmergerechten Bedingungen gefunden werden?
Die kommenden Tage werden entscheidend sein – sowohl für die Mobilität Spaniens als auch für die Zukunft seines Bahnsektors.
