Wer von Spanien nach Portugal fährt, hat zwar keine klassische Grenzkontrolle zu erwarten, muss sich aber auf einige wichtige Unterschiede einstellen. Vor allem bei Maut, Kreisverkehr und Notfallausrüstung gelten Regeln, die viele spanische Autofahrer nicht kennen. Auch für Mietwagen gibt es einiges zu beachten.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Portugal liegt für viele Menschen in Spanien praktisch vor der Haustür. Ob für einen Sommerurlaub, ein verlängertes Wochenende oder einen kurzen Abstecher nach Porto, Lissabon oder an die Algarve: Die Fahrt über die Grenze ist unkompliziert. Trotzdem sollten Autofahrer nicht davon ausgehen, dass in Portugal automatisch dieselben Verkehrsregeln gelten wie in Spanien.
Der wichtigste Unterschied betrifft die Maut. Portugal verfügt neben klassischen Mautstationen auch über Straßen, auf denen die Gebühren ausschließlich elektronisch erfasst werden. Wer hier einfach weiterfährt, kann später eine Zahlungsaufforderung oder sogar ein Bußgeld erhalten.
Keine reguläre Grenzkontrolle – aber wichtige Dokumente
Spanien und Portugal gehören beide zum Schengen-Raum. An der gemeinsamen Grenze gibt es deshalb grundsätzlich keine reguläre Grenzkontrolle. Trotzdem sollten Autofahrer ihre wichtigsten Dokumente immer dabeihaben. Dazu gehören der Personalausweis oder Reisepass, der Führerschein, die Fahrzeugpapiere, der Nachweis über die ITV sowie eine gültige Versicherung.
Gerade bei einer Kontrolle oder einem Unfall kann es wichtig sein, die entsprechenden Unterlagen unmittelbar vorlegen zu können.
Diese Geschwindigkeiten gelten in Portugal
Die zulässige Geschwindigkeit hängt wie in Spanien von der jeweiligen Straße ab. Grundsätzlich gilt in Portugal eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf innerstädtischen Straßen. Auf Nebenstraßen sind 90 km/h erlaubt, während auf Autobahnen und Schnellstraßen je nach Strecke Geschwindigkeiten zwischen 100 und 120 km/h gelten. Entscheidend ist allerdings immer die konkrete Beschilderung vor Ort.
Auch die übrigen Grundregeln sind spanischen Autofahrern weitgehend vertraut. Sicherheitsgurte sind Pflicht, Kinder müssen entsprechend gesichert werden und die Benutzung eines Mobiltelefons während der Fahrt ist verboten. Beim Alkohol am Steuer liegt die allgemeine Grenze bei 0,5 Gramm pro Liter Blut. Für Fahranfänger und Berufskraftfahrer gilt eine niedrigere Grenze von 0,2 Gramm pro Liter.
Die portugiesische Maut: Hier lauert die größte Falle
Für viele spanische Autofahrer ist die portugiesische Maut der komplizierteste Teil der Reise. Portugal verfügt über zwei unterschiedliche Systeme. An klassischen Mautstationen wird wie in Spanien direkt bezahlt, entweder bar oder mit Karte. Wer über ein kompatibles elektronisches Mautsystem verfügt, kann die entsprechenden Fahrspuren nutzen.
Daneben gibt es jedoch Straßen ohne Mautschranken. Dort erfassen Kameras das Kennzeichen und die Maut wird elektronisch abgerechnet. Wer ohne passende Zahlungsregistrierung unterwegs ist, riskiert später Probleme und möglicherweise eine Geldstrafe.
Welche Möglichkeiten gibt es?
Wer bereits ein kompatibles elektronisches Mautgerät besitzt, hat es am einfachsten. Das in Spanien weit verbreitete Via-T-System von Bip&Drive ist mit dem portugiesischen System kompatibel. Auch ein temporäres Vía-Verde-Gerät kann genutzt werden.
Für Autofahrer ohne elektronisches Gerät gibt es mehrere Alternativen. Eine der einfachsten Möglichkeiten ist EasyToll. Dabei wird eine Bankkarte mit dem Kennzeichen des Fahrzeugs verbunden. Das System bleibt 30 Tage aktiv. Die Registrierung ist unter anderem an bestimmten Grenzübergängen möglich. Dazu gehören die A28 bei Viana do Castelo, die A24 rund 3,5 Kilometer hinter der Grenze bei Chaves beziehungsweise Verín, die A25 im Bereich Alto de Leomil bei Vilar Formoso sowie die A22 bei Vila Real de Santo António.
Eine weitere Möglichkeit ist die TollCard. Dabei handelt es sich um eine Prepaid-Lösung, die online, bei portugiesischen Postämtern oder in bestimmten Geschäften gekauft werden kann. Die Karte wird mit dem Kennzeichen des Fahrzeugs verbunden und kann mit Beträgen zwischen 5 und 40 Euro aufgeladen werden. Bei elektronischen Mautpassagen wird das Guthaben entsprechend reduziert. Wer viele mautpflichtige Straßen nutzt, sollte deshalb darauf achten, dass das Guthaben nicht ausgeht.
Für ausländische Fahrzeuge gibt es außerdem virtuelle Lösungen. Dazu gehört eine dreitägige virtuelle Karte mit Pauschaltarif für unbegrenzte Fahrten. Daneben existiert eine virtuelle Mehrfahrtenkarte für bestimmte Strecken, unter anderem für Verbindungen zwischen Spanien und den Flughäfen Porto oder Faro.
Besonders wichtig: Kreisverkehr in Portugal
Eine Verkehrsregel sorgt bei ausländischen Autofahrern immer wieder für Unsicherheit: das Verhalten im Kreisverkehr.
Wer nicht die erste Ausfahrt nehmen möchte, muss in Portugal grundsätzlich die innere Spur benutzen. Dort bleibt der Fahrer, bis er sich seiner gewünschten Ausfahrt nähert. Erst unmittelbar vor der Ausfahrt wird auf die äußere Spur gewechselt.
Wer dagegen auf der äußeren Spur bleibt und dabei eine Ausfahrt passiert, kann mit einer Geldstrafe zwischen 60 und 300 Euro belegt werden. Für Autofahrer aus Spanien lohnt es sich deshalb, an portugiesischen Kreisverkehren besonders aufmerksam zu sein.
Dashcam in Portugal: Vorsicht
Auch beim Thema Dashcam gibt es einen deutlichen Unterschied zu Spanien. Die portugiesische Datenschutzbehörde CNPD untersagt den Einsatz von Dashcams auf öffentlichen Straßen aufgrund der geltenden Datenschutzbestimmungen. Selbst die Montage einer Dashcam im Fahrzeug kann problematisch sein und zu hohen Geldstrafen führen.
Wer mit einer in Spanien üblichen Dashcam unterwegs ist, sollte sie deshalb bei einer Fahrt nach Portugal nicht einfach weiterlaufen lassen.
Noch in Spanien tanken
Ein weiterer praktischer Tipp betrifft den Kraftstoff. Wer nach Portugal fährt, sollte möglichst noch auf der spanischen Seite tanken. Benzin und andere Kraftstoffe sind dort in der Regel günstiger als in Portugal. Wer ohnehin kurz vor der Grenze an einer Tankstelle vorbeikommt, kann deshalb häufig Geld sparen.
Mietwagen: Portugal vorher anmelden
Wer in Spanien einen Mietwagen nimmt und damit nach Portugal fahren möchte, sollte nicht einfach losfahren. Viele Vermieter verlangen, dass die Fahrt nach Portugal vorher angekündigt wird. Zusätzlich kann eine sogenannte Cross-Border Fee anfallen, die den Versicherungsschutz außerhalb Spaniens abdeckt.
Auch beim Mautsystem sollte man nachfragen. Spanische Mietwagen verfügen nicht automatisch über einen für Portugal geeigneten Vía-Verde-Transponder. Alternativ kann EasyToll genutzt werden.
Warnweste und Warndreieck nicht vergessen
Ein weiterer Punkt ist für spanische Autofahrer besonders interessant. Spanien hat inzwischen die V-16-Warnleuchte als vorgeschriebene Notfallausrüstung eingeführt. Portugal setzt dagegen weiterhin auf Warnwesten und ein Warndreieck.
Die Warnwesten sollten dabei nicht irgendwo im Kofferraum liegen, sondern im Innenraum des Fahrzeugs, beispielsweise im Handschuhfach, griffbereit aufbewahrt werden.
Die Grenze ist einfach – die Verkehrsregeln sind es nicht immer
Die Fahrt von Spanien nach Portugal ist unkompliziert und für viele Urlauber eine der einfachsten Möglichkeiten, das Nachbarland mit dem eigenen Auto zu entdecken. Die größte Überraschung erwartet Autofahrer nicht an der Grenze, sondern auf der Straße.
Vor allem das elektronische Mautsystem, die Regeln im Kreisverkehr und die abweichenden Vorschriften zur Notfallausrüstung sollten vor der Abfahrt bekannt sein. Wer diese Punkte berücksichtigt, kann die Reise deutlich entspannter antreten.
Und noch ein letzter Tipp: Wer mit vollem Tank über die Grenze fahren möchte, sollte dies möglichst noch in Spanien erledigen. Dort ist der Kraftstoff in der Regel günstiger als auf der portugiesischen Seite.
