Granada ist erneut von einem kräftigen Erdbeben erschüttert worden. Das Beben der Magnitude 4,8 ereignete sich am Dienstagvormittag südlich der Stadt und war in hunderten Orten deutlich zu spüren. Drei Menschen wurden leicht verletzt, Gebäude beschädigt und Teile der berühmten Alhambra vorsorglich geräumt. Seit Tagen wird die Region von einer ungewöhnlich intensiven Serie oberflächennaher Erdbeben erschüttert.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Die Erde kommt in der Provinz Granada nicht zur Ruhe. Nachdem die Region bereits am vergangenen Wochenende von einem kräftigen Erdbeben erschüttert worden war, folgte am Dienstag, dem 18. August, ein weiterer starker Erdstoß.
Nach Angaben des spanischen Instituto Geográfico Nacional (IGN) erreichte das Beben eine Magnitude von Mw 4,8 und ereignete sich um 10:37 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag im Bereich von Gójar, südlich von Granada. Das Beben war sehr oberflächennah und wurde deshalb in einem großen Gebiet deutlich wahrgenommen.
Erdbeben erschüttert Granada und weite Teile Andalusiens
Die Erschütterungen waren nicht nur in der Stadt Granada zu spüren. Nach Angaben des IGN wurden die beiden stärksten Erdbeben der aktuellen Serie in mehr als 500 Ortschaften wahrgenommen. Betroffen waren vor allem Teile Zentral- und Ostandalusiens. Die Erschütterungen wurden darüber hinaus auch in der Region Murcia, im Süden von Castilla-La Mancha und vereinzelt sogar in der Region Madrid registriert.
Die maximale beobachtete Intensität lag in Orten rund um Granada bei V–VI auf der EMS-98-Skala. Die geringe Tiefe der Beben verstärkte dabei die Wahrnehmung an der Oberfläche. Zahlreiche Menschen verließen nach den Erschütterungen vorsorglich ihre Wohnungen und Gebäude und suchten offene Bereiche auf.
Mehrere weitere Erdbeben folgen innerhalb weniger Stunden
Besonders beunruhigend für die Bevölkerung war, dass es nicht bei einem einzigen Erdstoß blieb. Nach dem Beben der Stärke 4,8 registrierte das IGN innerhalb kurzer Zeit weitere Erschütterungen. Darunter befanden sich Beben der Magnitude 3,9, 4,2 und 4,0. Auch diese wurden von der Bevölkerung teilweise deutlich wahrgenommen.
Das IGN spricht inzwischen von einer regelrechten seismischen Serie. Seit dem 14. August wurden in der Region bereits 432 Erdbeben registriert. Die meisten davon waren allerdings deutlich schwächer als die beiden stärksten Erdstöße.
Die aktuellen Beben konzentrieren sich auf ein Gebiet rund um Alhendín, Gójar und La Zubia, nur wenige Kilometer südlich der Stadt Granada.
Drei Menschen leicht verletzt
Die Erdbeben haben auch erste Verletzte gefordert. Nach Angaben der andalusischen Behörden wurden drei Menschen leicht verletzt. Unter den Verletzten befindet sich auch ein Minderjähriger, der vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht wurde.
Darüber hinaus wurden zahlreiche Schäden an Gebäuden gemeldet. Besonders häufig handelt es sich um herabgefallene Fassadenteile, Dachziegel und andere Bauteile. Auch Fahrzeuge wurden durch herabfallende Trümmer beschädigt. Das IGN berichtet bislang vor allem von nichtstrukturellen Schäden und herabgefallenen Gegenständen. Die genaue Schadensbilanz wird weiter überprüft.
Teile der Alhambra vorsorglich geräumt
Auch eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Spaniens war von den Erschütterungen betroffen. Nach dem neuerlichen Erdbeben wurden Teile der Alhambra vorsorglich geräumt. Betroffen waren insbesondere die Nasridenpaläste und die Alcazaba.
Die Maßnahme erfolgte aus Sicherheitsgründen, während die Verantwortlichen die Auswirkungen der Erschütterungen überprüften. Der historische Komplex zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Spaniens und wird täglich von zahlreichen Besuchern besucht.
Auch weitere öffentliche Einrichtungen wurden aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen beziehungsweise geräumt.
Metro Granada reduziert Geschwindigkeit
Die Erdbebenserie hatte auch Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr. Die Metro Granada reduzierte vorsorglich die Geschwindigkeit ihrer Züge. Damit sollte das Risiko während der anhaltenden seismischen Aktivität minimiert werden.
Auch mehrere Gebäude wurden vorsorglich evakuiert. In verschiedenen Bereichen der Stadt wurden Straßen abgesperrt, nachdem Fassadenteile oder andere Bauteile herabgefallen waren. Die Stadtverwaltung erhöhte gleichzeitig die Präsenz von Polizei und Rettungskräften.
Granada erlebt seit Tagen eine ungewöhnliche Erdbebenserie
Das aktuelle Beben ist kein isoliertes Ereignis. Bereits am 14. August hatte das IGN ein Erdbeben der Magnitude Mw 4,8 im Raum Alhendín registriert. Seitdem kommt es in der Region immer wieder zu weiteren Erschütterungen.
Das Beben vom Dienstag erreichte erneut Mw 4,8 und war damit bislang das stärkste Ereignis der Serie neben dem Beben vom 14. August. Beide Erdstöße erreichten eine maximale beobachtete Intensität von V–VI.
Die meisten der seit Freitag registrierten Erdbeben waren allerdings deutlich schwächer. Insgesamt wurden bislang neun Ereignisse mit einer Magnitude von mindestens 3 registriert, während 45 Erdbeben von der Bevölkerung wahrgenommen wurden.
Warum bebt die Erde in Granada so häufig?
Granada gehört zu den seismisch aktivsten Regionen Spaniens. Die Stadt liegt im Bereich der Betischen Kordillere, einem geologisch aktiven Gebirgssystem im Süden der Iberischen Halbinsel. Die aktuelle Erdbebenserie spielt sich im Bereich mehrerer aktiver Verwerfungen ab.
Das IGN ordnet die Serie unter anderem zwischen den Verwerfungen von Dílar, Granada und Belicena-Alhendín ein. Die gemessenen Mechanismen der stärkeren Erdbeben sind demnach mit den bekannten tektonischen Strukturen der Region vereinbar. Dass es dort immer wieder zu Erdbeben kommt, ist deshalb grundsätzlich nicht ungewöhnlich.
Eine der aktivsten Erdbebenregionen Spaniens
Die Geschichte zeigt, dass Granada durchaus von starken Erdbeben betroffen sein kann. Das IGN verweist unter anderem auf historische Ereignisse aus den Jahren 1431, 1806/1807, 1911 und 1918. Besonders schwer war das Erdbeben von 1884 bei Arenas del Rey, das eine Intensität von IX bis X erreichte und massive Zerstörungen verursachte.
Auch in jüngerer Vergangenheit gab es längere Erdbebenserien. Zwischen Dezember 2020 und August 2021 wurden beispielsweise im Raum Santa Fe und Atarfe mehr als 3.000 oberflächennahe Erdbeben registriert. Die aktuelle Aktivität ist daher zwar bemerkenswert, kommt aber in einer Region vor, die bereits mehrfach von intensiven seismischen Phasen betroffen war.
Wie lange die Erdbebenserie noch anhält, ist unklar
Eine der wichtigsten Fragen für die Menschen in Granada lautet derzeit: Wann hört das Beben auf? Eine genaue Antwort darauf gibt es nicht.
Das IGN überwacht die Entwicklung kontinuierlich. Nach Angaben der Behörde lässt sich derzeit nicht zuverlässig vorhersagen, wie sich die Serie weiterentwickeln wird. Weitere spürbare Erdbeben sind möglich, eine konkrete Vorhersage eines noch stärkeren Bebens ist jedoch wissenschaftlich nicht möglich.
Die aktuelle Situation bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein großes Erdbeben bevorsteht. Gleichzeitig können weitere Erschütterungen nicht ausgeschlossen werden.
IGN verstärkt Überwachung der Region
Angesichts der ungewöhnlich intensiven Aktivität wird die Region engmaschig überwacht. Das IGN verfügt in einem Radius von rund 50 Kilometern um das Epizentrum über 52 permanente seismische Sensoren. Zusätzlich wurden zwei mobile Messstationen direkt im Bereich der aktuellen Erdbebenserie installiert. Dadurch sollen die Bewegungen des Untergrunds noch genauer analysiert werden.
Seit Beginn der Serie hat das IGN zudem mehr als 15.000 Rückmeldungen der Bevölkerung über seine Internetseite und mobile Anwendung erhalten. Diese Daten helfen den Wissenschaftlern dabei, die tatsächlich wahrgenommene Stärke der Erschütterungen in den einzelnen Orten zu bestimmen.
Behörden rufen zur Ruhe auf
Die Behörden beobachten die Situation aufmerksam, warnen aber gleichzeitig vor unnötiger Panik. Die Bevölkerung wird dazu aufgefordert, die offiziellen Informationen zu verfolgen und bei weiteren Erschütterungen die bekannten Empfehlungen zum Selbstschutz zu beachten.
Denn auch wenn Granada aktuell eine ungewöhnlich aktive seismische Phase erlebt, lässt sich aus der Vielzahl der kleineren Beben nicht automatisch ableiten, dass ein noch stärkeres Erdbeben unmittelbar bevorsteht.
Fest steht jedoch: Die Erde unter Granada bleibt in Bewegung. Nach zwei Erdbeben der Stärke 4,8 innerhalb weniger Tage und hunderten weiteren registrierten Erschütterungen dürfte die Aufmerksamkeit in der andalusischen Provinz deshalb auch in den kommenden Tagen hoch bleiben.
