Liebe Leserinnen, liebe Leser.
wer beim Dating heute noch glaubt, dass Funkstille gleich Funkstille ist, der hat vermutlich noch nichts von Curving, Breadcrumbing, Benching, Orbiting oder Zombieing gehört. Willkommen im digitalen Dschungel der halbgaren Herzensangelegenheiten. Früher hieß es einfach: Er ruft nicht mehr an. Heute muss man erstmal googeln, ob man gerade geghostet, gesoftblocked oder in den Dating-Fegefeuermodus geschoben wurde.
Das Phänomen Curving ist dabei besonders perfide. Warum? Weil es täuscht. Es gibt einem Hoffnung. Es flirtet mit dem „Vielleicht“. Es ist, als würde jemand beim Tennis nie den Ball zurückspielen – aber so tun, als sei er gleich wieder auf dem Platz.
Kurz erklärt: Wer curvt, antwortet noch. Irgendwann. Vielleicht. Oft vage, ohne Inhalt, mit viel „Sorry, total stressige Woche“, „Hab deine Nachricht gesehen und antworte später“ – was nie passiert. Man wird nicht verlassen. Man wird langsam ausgesessen. Emotional auf Stand-by. Ein Gefühl wie ein Kühlschranklicht: es geht an, wenn man reinschaut, aber keiner will wirklich was rausnehmen.
Fall 1: Anna Carla und das Kaffee-Date, das nie kam
Anna Carla ist Redakteurin, klug, charmant, ein bisschen verspielt – und seit sechs Wochen in einem Chat mit einem Mann namens David. David, der laut Profil ein „Kunstliebhaber und Kaffee-Connaisseur“ ist, schlägt immer wieder Treffen vor. „Diese Woche wird schwierig, aber nächste bin ich ganz bei dir.“ Nur: Nächste Woche kam nie. Stattdessen schickte er ihr drei TikToks über Cappuccino-Schaum.
Anna Carla: „Ich war quasi seine Milchschaum-Muse. Aber mehr auch nicht.“
Gecurvt. Mit Stil.
Fall 2: Anna Marie und der Mann, der nie landete
Anna Marie, eine Frau mit Gardemaß und Garderoben-Faible (über 1,80 in Heels), traf einen attraktiven Vielflieger. Pilot, wie sich herausstellte – zumindest auf Instagram. Ihre Dates fanden fast ausschließlich virtuell statt. Er schickte Selfies aus Hotelzimmern, Herzen aus Flughafencafés, malte Zukunftsszenarien in die Luft: „Sobald ich in Madrid bin, bist du die Erste, die ich sehen will.“
Er landete nie.
Anna Marie: „Ich hab irgendwann gemerkt, dass er vermutlich öfter mit dem Flugzeug flirtet als mit mir.“
Curving auf Flughöhe 10.000.
Fall 3: Sebastian und das Festival-Gespenst
Sebastian, ein charmanter Lehrer mit Bart und Sinn für Ironie, lernte Lara beim Indie-Festival in Valencia kennen. Drei Tage Küsse, Tanzen, Deep Talk am Strand. Danach: tägliches Schreiben. Nur kein echtes Treffen mehr. Lara kurvte elegant durch das WhatsApp-Universum: Mal Daumen hoch, mal GIF, mal Funkstille. Dann plötzlich ein Selfie vom Sonnenuntergang mit dem Satz: „Wünschte, du wärst hier.“
Sebastian: „Ich wusste nicht mehr, ob ich ein Crush oder ein Content-Lieferant war.“
Willkommen in der Like-Hölle.
Was beim Curving wirklich weh tut
Im Gegensatz zum klassischen Ghosting (plötzlich Funkstille, blockiert, verschwunden), ist Curving ein sanftes Tschüss auf Raten. Es ist passiv-aggressiv, manchmal sogar höflich verpackt – aber es ist eine Absage. Nur eben ohne Eier.
Psychologisch gesehen ist Curving besonders frustrierend, weil es das Belohnungssystem im Hirn anspricht: Jedes Lebenszeichen wirkt wie ein kleiner Dopamin-Happen. Ein „Vielleicht“ fühlt sich oft besser an als ein „Nein“. Und genau das macht es so tückisch.
Laut einer Umfrage des Dating-Portals Plenty of Fish haben rund 38 % aller Singles zwischen 25 und 40 Jahren schon jemanden „gecurvt“. Über 44 % sagen, sie haben es erlebt. Besonders häufig passiert das in Großstädten wie Madrid, Berlin oder Paris – wo Auswahl, Oberflächlichkeit und Selfbranding besonders hoch im Kurs stehen.
Wie erkennt man Curving?
- Antworten kommen nur alle paar Tage.
- Die Antworten sind nichtsagend („Haha“, „Jaja, bald…“)
- Vorschläge für Treffen bleiben vage oder werden verschoben.
- Der andere meldet sich nur, wenn man selbst schreibt.
- Es fühlt sich an wie „warmhalten“, aber nie wie echtes Interesse.
Und was tun?
Nicht reagieren – das wäre Ghosting in umgekehrter Richtung. Aber klar und freundlich die Tür schließen:
„Hey, ich merke, du bist nicht wirklich interessiert – das ist okay, aber ich zieh weiter.“
Mein Fazit?
Ich glaube nicht an Spiele.
Ich glaube an Verbindung. An ehrliche Worte. An Treffen, bei denen man vergisst, aufs Handy zu schauen.
Ich glaube daran, dass man sich nicht in Kurven verrenken sollte, wenn man doch eigentlich nur aufrecht gehen möchte. Und ich glaube daran, dass man sich mit den richtigen Bewegungen aufstellen lassen sollte.
Denn am Ende – und das ist kein Curving, sondern pure Wahrheit –
gibt es doch nichts Schöneres als diese magischen Momente zwischen zwei Menschen,
die nicht darauf warten, sondern einfach da sind.
Bis kommenden Montag….wenn es wieder heisst….xoxo Eure Nini
