Die Stadt plant temporäre Unterkünfte auf kommunalem Boden mit Mieten zwischen 500 und 600 Euro. Die Maßnahme richtet sich an junge Menschen – und sorgt für heftige Kritik.
Angesichts der dramatischen Wohnungsnot in Málaga hat die Stadtverwaltung eine ebenso dringliche wie umstrittene Maßnahme angekündigt: den Bau von Miniwohnungen mit einer Fläche zwischen 35 und 45 Quadratmetern – als temporäre Lösung für junge Menschen, die sich auf dem freien Wohnungsmarkt keine Unterkunft leisten können.
Konkret sollen städtische Grundstücke, die ursprünglich für soziale Infrastruktur vorgesehen waren, für diese Kleinwohnungen umgewidmet werden. Bürgermeister Francisco de la Torre bestätigte, dass bereits zahlreiche geeignete Flächen in der Stadt identifiziert werden. Die geplanten Mieten sollen zwischen 500 und 600 Euro monatlich liegen – bezahlbar für Berufseinsteiger*innen und junge Familien.
Kleine Wohnungen gegen ein großes Problem
Die Maßnahme stützt sich auf ein Dekret der andalusischen Regionalregierung, das es den Kommunen erlaubt, gemeinnützige Flächen ohne aufwändige Planänderungen temporär für Wohnzwecke freizugeben. Das ermöglicht schnellere Verfahren und die Zusammenarbeit mit privaten Bauträgern, die den Bau der Wohnungen übernehmen sollen.
Die Stadt betont, dass es sich um eine Übergangslösung handelt – keine dauerhafte Wohnform und keine „Armenunterkünfte“, sondern ein Angebot für Menschen mit befristetem Bedarf und begrenztem Einkommen.
Scharfe Kritik von der Opposition
Die politische Opposition reagierte prompt. Daniel Pérez, Sprecher der PSOE, sprach von einer „fixen Idee“ und warf der Stadt vor, nur auf kurzfristige Lösungen zu setzen, statt echte Perspektiven für junge Menschen zu schaffen. Nicolás Sguiglia von der linken Plattform Con Málaga nannte das Projekt „eine Schande“ und „klassistisch“. Es sei inakzeptabel, der Jugend Miniwohnungen zuzumuten, während gleichzeitig Luxusprojekte für Wohlhabende gefördert würden.
34.000 Menschen suchen derzeit Wohnraum
Die Zahlen unterstreichen den Ernst der Lage: Über 34.000 Menschen sind derzeit im offiziellen Wohnungsregister der Stadt gemeldet – rund 41 Prozent davon unter 35 Jahren. Besonders auffällig: Etwa 60 Prozent der Anträge stammen von Einzelpersonen, die sich oft keine größere Wohnung leisten können.
Wo sollen die Miniwohnungen entstehen?
Zu den vorgesehenen Standorten gehören unter anderem:
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Avenida Lope de Vega (7.848 m²)
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Parque del Norte (1.966 m²)
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El Cónsul (1.850 m²)
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El Duende (2.120 m²)
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San Alberto und Platero Diego de Baena
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Victoria Kent, El Retiro, Soliva Este und Hacienda Cabello
Einige dieser Grundstücke sind über 4.000 Quadratmeter groß und könnten zahlreiche kleine Wohneinheiten aufnehmen.
Übergangslösung oder Ausdruck wachsender Prekarität?
Die Frage bleibt offen: Helfen die Miniwohnungen jungen Menschen auf dem Weg in ein selbstständiges Leben – oder verschärfen sie lediglich die Wohnungsarmut? Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieses Projekt als innovatives Wohnmodell Anerkennung findet oder als Symbol städtischer Wohnungsnot in die Kritik gerät.
