Volle Hörsäle, härtere Hürden: Wie der Ansturm aus dem Ausland die PAU (Abitur) unter anderem verschärft

Credit Annie Spratt (Unsplash)

Spanien füllt sich – und zwar längst nicht mehr nur mit digitalen Nomaden und Familien aus Nordeuropa, die Sonne und Homeoffice suchen, sondern zunehmend auch mit jungen Menschen, die hier studieren wollen. In diesen Tagen Anfang Juni sitzen in ganz Spanien Hunderttausende Jugendliche in Turnhallen, Aulen und Hörsälen und schreiben die PAU, die spanische „Selectividad“. Für sie entscheidet sich jetzt, ob sie an der staatlichen Uni den gewünschten Studienplatz bekommen. Gleichzeitig erleben die Hochschulen einen deutlichen Trend: Immer mehr ausländische Studierende wählen Spanien als Studienland – und dieser zusätzliche Andrang trägt unter anderem dazu bei, dass die Zulassungshürden steigen

Redaktion Spanien Press

Spanien wird zum Studienland – nicht nur für Erasmus

Spanien hat sich in den letzten Jahren vom klassischen Erasmus-Ziel zur echten Studienalternative für ein komplettes Bachelor- oder Masterstudium entwickelt. Für viele junge Leute aus Europa und darüber hinaus ist das Paket attraktiv: ein global wichtiger Sprachraum, im Vergleich zu anderen Ländern noch moderate Studiengebühren und Lebenshaltungskosten sowie das mediterrane Lebensgefühl in Städten wie Madrid, Barcelona, Valencia, Granada oder Sevilla.

Für viele Expat-Familien, auch aus dem deutschsprachigen Raum, liegt es nahe, Spanien als komplettes Bildungsland zu denken: Wer hier die Oberstufe oder das Bachillerato absolviert, soll idealerweise auch hier studieren können. Gleichzeitig wächst die Zahl der Jugendlichen, die gezielt von außen kommen, um in Spanien Medizin, Ingenieurwissenschaften, Psychologie oder tourismusnahe Fächer zu studieren.

Mehr Bewerber, kaum mehr Plätze

Was wie eine Erfolgsgeschichte klingt, sorgt im Alltag der Universitäten für Druck. Die Zahl der Bewerbungen steigt, die Zahl der Studienplätze – vor allem in den „Wunschfächern“ – bleibt aber weitgehend stabil. Ob Medizin, Doppelstudiengänge, Ingenieurstudien oder beliebte Sozial- und Geisteswissenschaften: Die Kapazitäten der staatlichen Unis lassen sich nicht im gleichen Tempo ausbauen, in dem das Interesse wächst.

Die Folge: Der Wettbewerb verschärft sich. Vor zehn Jahren reichte in vielen zulassungsbeschränkten Studiengängen ein solides „Notable“ (also etwa eine gute Zwei), heute liegt die Zulassungsgrenze oft im Eins-Bereich. Hundertstel können darüber entscheiden, ob jemand einen Platz erhält oder leer ausgeht. Die PAU ist damit nicht nur eine Wissensprüfung, sondern zum Nadelöhr geworden, durch das deutlich mehr Bewerber:innen wollen, als am Ende hindurchpassen.

Ein immer internationalerer, aber auch selektiverer Campus

Für die Hochschulen hat die Entwicklung eine klare positive Seite: Die Hörsäle werden internationaler, es entstehen mehr englischsprachige oder bilinguale Programme, und der Austausch mit Partnerunis weltweit nimmt zu. Auf dem Campus begegnen sich heute spanische, deutsche, französische, lateinamerikanische und viele weitere Studierende ganz selbstverständlich – ein Plus an Vielfalt, das auch das Image der spanischen Universitäten stärkt.

Die Kehrseite ist, dass diese Internationalisierung unter anderem die Auswahl verschärft. Je mehr gut vorbereitete Bewerber:innen aus dem In- und Ausland konkurrieren, desto höher steigen die Anforderungen an die Bewerbungsnote. Für spanische Abiturient:innen und für Kinder aus Expat-Familien bedeutet das: Die Planung muss früher einsetzen, die PAU wird zur echten Bewährungsprobe – und der gewünschte Studienplatz ist längst kein Automatismus mehr.

Klar ist: Spanien bleibt als Studienland sehr attraktiv – vielleicht attraktiver denn je. Doch genau das macht den Einstieg in die staatliche Universität zur Odyssee: Wer hier studieren will, braucht heute nicht nur starke Nerven, sondern auch einen Notenschnitt, der von Jahr zu Jahr ein Stück näher an die Eins rückt.

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