18. August 2026
Lesezeit 3 Minuten

Bakterien-Alarm an der Costa del Sol: Zwei Strände in Málaga wieder geöffnet – vier bleiben gesperrt

Badegäste genießen das Meer in Málaga – mehrere Strände bleiben nach einer E.-coli-Belastung weiterhin gesperrt (Credit: Wissam Bekkhaled/Unsplash)

Nach einer Belastung des Meerwassers mit E. coli dürfen Badegäste an zwei Stränden in Málaga wieder ins Wasser. Vier weitere Abschnitte bleiben dagegen geschlossen. Auslöser war ein heftiges Unwetter, das das Abwassersystem der Stadt an seine Grenzen brachte. Besonders brisant ist die Situation mitten in der Feria de Málaga.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

An der Küste von Málaga gibt es vorsichtige Entwarnung – zumindest teilweise. Nach dem Bakterien-Alarm der vergangenen Tage sind zwei von sechs gesperrten Stränden wieder zum Baden freigegeben. Die Strände Campo de Golf-San Julián nahe dem Flughafen und El Palo im Osten der Stadt erhielten am Dienstag wieder die grüne Flagge.

Für vier weitere beliebte Strände gilt dagegen weiterhin ein Badeverbot. Dort sind die gemessenen Werte der Fäkalbakterie Escherichia coli (E. coli) zwar zurückgegangen, liegen aber noch über dem zulässigen Grenzwert.

Vier Strände bleiben geschlossen

Vom Badeverbot betroffen sind derzeit noch immer die Strände Guadalmar, La Misericordia, Sacaba und San Andrés. Alle vier befinden sich an der westlichen Küste Málagas zwischen dem Flughafen und dem Stadtzentrum. Wann die beliebten Küstenabschnitte wieder für Badegäste freigegeben werden können, sollen neue Wasserproben in den kommenden Tagen zeigen.

Gleichzeitig hat die Stadt mit der Reinigung der betroffenen Strandbereiche begonnen. Die Wasserqualität wird weiterhin engmaschig kontrolliert.

E. coli im Meerwasser entdeckt

Auslöser für die Sperrungen waren Wasserproben, die erhöhte Konzentrationen von E. coli zeigten. Das Bakterium gilt als Hinweis auf eine Verunreinigung mit Fäkalien und kann bei Kontakt mit belastetem Wasser unter anderem Magen-Darm-Erkrankungen oder Infektionen verursachen.

Die Proben wurden vom städtischen Wasserversorger Emasa untersucht. Bei den neuen Messungen vom Montag gingen die Werte an allen vier weiterhin geschlossenen Stränden zurück – ausreichend niedrig waren sie jedoch noch nicht. Für die Behörden bedeutet das: Noch kein grünes Licht für das Baden.

Heftiger Regen brachte Abwassersystem an die Grenze

Hinter der Verschmutzung steht ein Unwetter, das Málaga in der Nacht zum 15. August traf. Innerhalb einer Stunde fielen nach Angaben der Stadt rund 14 Millimeter Regen, insgesamt wurden etwa 18,5 Liter pro Quadratmeter gemessen. Die Wassermengen überforderten Teile des städtischen Entwässerungssystems.

Das Besondere am Abwassersystem Málagas: In Teilen der Stadt werden Regenwasser und Abwasser über gemeinsame Leitungen transportiert. Bei außergewöhnlich starken Niederschlägen kann das System dadurch an seine Kapazitätsgrenzen gelangen.

Um Überschwemmungen im Stadtgebiet zu verhindern, wurde belastetes Wasser über sogenannte Entlastungspunkte ins Meer geleitet. Nach Angaben der Stadt war dies notwendig, um zu verhindern, dass sich das Wasser im Kanalsystem zurückstaut und Straßen sowie Gebäude überflutet.

Mehr als 2.300 Tonnen Feuchttücher pro Jahr

Ein weiterer Faktor sorgt derzeit für Diskussionen. Nach Angaben der Stadt werden jedes Jahr mehr als 2.300 Tonnen Feuchttücher aus dem Abwassersystem Málagas entfernt.

Sie können sich in den Leitungen sammeln und Verstopfungen verursachen. Dadurch kann sich die Situation bei starken Regenfällen zusätzlich verschärfen. Die Stadt beziffert die jährlichen Kosten für die Beseitigung dieser Ablagerungen auf knapp zwei Millionen Euro.

Die Stadtverwaltung sieht deshalb nicht ausschließlich das Wetter als Problem. Auch die Belastung des Kanalsystems durch falsch entsorgte Feuchttücher spielt nach ihrer Darstellung eine Rolle.

Ungewöhnlich schlechter Zeitpunkt

Die Strandsperrungen kommen für Málaga zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Die Stadt befindet sich derzeit mitten in der Feria de Málaga, die vom 15. bis 22. August stattfindet und zu den wichtigsten Veranstaltungen des Jahres gehört.

Für Einheimische und Urlauber ist der Zugang zum Meer während der Hochsaison ein wichtiger Bestandteil des Aufenthalts. Dass ausgerechnet während des größten Stadtfestes mehrere Strände nicht genutzt werden können, sorgt deshalb für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Zwei Strände sind inzwischen wieder geöffnet – doch an der westlichen Küste bleibt die Situation angespannt.

Stadt will Abwasser- und Regenwassernetze trennen

Das aktuelle Problem hat gleichzeitig eine längerfristige Debatte über die Infrastruktur Málagas neu entfacht. Die Stadt arbeitet bereits daran, Regenwasser und Abwasser stärker voneinander zu trennen. Im Rahmen des Infrastrukturplans von Emasa für die Jahre 2024 bis 2029 soll der Anteil des getrennten Netzes auf rund 70 Prozent steigen.

Damit soll künftig verhindert werden, dass starke Regenfälle erneut zu einer Überlastung des Systems und damit zu Einleitungen ins Meer führen.

Neues Rückhaltebecken geplant

Zusätzlich ist ein Rückhaltebecken für Regenwasser im Zusammenhang mit dem historischen Abwassersammler Carretería geplant. Die Anlage soll bei starken Niederschlägen überschüssiges Wasser aufnehmen und dadurch verhindern, dass große Mengen belasteten Wassers unmittelbar in Richtung Meer gelangen. Die Ausschreibung des Projekts soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Die Maßnahmen zeigen: Das Problem ist nicht allein eine kurzfristige Folge des Unwetters. Die wiederholten Belastungen haben auch grundsätzliche Fragen zur Leistungsfähigkeit der städtischen Abwasserinfrastruktur aufgeworfen.

Wann öffnen die restlichen Strände?

Für Guadalmar, La Misericordia, Sacaba und San Andrés heißt es weiterhin: nicht ins Wasser gehen. Erst wenn die Messwerte wieder innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen, kann die rote Flagge aufgehoben werden. Emasa will die Wasserqualität in den kommenden Tagen weiter kontrollieren. Ob die vier Strände noch während der Feria wieder vollständig freigegeben werden können, ist derzeit offen.

Für Málaga gibt es damit zwar eine erste Entwarnung, doch der Bakterien-Alarm ist noch nicht vorbei. Zwei Strände sind wieder offen, vier bleiben geschlossen – und die Stadt steht vor der Herausforderung, ihr Abwassersystem langfristig besser gegen extreme Regenfälle zu wappnen.

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