Mit einer umfassenden Reform der Straßenverkehrsordnung reagiert Spanien auf die wachsende Zahl von E-Scootern, steigende Unfallzahlen und neue Mobilitätsformen in den Städten. Die Änderungen betreffen Millionen Verkehrsteilnehmer im ganzen Land.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Spanien stellt seinen Straßenverkehr umfassend neu auf. Die Regierung hat eine Reform der allgemeinen Verkehrsregeln beschlossen, die vor allem mehr Sicherheit im Alltag bringen soll. Im Fokus stehen dabei sogenannte „vulnerable road users“, also besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und Nutzer von E-Scootern.
Die Reform ist eine der weitreichendsten Anpassungen der vergangenen Jahre und soll die Regeln landesweit vereinheitlichen. Bisher gab es insbesondere bei E-Scootern große Unterschiede zwischen einzelnen Städten und Regionen, was immer wieder zu Unsicherheiten führte.
E-Scooter unter strengeren Regeln
Besonders deutlich werden die Änderungen im Bereich der elektrischen Tretroller, die in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom in spanischen Städten erlebt haben. Mit der steigenden Nutzung nahmen jedoch auch die Unfallzahlen zu, was nun zu strengeren Vorschriften führt.
Künftig gilt ein Mindestalter von 15 Jahren für die Nutzung von E-Scootern. Zudem wird das Tragen eines Helms verpflichtend vorgeschrieben. Auch bei der technischen Ausstattung werden neue Anforderungen eingeführt: Fahrzeuge müssen bei schlechten Lichtverhältnissen oder nachts über funktionierende Beleuchtung verfügen und reflektierende Elemente aufweisen.
Verstöße gegen die neuen Regeln können mit Geldstrafen von bis zu 200 Euro geahndet werden. Ziel ist es, die Sicherheit im städtischen Verkehr zu erhöhen und insbesondere jüngere Fahrer besser zu schützen.
Mehr Schutz für Radfahrer im Straßenverkehr
Auch für Fahrradfahrer bringt die Reform wichtige Änderungen mit sich. Vor allem das Überholen durch Autos wird strenger geregelt. Künftig müssen Autofahrer deutlich größeren Abstand einhalten, um das Risiko von Unfällen zu reduzieren.
In bestimmten Verkehrssituationen kann es erforderlich sein, dass Autofahrer beim Überholen von Radfahrern vollständig die Spur wechseln müssen. Diese Maßnahme soll besonders in dicht befahrenen urbanen Gebieten für mehr Sicherheit sorgen und Konflikte zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmern minimieren.
Neue Vorschriften für Motorradfahrer
Auch Motorradfahrer sind von der Reform betroffen. Für sie werden zusätzliche Sicherheitsausrüstungen verpflichtend. Dazu gehören unter anderem das Tragen von Schutzhandschuhen sowie geschlossenem Schuhwerk.
Diese Maßnahmen sollen die Verletzungsgefahr bei Unfällen reduzieren und die allgemeine Verkehrssicherheit erhöhen. Gleichzeitig werden auch die Regeln für das Verhalten im Straßenverkehr verschärft, insbesondere beim Überholen und bei schwierigen Verkehrsbedingungen.
Einheitlichere Regeln und mehr Verkehrssicherheit
Ein zentrales Ziel der Reform ist die Vereinheitlichung der bisherigen Vorschriften. In den vergangenen Jahren hatten viele Städte eigene Regelungen für E-Scooter und andere Mobilitätsformen eingeführt, was zu einem uneinheitlichen Regelwerk führte.
Mit den neuen nationalen Vorgaben sollen klare Standards geschaffen werden, die im ganzen Land gelten. Die Regierung reagiert damit auch auf die zunehmende Verbreitung neuer Mobilitätsformen, die den Straßenverkehr in Spanien nachhaltig verändert haben.
Hintergrund: Mehr E-Scooter, mehr Unfälle
Die Reform ist auch eine Reaktion auf die wachsende Nutzung von E-Scootern in spanischen Städten. Besonders in Metropolen wie Madrid oder Barcelona sind die elektrischen Roller längst fester Bestandteil des Stadtbilds geworden.
Gleichzeitig hat die Zahl der Unfälle mit diesen Fahrzeugen in den vergangenen Jahren zugenommen. Behörden sehen daher Handlungsbedarf, um sowohl Nutzer als auch andere Verkehrsteilnehmer besser zu schützen.
Inkrafttreten der neuen Regeln
Die neuen Vorschriften sollen schrittweise eingeführt werden. Ein großer Teil der Reform tritt voraussichtlich ab Oktober 2026 in Kraft, während einzelne Maßnahmen erst im Jahr 2027 vollständig umgesetzt werden. Mit der Reform reagiert Spanien auf den Wandel im städtischen Verkehr. Neue Mobilitätsformen sollen weiterhin möglich bleiben, jedoch unter klareren und strengeren Sicherheitsbedingungen.
Die Regierung setzt dabei auf einen Ausgleich zwischen moderner, flexibler Mobilität und dem Schutz aller Verkehrsteilnehmer. Ob die neuen Regeln langfristig zu weniger Unfällen führen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.


Das europäische wie auch das spanische Straßenverkehrsnetz ist zum einen wenig geeignet für extrem heterogene Verkehrsmittel, die sich in Größe und möglichen (Maximal)Geschwindigkeiten unterscheiden. Zum anderen ist der Engpassfaktor der Mensch an sich und zuviele erhalten eine Fahrlizenz, die eigentlich mit dem Führen eines (Kraft)fahrzeuges im Straßenverkehr schlichtweg überfordert sind. Es mangelt an der Fähigkeit, Distanzen und Geschwindigkeiten einzuschätzen, und sich grundsätzlich an Regeln halten zu können und zu wollen. Die neuen Beschränkungen werden nicht dazu führen, dass die Unfallzahlen sinken.