Eine gewaltige Sturzflut hat die Himalaya-Region an der Grenze zwischen Nepal und Tibet verwüstet. Mindestens 165 Menschen sind ums Leben gekommen, die Zahl der Vermissten geht in die Hunderte und könnte nach jüngsten Angaben sogar bei fast 1.500 liegen. Unter den bislang nicht lokalisierten Personen befinden sich auch vier spanische Staatsbürger. Rettungskräfte suchen unter schwierigsten Bedingungen nach Überlebenden.
Redaktion Spanien Press
Das Ausmaß der Katastrophe im Himalaya wird erst langsam sichtbar. Ganze Ortschaften wurden von Wasser, Schlamm und Geröll getroffen, Häuser fortgerissen, Straßen zerstört und Brücken unpassierbar gemacht.
Besonders schwer betroffen ist die Region entlang der Grenze zwischen Nepal und dem chinesischen Tibet. In Nepal konzentrieren sich die Rettungsarbeiten unter anderem auf die Gebiete entlang des Bhote-Koshi- und Trishuli-Flusssystems.
Nach den jüngsten internationalen Berichten wurden bereits mindestens 165 Todesopfer bestätigt. Gleichzeitig werden auf beiden Seiten der Grenze weiterhin sehr viele Menschen vermisst. Reuters spricht inzwischen von nahezu 1.500 Personen, deren Aufenthaltsort noch nicht geklärt werden konnte. Darunter befinden sich zahlreiche ausländische Touristen.
Vier Spanier werden noch gesucht
Auch Spanien ist unmittelbar von der Katastrophe betroffen.
Der spanische Außenminister José Manuel Albares bestätigte am Donnerstagmorgen, dass derzeit vier spanische Staatsbürger nicht lokalisiert werden können.
Nach Angaben des Ministers gibt es bislang jedoch keine bestätigten spanischen Todesopfer.
Das spanische Außenministerium sowie die zuständigen diplomatischen und konsularischen Vertretungen in der Region arbeiten daran, die Vermissten ausfindig zu machen und Kontakt zu Spaniern herzustellen, die sich möglicherweise in den betroffenen Gebieten aufgehalten haben.
Die Angaben haben sich seit Beginn der Katastrophe mehrfach verändert. Noch am Mittwoch hatte das Außenministerium erklärt, ihm lägen keine Informationen über vermisste Spanier vor. Inzwischen wurde die Zahl offiziell auf vier erhöht.
Viele Touristen unter den Vermissten
Besonders besorgniserregend ist die hohe Zahl ausländischer Reisender, die weiterhin nicht erreicht werden können.
Die Himalaya-Region ist bei internationalen Touristen, Trekking-Reisenden und Pilgern ausgesprochen beliebt. Viele waren auf dem Weg zum Mount Kailash in Tibet, der insbesondere für Hindus und Buddhisten eine große religiöse Bedeutung besitzt.
Unter den Vermissten befinden sich nach bisherigen Angaben unter anderem Staatsbürger aus Indien, den USA, Großbritannien, Australien und Kanada. Auch Angehörige weiterer Nationen werden gesucht.
Die tatsächliche Zahl könnte sich in den kommenden Stunden allerdings noch erheblich verändern. In vielen Gebieten sind Telefon- und Stromverbindungen unterbrochen, sodass eine Person, die derzeit als vermisst gilt, nicht zwangsläufig tatsächlich von der Flut erfasst worden sein muss.
Eine gewaltige Wasserwand
Augenzeugenberichte und Bilder aus der Region vermitteln eine Vorstellung von der enormen Kraft der Flut.
Innerhalb kürzester Zeit schossen gewaltige Mengen Wasser, Schlamm und Geröll durch die engen Täler. Häuser und Fahrzeuge wurden mitgerissen, Straßen verschwanden unter den Wassermassen und zahlreiche Ortschaften wurden von der Außenwelt abgeschnitten.
Am Trishuli soll der Wasserstand innerhalb von nur etwa 30 Minuten um bis zu neun Meter gestiegen sein.
Hubschrauber werden eingesetzt, um Menschen aus schwer zugänglichen Gebieten auszufliegen und Hilfsgüter zu transportieren. Doch zerstörte Straßen, Schlamm und weiterhin schwierige Bedingungen erschweren die Suche nach Vermissten erheblich.
Kein Erdbeben, sondern offenbar ein Gletscherkollaps
Auch über die Ursache der Katastrophe herrschte zunächst Verwirrung.
Am Mittwoch war in der Region ein seismisches Ereignis registriert worden, das zunächst als Erdbeben interpretiert wurde. Der US Geological Survey kam später jedoch zu dem Ergebnis, dass das Signal offenbar nicht von einem klassischen Erdbeben, sondern von einem massiven Gletscherkollaps beziehungsweise einer damit verbundenen Geröllbewegung ausgelöst worden war.
Dabei könnten enorme Mengen Eis, Gestein und Wasser freigesetzt worden sein, die anschließend durch die Täler Richtung Nepal schossen.
Die genaue Abfolge der Ereignisse wird allerdings weiterhin untersucht. Experten warnen deshalb davor, bereits jetzt endgültige Schlussfolgerungen über den exakten Auslöser zu ziehen.
Eine der schwersten Naturkatastrophen der Region
Die internationale Hilfe läuft inzwischen an.
Die USA haben eine Soforthilfe von 500.000 Dollar angekündigt. Auch die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen unterstützen die Rettungsmaßnahmen. Die Europäische Union hat ihr Copernicus-Satellitensystem aktiviert, um die betroffenen Gebiete zu kartieren und den Einsatzkräften aktuelle Informationen über das Ausmaß der Zerstörung zur Verfügung zu stellen.
Doch noch immer sind einige der am schwersten betroffenen Gebiete kaum erreichbar.
Die Behörden gehen deshalb davon aus, dass sich das Ausmaß der Katastrophe erst in den kommenden Tagen vollständig erfassen lässt.
Für Hunderte Familien beginnt unterdessen ein verzweifeltes Warten auf Nachrichten von Angehörigen.
Darunter befinden sich nun auch Familien in Spanien.
Vier Spanier gelten weiterhin als nicht lokalisiert.

kennt man die Namen der vermissten spanier?
se conoce los nombres de los 4 españoles desaparecidos en Nepal/Tibet/China?