8. September 2026
Lesezeit 4 Minuten

Geheimes Journalisten-Dossier erschüttert Spanien: Warum ließ die Regierung Sánchez Reporter nach ihrer politischen Haltung einstufen?

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Eine Exklusiv-Recherche der spanischen Zeitung El Confidencial sorgt an diesem Dienstag für erhebliches Aufsehen in Spaniens Medienlandschaft. Dem Bericht zufolge sollen Mitarbeiter aus dem Umfeld des Innenministeriums der Regierung von Pedro Sánchez ein umfangreiches Dossier über Dutzende aktive Journalisten erstellt haben – mit Fotos und Einschätzungen zu deren angeblicher politischen Haltung. Sollte sich die Darstellung in dieser Form bestätigen, wirft der Vorgang Fragen auf, die für eine europäische Demokratie kaum schwerwiegender sein könnten.

Redaktion Spanien Press

Die Enthüllung stammt von El Confidencial. Das muss gleich zu Beginn deutlich gesagt werden: Die spanische Zeitung veröffentlichte am Dienstag, dem 8. September, exklusiv die Existenz eines Dokuments, das in Spaniens Medienlandschaft für erhebliches Aufsehen sorgt.

Nach den Recherchen des Journalisten Alejandro Requeijo befindet sich im spanischen Innenministerium, das zur Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez gehört, ein Dossier von mehreren Dutzend Seiten über aktive Journalisten und Medienvertreter.

Verantwortlicher Minister ist Fernando Grande-Marlaska, seit Jahren Innenminister im Kabinett Sánchez.

Dabei soll es keineswegs nur um Namen, Funktionen oder die Zugehörigkeit zu bestimmten Medien gehen.

Nach Angaben von El Confidencial enthalten die einzelnen Profile Fotos der Journalisten sowie Einschätzungen ihrer vermeintlichen politischen Ausrichtung.

Zu den von der Zeitung zitierten Formulierungen gehören etwa „unterstützt die Regierung“, „an rechten Positionen orientiert“ oder „verteidigt die Politik der PSOE“.

Und genau hier beginnt das eigentliche Problem.

Warum muss die Regierung Sánchez wissen, wie Journalisten politisch einzuordnen sind?

Die erste Frage ist ebenso einfach wie brisant:

Wozu?

Warum muss ein Ministerium der Regierung von Pedro Sánchez wissen, ob ein Journalist die Regierung unterstützt, eher rechts steht oder die Politik der sozialistischen PSOE verteidigt?

Wer hat die Erstellung dieser Profile angeordnet?

Wer hat die Informationen gesammelt?

Wie viele Journalisten wurden erfasst?

Wie lange wurde an dem Dossier gearbeitet?

Wer hatte Zugriff darauf?

Und vor allem: Für welchen konkreten Zweck wurde es erstellt?

Diese Fragen verlangen Antworten.

Denn das Innenministerium ist nicht irgendeine staatliche Behörde. Es trägt Verantwortung für zentrale Bereiche der inneren Sicherheit Spaniens und verfügt damit über besonders sensible staatliche Strukturen.

Umso befremdlicher wirkt die Vorstellung, dass ausgerechnet im Innenministerium der Regierung Sánchez Journalisten politisch kategorisiert worden sein sollen – also Menschen, deren berufliche Aufgabe es ist, staatliche Macht zu beobachten, zu hinterfragen und gegebenenfalls scharf zu kritisieren.

Methoden mit einem erschreckend autoritären Beigeschmack

Schon das Bild, das sich aus der Recherche ergibt, ist schwer erträglich:

Fotos von Journalisten. Namen. Profile. Und daneben Einschätzungen darüber, ob sie die Regierung unterstützen oder politisch eher rechts einzuordnen sind.

Das sind Methoden, die erschreckend an autoritäre Systeme erinnern.

Man muss den Begriff Faschismus nicht leichtfertig verwenden, um festzustellen, dass das politische Erfassen und Kategorisieren von Journalisten durch staatliche Stellen in einer liberalen Demokratie nichts verloren hat.

Sollte das Ziel tatsächlich darin bestanden haben, zwischen regierungsfreundlichen und regierungskritischen Journalisten zu unterscheiden, wäre der Vorgang noch erheblich schwerwiegender.

Denn eine freie Presse funktioniert gerade deshalb, weil sie nicht danach bewertet werden darf, wie loyal sie gegenüber einer Regierung ist.

Ein Journalist darf Pedro Sánchez unterstützen.

Er darf ihn kritisieren.

Er darf konservativ, sozialdemokratisch, liberal oder keiner politischen Richtung zuzuordnen sein.

Und er darf heute eine Entscheidung der Regierung loben und sie morgen scharf kritisieren.

Genau das nennt man Pressefreiheit.

Wer hat dafür bezahlt?

Hinzu kommt eine weitere Frage, die keineswegs nebensächlich ist.

Ein Dossier von mehreren Dutzend Seiten mit Fotos, persönlichen Profilen und politischen Einschätzungen zahlreicher Journalisten erstellt sich nicht von selbst.

Jemand musste diese Informationen recherchieren, zusammentragen, bewerten, formulieren und systematisch aufbereiten.

Das kostet Arbeitszeit.

Und Arbeitszeit kostet Geld.

Sollten Mitarbeiter des Ministeriums oder andere aus öffentlichen Mitteln bezahlte Personen daran gearbeitet haben, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob hierfür staatliche Ressourcen eingesetzt wurden.

Bislang ist nicht bekannt, wie viel die Erstellung des Dossiers gekostet hat oder ob dafür überhaupt ein gesondertes Budget existierte. Eine konkrete Summe zu behaupten, wäre daher unseriös.

Aber die Frage muss gestellt werden:

Welche öffentlichen Ressourcen wurden für dieses Dossier eingesetzt – und warum?

Die entscheidende Frage bleibt: Wozu?

Am Ende führt alles zu einer einzigen Frage zurück.

Wozu brauchte die Regierung diese Informationen?

Dass eine Regierung weiß, welche Journalisten über ein Ministerium berichten, ist selbstverständlich. Presseabteilungen führen Verteiler, kennen Ansprechpartner und verfolgen die Berichterstattung.

Doch das ist etwas völlig anderes, als Journalisten nach ihrer vermeintlichen politischen Haltung zu klassifizieren.

Sollten die Profile dazu dienen, zu entscheiden, wer Interviews bekommt?

Wer als regierungsfreundlich gilt?

Wer als unbequem eingestuft wird?

Wer Zugang zu bestimmten Informationen erhält?

Oder wer möglicherweise ausgeschlossen werden soll?

Oder hatten die Profile einen ganz anderen Zweck?

Solange das Innenministerium darauf keine überzeugende Antwort gibt, bleiben diese Fragen im Raum.

Pedro Sánchez muss erklären, was in seiner Regierung geschehen ist

Die Exklusiv-Recherche von El Confidencial ist kein gewöhnlicher Streit zwischen Regierung und Opposition.

Es geht um etwas Grundsätzlicheres:

Wie geht die Regierung eines demokratischen europäischen Landes mit einer freien Presse um?

Journalisten nach vermeintlicher politischer Gesinnung zu katalogisieren, ist jedenfalls kein normaler Bestandteil staatlicher Pressearbeit.

Deshalb braucht es jetzt vollständige Transparenz.

Wer hat das Dossier in Auftrag gegeben?

Wer hat es erstellt?

Wie viele Journalisten wurden erfasst?

Welche staatlichen Ressourcen wurden dafür eingesetzt?

Wer konnte auf die Informationen zugreifen?

Und vor allem:

Was wollte ein Ministerium der Regierung Sánchez mit einer Liste anfangen, in der Journalisten danach beurteilt werden, ob sie die Regierung unterstützen oder politisch anders positioniert sind?

Diese Fragen betreffen nicht nur Innenminister Grande-Marlaska. Sie betreffen die Regierung von Pedro Sánchez insgesamt.

Bis sie beantwortet sind, bleibt ein äußerst unangenehmer Eindruck zurück.

Denn wenn staatliche Stellen anfangen, Journalisten nicht nach ihrer beruflichen Funktion, sondern nach ihrer vermeintlichen politischen Haltung zu sortieren, dann ist eine Grenze erreicht, bei der eine demokratische Gesellschaft sehr genau hinschauen sollte.

Und zwar unabhängig davon, welche Partei gerade regiert.

Quelle der Enthüllung: El Confidencial, Exklusiv-Recherche von Alejandro Requeijo, 8. September 2026.

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