8. September 2026
Lesezeit 3 Minuten

Sánchez-Regierung startet neues Wohnungsportal: 800 staatliche Mietwohnungen – doch Spaniens große Städte gehen leer aus

Die Regierung von Pedro Sánchez hat mit CASA47 ein neues staatliches Wohnungsportal gestartet. Rund 800 Wohnungen zu erschwinglicheren Mieten werden zum Auftakt angeboten. Was zunächst nach einer konkreten Antwort auf Spaniens Wohnungskrise klingt, hat allerdings einen entscheidenden Haken: Keine einzige dieser Wohnungen befindet sich in Madrid, Barcelona, Valencia oder Sevilla. Auch Andalusien geht zunächst komplett leer aus. 

Redaktion Spanien Press

Spanien kämpft seit Jahren mit stark steigenden Wohnkosten. Besonders angespannt ist die Situation in den großen Städten und in vielen Küstenregionen – also ausgerechnet dort, wo auch besonders viele ausländische Einwohner leben.

Nun will die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez mit CASA47 gegensteuern.

Die neue staatliche Wohnungs- und Grundstücksgesellschaft soll langfristig einen Bestand an bezahlbaren Mietwohnungen schaffen. Über das neue Online-Portal können Interessenten die verfügbaren Wohnungen und die jeweiligen Ausschreibungen einsehen.

Zum Start stehen rund 800 Wohnungen zur Verfügung. Die Regierung hat angekündigt, das Angebot künftig deutlich auszubauen.

Doch die Verteilung der ersten Wohnungen wirft Fragen auf.

800 Wohnungen – aber keine in Spaniens großen Metropolen

Wer angesichts der angespannten Wohnungsmärkte in Madrid, Barcelona, Valencia oder Sevilla auf staatliche Unterstützung gehofft hat, wird zunächst enttäuscht.

In keiner dieser vier großen Städte befindet sich derzeit eine der angebotenen Wohnungen.

Noch deutlicher fällt die Bilanz für Andalusien aus: In der gesamten autonomen Gemeinschaft gibt es zum Start von CASA47 keine einzige verfügbare Wohnung.

Das betrifft damit auch Málaga und die Costa del Sol, wo die hohen Wohnkosten für viele Einwohner längst zu einem zentralen Problem geworden sind.

Die aktuell verfügbaren Wohnungen konzentrieren sich stattdessen auf die Comunidad Valenciana, Katalonien, Galicien, Navarra und Asturien.

In insgesamt zwölf autonomen Gemeinschaften gibt es derzeit noch kein entsprechendes Angebot.

Wo befinden sich die Wohnungen?

Eines der größten Kontingente gibt es in der Provinz Alicante. Dort stehen 153 Wohnungen zur Verfügung, verteilt auf verschiedene Orte, darunter Dénia und Elche.

In der Provinz Castellón werden 157 Wohnungen angeboten. Nur zehn davon befinden sich allerdings in der Provinzhauptstadt Castellón de la Plana.

In der Provinz Valencia sind es 88 Wohnungen. Bemerkenswert dabei: Keine einzige befindet sich in Valencia-Stadt.

Ähnlich sieht es in Katalonien aus.

Dort werden derzeit 93 Wohnungen angeboten, aber keine davon in Barcelona. Ein Teil des Angebots befindet sich beispielsweise in Vic, während sich weitere Wohnungen auf andere katalanische Gemeinden verteilen.

Hinzu kommen 96 Wohnungen in Galicien, 34 in Navarra und 17 in Asturien.

Damit zeigt sich bereits beim Start ein grundlegendes Problem: Ein erheblicher Teil des neuen staatlichen Angebots befindet sich nicht dort, wo die Nachfrage und die Mietpreise besonders hoch sind.

Was ist CASA47 überhaupt?

Für ausländische Einwohner Spaniens ist zunächst wichtig zu verstehen, dass CASA47 mehr sein soll als eine einmalige Aktion mit 800 Wohnungen.

Die Sánchez-Regierung will damit langfristig einen größeren staatlichen Wohnungsbestand aufbauen und bezahlbare Mietwohnungen dauerhaft dem spekulativen Wohnungsmarkt entziehen.

Die Mieten sollen sich stärker an der wirtschaftlichen Situation der Haushalte orientieren. Nach den von der Regierung vorgestellten Grundsätzen sollen sie grundsätzlich nicht mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens ausmachen.

Die jetzt angebotenen 800 Wohnungen bilden deshalb lediglich den Anfang.

Weitere rund 1.500 Wohnungen sollen nach Regierungsangaben folgen.

Und können sich Ausländer bewerben?

Diese Frage dürfte gerade für viele Leser von Spanien Press interessant sein.

CASA47 sollte nicht als Wohnungsprogramm verstanden werden, das automatisch ausschließlich Menschen mit spanischer Staatsangehörigkeit offensteht.

Entscheidend sind die Bedingungen der jeweiligen Ausschreibung.

Wer als EU-Bürger oder anderer ausländischer Einwohner legal in Spanien lebt, sollte deshalb die konkreten Voraussetzungen prüfen. Je nach Angebot können beispielsweise Einkommen, Wohnsitz, Haushaltsgröße und weitere soziale oder wirtschaftliche Kriterien entscheidend sein.

Das bedeutet allerdings auch: Die Aufnahme einer Wohnung in das CASA47-Portal bedeutet nicht automatisch, dass jeder Einwohner Spaniens Anspruch darauf hat.

Jede Ausschreibung muss einzeln geprüft werden.

Große Projekte für Madrid und Sevilla – aber erst später

Dass Madrid und Andalusien derzeit leer ausgehen, bedeutet nicht, dass dort keine staatlichen Wohnungsprojekte geplant sind.

Ganz im Gegenteil.

In Madrid arbeitet der Staat an einem der größten Wohnungsbauprojekte des Landes. Auf den ehemaligen Militärflächen von Campamento soll ein neues Stadtviertel mit rund 10.700 Wohnungen entstehen.

Auch Sevilla ist Teil der langfristigen Planungen. Auf dem Gelände des ehemaligen Artillerieregiments sollen 948 Wohnungen gebaut werden.

Das Problem: Diese Projekte befinden sich noch in einer deutlich früheren Phase.

Für Menschen, die heute unter hohen Mieten leiden oder aktuell eine bezahlbare Wohnung suchen, ändern diese Pläne zunächst wenig.

Für Andalusien fällt die erste Bilanz ernüchternd aus

CASA47 könnte langfristig zu einem wichtigen Bestandteil der spanischen Wohnungspolitik werden. Doch der Start des Projekts offenbart zugleich eine unbequeme Realität für die Sánchez-Regierung.

Nach Jahren öffentlichkeitswirksamer Versprechen, Zehntausende bezahlbare Wohnungen zu bauen, hat die Regierung bis heute keine klare Bilanz darüber vorgelegt, wie viele der angekündigten Wohnungen tatsächlich gebaut und übergeben wurden.

Auch das erste Angebot von CASA47 kann diese Kritik kaum entkräften: Die 800 angebotenen Wohnungen sind nicht das Ergebnis eines neuen, von der Sánchez-Regierung umgesetzten landesweiten Wohnungsbauprogramms. Die erhebliche Lücke zwischen den ambitionierten Ankündigungen der Regierung und den tatsächlich bereitgestellten Wohnungen bleibt damit ein zentraler Kritikpunkt.

Die Sánchez-Regierung startet CASA47 mit rund 800 staatlichen Mietwohnungen. In Madrid, Barcelona, Valencia und Sevilla gibt es davon derzeit keine einzige. Und für die Einwohner Andalusiens ist die Bilanz noch eindeutiger: 800 Wohnungen in Spanien – null in Andalusien.

Quelle der zugrunde liegenden Daten: CASA47, spanische Regierung.

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