Nina Mein Leben zwischen Botellón und Bibliothek

Nina Mein Leben zwischen Botellón und Bibliothek – oder: Wie Spaniens Studenten das Chaos studieren

September.

Während Sevilla noch dampft und Marbella die letzten Champagnerflaschen am Strand leert, ziehen in Spaniens Städten die Studenten zurück in ihre kleinen Königreiche der Wissensvermittlung.

Uni-Alltag, sagt man.

Doch hier bedeutet Uni-Alltag: Kaffee, Küsse und keine Garantie auf Pünktlichkeit.

Zimmersuche – oder: Die eigentliche Aufnahmeprüfung

Wer glaubt, das Schwierigste sei der Numerus Clausus, hat noch nie versucht, in Madrid im September ein WG-Zimmer zu finden.

Es ist ein Kriegsschauplatz mit Ikea-Betten.

Hunderte Bewerber für ein einziges, winziges Zimmer – natürlich mit Aussicht auf eine Backsteinwand und einem Mitbewohner, der Bassgitarre spielt.

Und dann gibt es die anderen:

Die Glücklichen, die in exklusiven Studentenresidenzen leben – kleine Paläste mit Pool auf dem Dach, Fitnessstudio im Keller und einem Concierge, der mehr über die Partys weiß als über den Studienplan.

Hier residiert man wie ein kleiner CEO – nur dass der Kühlschrank mit Energy-Drinks statt Champagner gefüllt ist.

Paula und ihr Hund – die verrückteste Immatrikulation

Witzigste Szene des Jahres?

Paula, Jura-Studentin mit Hang zum Drama, wollte unbedingt ihren kleinen Mops „Gaspar“ in die Uni einschreiben.

„Er ist schließlich immer dabei“, meinte sie.

In der Cafetería, in der Vorlesung, sogar beim Tutorium.

Ihr Argument: „Wenn Hunde bei Hochzeiten Trauzeugen sein können, warum dann nicht auch Studenten?“

Das Sekretariat blieb unbeeindruckt.

Gaspar? Immerhin Ehrenmitglied beim Botellón.

Pool-Partys in Pozuelo & Puerto Velo – das wahre Pflichtfach

Manche Unis haben Pflichtkurse in Statistik.

Andere haben – sagen wir es ehrlich – Pool-Partys.

Puerto Velo ist im Sommer die Vorlesung im Fach „Dolce Vita“.

Man trägt Bikini oder Polohemd, bestellt Sangría in Eimern und tanzt, als gäbe es morgen keine Prüfungen.

Ein Erasmus-Student aus Belgien seufzte einmal:

„Ich kam wegen des Masters. Ich bleibe wegen der Pool-Partys.“

Das Curriculum hat er nie wieder gesehen.

Madrid – wo Lernen Nachtleben bedeutet

Die Hauptstadt spielt in einer eigenen Liga.

Wer in Madrid studiert, kennt nicht nur die Bibliothek, sondern auch den Fritz-Club, die geheimen Bars in Malasaña und natürlich die Calle Serrano.

Hier tanzt man Tadeo nicht nur rauf und runter – man studiert es quasi als zweite Fremdsprache.

Es gibt eine Faustregel:

Wer montags noch Stimme und Kreditkarte hat, war am Wochenende nicht dabei.

Das Unileben in Bildern

– In Granada sitzen Studenten bis 3 Uhr morgens mit Bier und Gitarre auf den Treppen, als wäre es ein offizielles Seminar.

– In Salamanca sind WG-Partys so laut, dass selbst die altehrwürdigen Steine der Universität mitzittern.

– In Sevilla blockiert man Cafés mit nur einem Cortado – stundenlang, versteht sich.

– In Barcelona sind Studentenwohnheime stylischer als so manches Boutique-Hotel – man nennt es dort estilo de vida.

Bildung à la española – ein kleiner Überblick

Bachelor = „Grado“.

Master = „Máster“.

Doktor = „Doctorado“.

Klingt einfach, ist es aber nicht.

Denn zwischen Streiks, Erasmus, Fiesta und Siesta muss der Stoff auch noch irgendwo Platz finden.

O-Ton eines Madrider Studenten:

„Yo estudio Ingeniería… pero mi especialidad es sobrevivir al botellón.“

(„Ich studiere Ingenieurwesen… aber meine Spezialität ist es, den Botellón zu überleben.“)

Fazit?

Das spanische Uni-Leben ist kein Studium.

Es ist ein Gesellschaftsroman – mit Champagner, Churros und Chaos.

Man lernt nicht nur über Bilanzen oder Biologie, sondern über Freundschaften, Freiheit und die Kunst, auch am Montag noch zu glänzen.

Oder, wie meine Freundin sagte:

„In Deutschland fragt man: Wie viele Punkte brauchst du zum Bestehen?

In Spanien fragt man: ¿Dónde quedamos para la próxima copa?“

Und das, meine Lieben, ist die schönste Lektion von allen. Man ist nur einmal Student und man sollte das auch geniessen…. denn erst wird es noch schnell genug!

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