Die „Quema de Judas“ im andalusischen Bergdorf El Burgo, einem Ort mit nur wenigen Tausend Einwohnern in der Provinz Málaga, ist zu einem neuen Zündfunken im ohnehin angespannten Verhältnis zwischen Spanien und Israel geworden. In diesem Jahr wurde eine rund sieben Meter hohe Puppe, gefüllt mit mehreren Kilo Schwarzpulver und traditionell als Symbol „alles Bösen des Jahres“ gedacht, von Israel als Darstellung des Premierministers Benjamin Netanjahu interpretiert – mit der Folge, dass die spanische Geschäftsträgerin in Tel Aviv einbestellt und offiziell gerügt wurde. Für die Bewohner ist es ein lokales Osterfeuerritual, für Jerusalem ein weiterer Beleg für eine vergiftete politische Stimmung
Redaktion Spanien Press
Ein Dorf erklärt sein Ritual
Bürgermeisterin María Dolores Narváez betont, El Burgo sei weder antisemitisch noch israel‑feindlich. Die Tradition gehe auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück, und die Puppe erhalte offiziell nie einen Namen – weder von der Gemeinde noch von den Ehrenamtlichen, die sie bauen. Im lokalen Verständnis verkörpert dieser Judas eine anonyme Projektionsfläche für die Übel des vergangenen Jahres, die am Ostersonntag verbrannt werden, damit „das Gute“ neu entstehen kann. In diesem Jahr trug die Figur zusätzlich den Slogan „No a la guerra“ – ein Signal, das die Bewohner als allgemeine Absage an Krieg und Gewalt verstanden wissen wollen.
Wenn Folklore zur diplomatischen Affäre wird
Das israelische Außenministerium sprach dennoch von „grauenhaftem antisemitischem Hass“ und machte die Szene ausdrücklich für eine systematische Aufstachelung verantwortlich, die man der Regierung von Pedro Sánchez vorwirft. In Israel sieht man die brennende Puppe nicht als Folklore, sondern als sichtbaren Ausdruck einer feindseligen Stimmung gegenüber Israel. Dass 2025 bereits eine Figur verbrannt wurde, die den damaligen US‑Präsidenten Donald Trump darstellen sollte, zeigt, wie sehr das Ritual in den vergangenen Jahren mit global bekannten Gesichtern aufgeladen wurde – und wie schnell aus Brauchtum politisches Kommentarfeuer wird.
Ein Funke aus der Sierra im Streit zwischen Madrid und Jerusalem
So ist El Burgo, ob gewollt oder nicht, in eine Konfliktlinie geraten, die weit über die Grenzen des Dorfes hinausreicht: auf der einen Seite eine spanische Regierung, die die Offensive Israels im Gazastreifen und die Politik Netanjahus scharf kritisiert, auf der anderen ein israelischer Staat, der von einer diplomatischen „Kampagne“ gegen sich spricht. Die diesjährige Judas‑Verbrennung, für die Dorfbewohner ein Akt der Läuterung und des Neuanfangs, wirkt nach außen wie ein weiterer Funke in einem ohnehin trockenen, hoch entzündlichen Feld – und macht aus einem abgelegenen Bergdorf einen unerwarteten Schauplatz im politischen Streit zwischen Madrid und Jerusalem.
