In der Provinz Málaga soll ein neues Zuhause für besonders schutzbedürftige Kinder und Jugendliche entstehen – und zwar nicht nur innerhalb einer Familie, sondern möglichst mitten in einer ganzen Dorfgemeinschaft. Der Verein Corazones Blancos möchte sein bestehendes Netzwerk von Pflegefamilien ausweiten und dafür gezielt Menschen in kleineren Gemeinden und Dörfern der Provinz gewinnen.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Im Mittelpunkt steht die Idee, Kindern in schwierigen Lebenssituationen nicht lediglich eine Unterkunft zu bieten. Sie sollen vielmehr ein stabiles familiäres Umfeld, emotionale Unterstützung und ein soziales Netzwerk erhalten. Gerade die kleineren Gemeinden im Landesinneren Málagas könnten dafür nach Ansicht des Vereins besondere Voraussetzungen bieten.
Nicht nur ein Dach über dem Kopf
Für Corazones Blancos beginnt die Unterstützung eines Kindes nicht und endet auch nicht mit der Bereitstellung eines Zimmers oder einer Wohnung. Kinder und Jugendliche, die schwierige Erfahrungen gemacht haben, benötigen nach Einschätzung des Vereins vor allem Sicherheit, Vertrauen und verlässliche Bezugspersonen.
Deshalb setzt Corazones Blancos auf die Unterbringung in Pflegefamilien und möchte gleichzeitig das Umfeld der Kinder stärker einbinden. Ziel ist es, die klassische Unterbringung in Betreuungseinrichtungen möglichst durch ein familiäres und gesellschaftliches Umfeld zu ergänzen beziehungsweise zu ersetzen.
Der Verein verfügt bereits über ein Netzwerk von Familien, die besonders schutzbedürftige Kinder vorübergehend aufnehmen. Dieses Netzwerk soll nun auf weitere Gemeinden in der gesamten Provinz Málaga ausgeweitet werden.
Warum gerade die weißen Dörfer Málagas?
Eine besondere Rolle spielen bei dem Projekt die „Pueblos Blancos“, also die weißen Dörfer im Landesinneren der Provinz Málaga. Dort ist das soziale Umfeld häufig enger als in den großen Städten. Nach Vorstellung von Corazones Blancos können Kinder dadurch leichter Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen und stärker am Gemeinschaftsleben teilnehmen.
Der Verein sieht darin eine Möglichkeit, Kindern nach schwierigen Erfahrungen wieder ein Gefühl von Zugehörigkeit zu vermitteln. Sie sollen nicht lediglich in einer Pflegefamilie untergebracht werden, sondern Teil eines Umfelds werden, in dem sie Menschen kennen, Vertrauen entwickeln und sich langfristig einleben können.
Gerade für Kinder, die bereits Instabilität oder andere belastende Situationen erlebt haben, könne ein solches Umfeld eine wichtige Rolle spielen, argumentiert der Verein.
Drei Säulen für die Betreuung
Das Konzept von Corazones Blancos geht deshalb über die reine Vermittlung von Pflegefamilien hinaus. Die Arbeit basiert auf drei zentralen Bereichen:
Der erste Schwerpunkt ist die Ausweitung der Pflegefamilien in kleineren Gemeinden und ländlichen Gebieten. Familien sollen Kindern ein stabiles Zuhause und einen verlässlichen Alltag ermöglichen. Dabei geht es ausdrücklich um mehr als eine reine Unterbringung. Die emotionale und persönliche Entwicklung der Kinder steht im Mittelpunkt des Ansatzes.
Ein weiterer Bestandteil sind ehrenamtliche und Mentoring-Programme. Kinder und Jugendliche sollen dabei zusätzliche erwachsene Bezugspersonen erhalten, die ihnen Orientierung geben können. Das kann insbesondere für Jugendliche wichtig sein, die sich dem Übergang ins Erwachsenenalter nähern. Mentoren sollen ihnen als Ansprechpartner zur Seite stehen und sie auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit begleiten.
Die dritte Säule bilden Aktivitäten innerhalb der jeweiligen Gemeinden. Sie sollen dazu beitragen, dass die Kinder leichter Kontakte knüpfen und sich als Teil des Ortes fühlen. Damit verfolgt der Verein einen Ansatz, bei dem nicht nur die Pflegefamilie Verantwortung übernimmt. Die Gemeinschaft selbst soll zu einem Teil des Unterstützungsnetzes werden.
„Ein ganzes Dorf kann die Zukunft verändern“
Für Marisa Alario, die Präsidentin von Corazones Blancos, ist genau dieser Gemeinschaftsgedanke entscheidend. Sie beschreibt das Ziel der Initiative sinngemäß so: Wenn ein Zuhause das Leben eines Kindes verändern könne, habe eine ganze Gemeinschaft die Möglichkeit, dessen Zukunft zu verändern.
Damit richtet sich das Projekt nicht ausschließlich an Menschen, die selbst Pflegeeltern werden möchten. Auch Personen, die sich ehrenamtlich engagieren oder junge Menschen als Mentoren begleiten wollen, können Teil des Konzepts werden.
Kleine Gemeinden als soziale Anker
Für die Provinz Málaga ist der Ansatz auch vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Entwicklung von Küste und Landesinnerem interessant.
Während Málaga-Stadt und zahlreiche Orte an der Costa del Sol in den vergangenen Jahren stark gewachsen sind, kämpfen manche kleinere Gemeinden im Landesinneren mit Bevölkerungsrückgang und einer alternden Bevölkerung. In der Provinz gibt es deshalb bereits verschiedene Maßnahmen, um kleinere Gemeinden attraktiver zu machen und einer weiteren Entvölkerung entgegenzuwirken.
Das Pflegefamilienprojekt verfolgt zwar ein anderes Ziel, könnte aber gleichzeitig dazu beitragen, soziale Strukturen in diesen Orten zu stärken. Entscheidend ist dabei nicht die Größe eines Dorfes, sondern die Möglichkeit, Kindern ein stabiles und unterstützendes Umfeld zu bieten.
Verein sucht weitere Familien
Corazones Blancos öffnet die Initiative für Menschen, die sich eine Beteiligung vorstellen können. Interessierte können sich direkt an den Verein wenden und sich über die Voraussetzungen für eine Mitarbeit oder die Aufnahme eines Pflegekindes informieren.
Der Verein ist über seine Website Corazones Blancos sowie per E-Mail unter corazonesblancosmalaga@gmail.com erreichbar.
Eine Familie – und eine ganze Gemeinschaft
Das Projekt von Corazones Blancos stellt damit eine Frage in den Mittelpunkt, die über die reine Suche nach Pflegefamilien hinausgeht: Wie kann ein Umfeld aussehen, in dem Kinder nach schwierigen Erfahrungen wieder Vertrauen und Sicherheit entwickeln können?
Die Antwort des Vereins lautet: nicht nur durch eine einzelne Familie, sondern durch ein ganzes Netzwerk aus Pflegeeltern, Mentoren, Ehrenamtlichen und Nachbarn.
Vor allem die kleinen weißen Dörfer im Landesinneren Málagas sollen dabei zu Orten werden, an denen schutzbedürftige Kinder und Jugendliche nicht nur ein vorübergehendes Zuhause finden, sondern auch Zugehörigkeit, soziale Kontakte und neue Perspektiven entwickeln können.
