Der spanische Arbeitsmarkt hat im August saisonbedingt an Beschäftigung verloren. Die Zahl der Sozialversicherten sank um 162.840, gleichzeitig stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen um 44.419. Im Jahresvergleich bleibt die Entwicklung jedoch positiv: Spanien hat innerhalb eines Jahres fast 680.000 zusätzliche Beschäftigte gewonnen.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Der spanische Arbeitsmarkt hat im August den für diesen Monat typischen saisonalen Rückgang verzeichnet. Nach den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen sank die Zahl der bei der Sozialversicherung registrierten Beschäftigten um 162.840 Personen. Gleichzeitig stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen um 44.419.
Damit waren Ende August insgesamt 2.355.918 Menschen in Spanien arbeitslos. Trotz des monatlichen Anstiegs liegt die Arbeitslosigkeit damit weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Für einen August ist dies der niedrigste Stand seit 2007.
Mehr als 22,3 Millionen Menschen beschäftigt
Die Zahl der Beschäftigten belief sich im August auf rund 22,34 Millionen. Trotz des Rückgangs gegenüber Juli wurde damit der höchste Beschäftigungsstand erreicht, der jemals für einen August registriert wurde.
Noch deutlicher fällt die Entwicklung im Jahresvergleich aus. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate kamen 679.023 Beschäftigte hinzu. Das entspricht einem Wachstum von 3,13 Prozent.
Der monatliche Rückgang im August muss deshalb vor allem im Zusammenhang mit den saisonalen Besonderheiten des spanischen Arbeitsmarktes betrachtet werden. Der August ist traditionell ein Monat mit weniger Beschäftigung. Nach dem Ende der Hochsaison im Tourismus sowie dem Auslaufen zahlreicher Verträge, insbesondere im Bildungsbereich, geht die Zahl der Beschäftigten regelmäßig zurück.
Bildung besonders stark betroffen
Besonders deutlich zeigte sich der saisonale Effekt im Bildungssektor. Dort gingen im August mehr als 78.000 Beschäftigungsverhältnisse verloren. Auch andere Bereiche verzeichneten Rückgänge. Dazu gehörten unter anderem Teile der Industrie, administrative Dienstleistungen sowie wissenschaftliche und professionelle Tätigkeiten.
Gleichzeitig konnten andere Branchen ihre Beschäftigung ausbauen. Dazu gehörten unter anderem das Gesundheitswesen, die Gastronomie und das Baugewerbe. Der August-Rückgang bedeutet daher nicht automatisch, dass Unternehmen in großem Umfang dauerhaft Arbeitsplätze abbauen. Ein erheblicher Teil der Bewegung ist saisonbedingt.
Arbeitslosigkeit steigt um mehr als 44.000 Menschen
Die Zahl der registrierten Arbeitslosen stieg im August um 44.419 Personen beziehungsweise 1,92 Prozent gegenüber Juli. Damit waren insgesamt 2.355.918 Menschen bei den spanischen Arbeitsämtern als arbeitslos registriert.
Im Jahresvergleich ergibt sich allerdings ein anderes Bild: Gegenüber August 2025 gibt es 70.593 Arbeitslose weniger. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen sank damit innerhalb eines Jahres um 2,91 Prozent. Der Anstieg im August ist deshalb vor allem als saisonaler Effekt zu verstehen. Gleichzeitig spielt in diesem Jahr ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle: die außergewöhnliche Regularisierung ausländischer Arbeitnehmer.
Regularisierung von Ausländern beeinflusst die Statistik
Seit April läuft in Spanien ein außergewöhnliches Verfahren zur Regularisierung von Migranten. Bis Ende Juni waren bereits rund 1,17 Millionen Anträge eingegangen. Bis Ende August wurden im Zusammenhang mit diesem Prozess 337.917 ausländische Beschäftigte neu bei der Sozialversicherung registriert.
Die Entwicklung hat damit einen spürbaren Einfluss auf die aktuellen Arbeitsmarktdaten. Einerseits wird der Rückgang der Beschäftigung durch zusätzliche ausländische Beschäftigte abgeschwächt. Andererseits melden sich im Zuge des Prozesses auch Menschen als Arbeitssuchende beziehungsweise Arbeitslose an.
Die Entwicklung macht zugleich deutlich, welche Bedeutung ausländische Arbeitnehmer inzwischen für den spanischen Arbeitsmarkt haben.
Mehr als 3,5 Millionen ausländische Beschäftigte
Im August überschritt die Zahl der bei der Sozialversicherung registrierten ausländischen Beschäftigten die Marke von 3,5 Millionen. Damit stellen ausländische Arbeitnehmer inzwischen rund 15,9 Prozent aller Beschäftigten in Spanien.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung innerhalb des vergangenen Jahres: Von den insgesamt 679.023 zusätzlichen Beschäftigten entfielen rund 482.000 auf ausländische Arbeitnehmer. Die Zuwanderung trägt damit einen erheblichen Teil zum aktuellen Beschäftigungswachstum Spaniens bei.
Saisonbereinigt steigt die Beschäftigung weiter
Ein wichtiger Unterschied zur reinen Monatsstatistik ergibt sich bei der saisonbereinigten Betrachtung. Während die Zahl der Beschäftigten im August auf den ersten Blick deutlich zurückging, stieg die saisonbereinigte Beschäftigung um 83.844 Personen.
Das spricht gegen die Interpretation eines plötzlich einsetzenden Einbruchs am spanischen Arbeitsmarkt. Vielmehr zeigt sich ein Arbeitsmarkt, der weiterhin wächst, dessen monatliche Zahlen aber erheblich durch die saisonalen Besonderheiten der spanischen Wirtschaft beeinflusst werden.
1,14 Millionen neue Arbeitsverträge
Im August wurden in Spanien insgesamt 1.144.827 Arbeitsverträge registriert. Rund 38,5 Prozent davon waren unbefristete Verträge.
Damit setzt sich die Entwicklung zu mehr dauerhaften Beschäftigungsverhältnissen fort. Seit der spanischen Arbeitsmarktreform ist der Anteil befristeter Beschäftigung deutlich zurückgegangen.
Alle Regionen verzeichnen mehr Arbeitslose
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit beschränkte sich im August nicht auf einzelne Regionen. Mit wenigen Ausnahmen nahm die Zahl der Arbeitslosen in den autonomen Gemeinschaften zu. Besonders deutlich waren die Zuwächse unter anderem in Katalonien, Madrid und der Region Valencia.
Auch hier spielt das Ende der Sommersaison eine wichtige Rolle. Regionen mit einem hohen Anteil an Tourismus und Dienstleistungen sind besonders stark von saisonalen Schwankungen betroffen. Auf den Balearen zeigt sich beispielsweise ein typisches Bild zum Ende der Sommersaison: Trotz eines Rekordstands bei der Beschäftigung im August nahm die Arbeitslosigkeit gegenüber Juli zu.
Frauen und Jugendliche besonders betroffen
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betraf sowohl Männer als auch Frauen. Bei Frauen fiel der Zuwachs jedoch stärker aus. Die Zahl der arbeitslosen Frauen stieg im August um rund 22.700.
Auch die Jugendarbeitslosigkeit nahm zu. Gerade junge Arbeitnehmer sind überdurchschnittlich häufig in saisonalen Bereichen wie Gastronomie, Tourismus und Einzelhandel beschäftigt. Das Ende der Sommersaison wirkt sich deshalb besonders schnell auf diese Gruppe aus.
Spaniens Arbeitsmarkt bleibt auf Wachstumskurs
Trotz der schwachen Monatszahlen liefert der Blick auf die längerfristige Entwicklung ein deutlich positiveres Bild. Spanien verfügt inzwischen über mehr als 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Innerhalb eines Jahres kamen fast 680.000 Arbeitsplätze hinzu. Gleichzeitig liegt die Zahl der Arbeitslosen rund 70.600 unter dem Vorjahreswert.
Der August zeigt damit vor allem die saisonale Seite des spanischen Arbeitsmarktes. Die wichtigste Zahl ist deshalb nicht der Verlust von 162.840 Beschäftigten gegenüber Juli, sondern die Entwicklung über zwölf Monate: Spanien hat trotz des saisonalen Rückgangs fast 680.000 zusätzliche Beschäftigte.
Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, wie schnell die nach dem Sommer üblichen saisonalen Effekte wieder auslaufen und ob sich das Beschäftigungswachstum auch im Herbst fortsetzt.
