27. Mai 2026
Lesezeit 3 Minuten

Meterhohe Schneewände mitten im Mai: Sierra Nevada erlebt spektakulären Winter-Nachschlag

Skifahrer genießen Ende Mai außergewöhnliche Schneebedingungen in der Sierra Nevada – trotz sommerlicher Temperaturen in Andalusien (Credit: Yeray Sanchez/Unsplash)

Während in der andalusischen Stadt Granada bereits Temperaturen von über 30 Grad gemessen werden, herrscht nur wenige Kilometer entfernt in der Sierra Nevada noch immer tiefster Winter. Meterhohe Schneewände sorgen dort Ende Mai für Bilder, die selbst erfahrene Bergsportler kaum glauben können.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Besonders rund um das sogenannte Ventisquero de Cauchiles auf etwa 2.800 Metern Höhe bietet sich derzeit eine außergewöhnliche Kulisse: Entlang der Straße Richtung Veleta haben sich bis zu fünf Meter hohe Schneewände gebildet. Zwischen den weißen Mauern entstand ein regelrechter Schneekorridor, der momentan Wanderer, Läufer und Radfahrer aus ganz Spanien anzieht.

Winterlandschaft trotz Sommerhitze

Die Szenen wirken fast surreal. Unten in Granada dominiert bereits der Frühsommer, oben in der Sierra Nevada erinnern die Bedingungen dagegen eher an Februar als an Ende Mai. Viele Besucher stoppen ihre Touren, um Fotos und Videos der außergewöhnlichen Schneemassen aufzunehmen.

Nach Angaben der Betreibergesellschaft Cetursa habe es ein solches Bild seit rund fünf Jahren nicht mehr gegeben. Grund dafür seien mehrere schneearme Winter sowie anhaltende Trockenperioden in Andalusien gewesen. Erst die intensiven Niederschläge und Winterstürme der Saison 2025/26 sorgten wieder für enorme Schneemengen im Hochgebirge.

Sportler schwärmen von einmaligen Bedingungen

Vor allem Ausdauersportler nutzen derzeit die außergewöhnliche Situation. Zahlreiche Radfahrer absolvieren in der Sierra Nevada ihre Höhentrainings unter Bedingungen, die in Europa selbst im Frühjahr selten geworden sind.

Der Sportler Juan Huertas bezeichnete das Erlebnis gegenüber spanischen Medien als „wunderbar“. Bei Temperaturen zwischen 12 und 15 Grad könne man derzeit mitten durch Schneewände trainieren, während unten in der Stadt bereits Sommer herrsche. Solche Bedingungen gebe es momentan kaum irgendwo sonst in Spanien.

Auch viele Wanderer zeigen sich beeindruckt von der außergewöhnlichen Landschaft in der Sierra Nevada. Vor allem die Ruhe im Hochgebirge und die für Ende Mai ungewöhnlich großen Schneemengen sorgten bei zahlreichen Wanderern und Bergsportlern für besondere Momente. Normalerweise beginnt zu dieser Jahreszeit bereits die klassische Sommersaison in der Region.

Profis der Tour de France trainieren in der Sierra Nevada

Die spektakulären Schneelandschaften locken derzeit auch zahlreiche internationale Spitzenathleten nach Andalusien. Mehrere bekannte Radprofis bereiten sich aktuell in der Sierra Nevada auf die Tour de France vor.

Unter ihnen befinden sich Stars wie Tadej Pogačar, Primož Roglič, Remco Evenepoel, Wout van Aert, Juan Ayuso und Carlos Rodríguez. Mehrere Fahrer veröffentlichten in den vergangenen Tagen Bilder ihrer Trainingsfahrten durch die meterhohen Schneekorridore. Die Aufnahmen verbreiteten sich schnell in sozialen Netzwerken und machten die Sierra Nevada international erneut zum Gesprächsthema.

„Subida al Veleta“ sorgt für spektakuläre Bilder

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte am vergangenen Wochenende die traditionsreiche „Subida al Veleta 2026“. Die berühmte Bergfahrt gilt als eine der härtesten Radveranstaltungen Spaniens.

Die Teilnehmer mussten eine rund 38 Kilometer lange Strecke mit etwa 2.250 Höhenmetern bewältigen. Das Ziel lag auf über 3.100 Metern Höhe und zählt damit zu den höchsten asphaltierten Bergankünften Europas. Rund 300 Radsportler fuhren dabei mitten durch die gewaltigen Schneewände des Ventisquero de Cauchiles.

Besonders spektakulär: Während des Rennens sprangen professionelle Skifahrer über die Schneewände neben der Strecke und sorgten damit für außergewöhnliche Bilder, die mittlerweile viral gehen.

Extremes Wetter prägte die Wintersaison 2025/26

Die aktuellen Schneemassen sind das Ergebnis eines außergewöhnlich intensiven Winters in Andalusien. Mehrere starke Atlantikstürme brachten zwischen Januar und Februar enorme Niederschlagsmengen in die Sierra Nevada.

Teilweise fielen innerhalb weniger Tage mehr als ein Meter Neuschnee. In höheren Lagen wurden Schneehöhen von fast vier Metern gemessen. Gleichzeitig sorgten Orkanböen, Eisregen und Lawinengefahr zeitweise sogar für die Sperrung des Skigebiets.

Die heftigen Winterstürme beschädigten außerdem die Infrastruktur der Skistation. Unter anderem wurde die berühmte Stütze 23 des Laguna-Sessellifts schwer beschädigt und musste aufwendig repariert werden. Insgesamt blieb die Station in der Saison 2025/26 an 16 Tagen komplett geschlossen – so oft wie noch nie zuvor.

Fast 900.000 Skifahrer trotz schwieriger Saison

Trotz aller Wetterextreme entwickelte sich die Saison wirtschaftlich erfolgreich. Nach offiziellen Angaben besuchten rund 896.000 Wintersportler die Sierra Nevada – ein Plus von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders der März 2026 entwickelte sich aufgrund der enormen Schneemengen und hervorragenden Bedingungen zum besucherstärksten Monat der Geschichte des Skigebiets.

Die Situation in der Sierra Nevada macht deutlich, wie außergewöhnlich die Wintersaison 2025/26 in Spanien verlaufen ist. Während vielerorts bereits Badegäste die Strände Andalusiens bevölkern, kämpfen sich wenige Kilometer entfernt Sportler noch immer durch meterhohe Schneekorridore im Hochgebirge.

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