Die durch den aktuellen Iran-Konflikt ausgelöste geopolitische Lage entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Risiko für die spanische Wirtschaft. Besonders betroffen sind Import- und Exportunternehmen – viele von ihnen stehen vor Herausforderungen, die im Extremfall sogar existenzbedrohend sein können.
Dr. Michael Bormann (Herausgeber von Spanien Press, CEO von bdp Team & bdp Mechanical Components)
Vier zentrale Risiken treffen Unternehmen gleichzeitig
Die Gefahr entsteht nicht durch einen einzelnen Faktor – sondern durch das gleichzeitige Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen:
1. Explodierende Transportkosten
Mit dem Anstieg der Ölpreise steigen auch die Frachtkosten drastisch. Bereits jetzt liegen Containerpreise wieder bei 4.500 bis 5.000 US-Dollar – Tendenz steigend. Werte von bis zu 7.000 US-Dollar, wie während der Pandemie, sind wieder realistisch.
2. Gestörte Lieferketten
Die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus sowie weiterhin bestehende Risiken im Suezkanal führen dazu, dass sich Transportzeiten nach Europa um 3 bis 4 Wochen verlängern. Für viele spanische Unternehmen bedeutet das: Lieferverzögerungen, Produktionsprobleme und Vertragsstress.
3. Währungsrisiken
Der schwächelnde Euro verteuert Importe – insbesondere aus China. In einigen Fällen steigen Einkaufspreise so stark, dass sie die gesamte Marge eines Unternehmens aufzehren.
4. Drohende neue Zölle der EU
Die Europäische Union prüft eine Ausweitung von Anti-Dumping-Zöllen auf chinesische Produkte. Für spanische Importeure könnte das zusätzliche massive Kostensteigerungen bedeuten.
Warum Spanien besonders betroffen ist
Spanien ist als stark importabhängige Wirtschaft – insbesondere in Bereichen wie Industrie, Bau, Automotive und Konsumgüter – besonders anfällig für diese Entwicklungen.
Gerade kleine und mittelständische Unternehmen, die das Rückgrat der spanischen Wirtschaft bilden, verfügen oft nicht über ausreichende Absicherungsmechanismen.
Die Lösung liegt in den Verträgen – nicht im Markt
Viele Unternehmen machen immer wieder denselben Fehler:
Sie konzentrieren sich auf den Abschluss – aber nicht auf die Absicherung.
Dabei gilt eine klare Regel:
Kein Unternehmen kann dauerhaft gegen Währungsschwankungen oder verdoppelte Transportkosten ankämpfen.
Deshalb müssen moderne Lieferverträge zwingend folgende Punkte enthalten:
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Gleitklauseln für Frachtraten, sobald diese ein definiertes Normalniveau überschreiten
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Absicherung gegen Wechselkursschwankungen
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Regelungen für Lieferverzögerungen in Krisensituationen
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Klauseln zu Zollerhöhungen
Ein kritischer Punkt: Vertragsstrafen
Besonders gefährlich sind sogenannte Pönalen bei Lieferverzug.
Viele Kunden reagieren in Krisenzeiten mit hohen Strafzahlungen – die für Importunternehmen schnell existenzbedrohend werden können.
Deshalb entscheidend:
In Ausnahmesituationen (höhere Gewalt, geopolitische Krisen) dürfen solche Strafen vertraglich ausgeschlossenwerden.
Praxis: Absicherung ist möglich – wenn man es richtig macht
Zusätzlich können Unternehmen:
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Wechselkurse gezielt absichern
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Lieferketten diversifizieren
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Vertragsmodelle flexibel gestalten
Interessant: In Märkten wie China sind Währungsabsicherungen teilweise einfacher und günstiger umsetzbar als in Europa.
Mythos Vertrieb: „Das verhindert den Abschluss“
Ein häufiges Argument aus dem Vertrieb:
Solche Klauseln schrecken Kunden ab.
Die Realität zeigt etwas anderes:
Gut erklärte, faire Vertragsbedingungen werden von vielen Geschäftspartnern akzeptiert.
Und ganz ehrlich:
Ein schlechter Deal ist gefährlicher als kein Deal.
