Jeans, weiße Bluse, Turnschuhe und eine große Tasche: Keine Gala, keine Uniform und kein königliches Protokoll. Prinzessin Leonor ist heute Morgen in einen völlig neuen Lebensabschnitt gestartet – als Studentin an einer öffentlichen spanischen Universität. Und für viele ihrer neuen Kommilitonen gab es gleich am ersten Tag eine Überraschung: Plötzlich stand die künftige Königin neben ihnen auf dem Campus.
Redaktion Spanien Press
Für Prinzessin Leonor hat an diesem Montag ein neues Kapitel begonnen. Nach drei Jahren militärischer Ausbildung studiert die spanische Thronfolgerin ab sofort Politikwissenschaften an der öffentlichen Universidad Carlos III de Madrid. Ihr Studienort ist der Campus in Getafe.
Und gerade dieser Punkt ist bemerkenswert: Die künftige Königin Spaniens hat sich nicht für eine exklusive private Hochschule entschieden, sondern für eine öffentliche spanische Universität. Die Entscheidung für das Fach Politikwissenschaften traf Leonor nach Angaben von Europa Press selbst, mit Zustimmung ihrer Eltern, König Felipe VI. und Königin Letizia.
Plötzlich steht die Prinzessin zwischen den Studenten
Kurz vor neun Uhr traf Leonor heute Morgen auf dem Campus ein.
Nicht im Abendkleid und nicht in Uniform, sondern ausgesprochen studentisch: Jeans, weiße Bluse, Sportschuhe, eine große schwarze Tasche über der Schulter. Um sie herum liefen Hunderte junge Menschen zu ihren ersten Veranstaltungen des neuen Studienjahres.
Die Szene hatte etwas bemerkenswert Normales.
Zahlreiche Studenten bemerkten natürlich schnell, wer da gerade mit ihnen über den Campus lief. Einige reagierten begeistert, Smartphones wurden gezückt, Fotos und Videos gemacht. Andere dürften schlicht überrascht gewesen sein, die spanische Thronfolgerin plötzlich mitten im normalen Universitätsbetrieb zu sehen.
Leonor selbst wirkte dabei entspannt und freundlich. Sie lächelte, grüßte die Anwesenden und erklärte vor Beginn ihrer neuen Etappe knapp, sie starte „con muchas ganas“ – mit großer Vorfreude. Der Rektor der Universität beschrieb sie anschließend als ruhig und voller Vorfreude auf den Studienbeginn.
La Princesa Leonor inicia como una alumna más el grado de Ciencias Políticas en la Universidad Carlos III
La heredera al trono ha comenzado este lunes sus clases en el campus de Getafe, donde cursará el plan de estudios ordinario mientras atiende sus compromisos institucionales… pic.twitter.com/HX1BoDCLSc
— EL MUNDO (@elmundoes) September 7, 2026
Eine Studentin wie die anderen – soweit das überhaupt möglich ist
Genau das soll nun zum Prinzip ihrer kommenden vier Jahre werden.
Leonor wird keinen eigens für eine Thronfolgerin geschaffenen Studiengang absolvieren. Sie soll grundsätzlich denselben Lehrplan durchlaufen wie ihre Kommilitonen und nach vier Jahren einen regulären Hochschulabschluss erwerben. Ihre universitäre Ausbildung muss sie allerdings mit ihren zunehmenden Verpflichtungen als Thronfolgerin verbinden.
Auch die Universität möchte ihre Anwesenheit möglichst normalisieren. Natürlich wird es Sicherheitsmaßnahmen geben – bei einer künftigen Staatschefin lässt sich das kaum vermeiden. Gleichzeitig soll der Universitätsalltag dadurch möglichst wenig beeinträchtigt werden.
Im Hörsaal soll deshalb vor allem eines zählen: Leonor ist Studentin.
Sie wird Vorlesungen besuchen, Prüfungen schreiben, Arbeiten abgeben und den universitären Alltag grundsätzlich mit denselben Anforderungen bewältigen wie ihre Mitstudenten.
Ihr Vater machte es ähnlich – aber nicht ganz
Die Parallelen zu König Felipe VI. sind unübersehbar.
Auch der heutige König entschied sich als damaliger Thronfolger für eine öffentliche Hochschule. Felipe studierte von 1988 bis 1993 Rechtswissenschaften an der Universidad Autónoma de Madrid.
Auch damals war die Aufregung am ersten Tag enorm. Studenten versammelten sich vor der Fakultät, um den jungen Prinzen zu sehen. Mit der Zeit legte sich der Rummel – und Felipe bewegte sich zunehmend selbstverständlich zwischen Hörsälen, Seminaren und Cafeteria.
Einen Unterschied gibt es allerdings.
Felipes universitärer Ausbildungsweg war stärker auf seine besondere Rolle zugeschnitten. Neben Jura erhielt er eine ergänzende wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung. Leonor dagegen beginnt zunächst mit dem regulären Studienplan ihres Bachelorstudiums in Politikwissenschaften.
Zu ihren Fächern gehören unter anderem Politikwissenschaft, Verfassungsrecht, öffentliche Verwaltung, Weltpolitik, Wirtschaft und politische Geschichte. Später kann sie aus verschiedenen Wahlfächern auswählen.
Von der Militärakademie in den Hörsaal
Der Kontrast könnte kaum größer sein.
Drei Jahre lang wurde Leonors Alltag von militärischer Disziplin bestimmt. Sie absolvierte ihre Ausbildung bei Heer, Marine sowie Luft- und Weltraumstreitkräften. Nun tauscht sie Uniform und militärischen Tagesablauf gegen Vorlesungen, Bücher und einen Campus voller Studenten.
Und vielleicht ist gerade diese Normalität das Interessanteste an ihrem ersten Universitätstag.
Leonor bleibt selbstverständlich die Prinzessin von Asturien. Sicherheitskräfte werden in ihrer Nähe sein, Medien werden ihre Schritte verfolgen und ihre institutionellen Verpflichtungen werden sie immer wieder aus dem gewöhnlichen Studentenleben herausheben.
Doch innerhalb der Universität soll zumindest der Versuch unternommen werden, ihr etwas zu ermöglichen, das für eine Thronfolgerin keineswegs selbstverständlich ist:
vier Jahre lang lernen, Prüfungen bestehen, Kommilitonen kennenlernen und morgens zum Unterricht gehen – so weit es ihre außergewöhnliche Stellung zulässt, einfach als eine Studentin unter vielen.
Und nach den Bildern dieses ersten Morgens scheint Leonor genau das zu wollen.
