23. September 2026
Lesezeit 5 Minuten

Studium wird für spanische Familien zum finanziellen Kraftakt

Steigende Mieten und Lebenshaltungskosten machen die Finanzierung eines Studiums in Spanien für viele Familien zunehmend schwierig (Credit: KI generiert)

Rund 240.000 Familien könnten sich für die Hochschulausbildung ihrer Kinder verschulden – vor allem die hohen Wohnkosten in Madrid, Barcelona und anderen Universitätsstädten treiben die Ausgaben nach oben.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Für viele junge Menschen in Spanien beginnt im Herbst nicht nur ein neues Studienjahr, sondern auch ein finanzielles Abenteuer. Wer für das Studium in eine andere Stadt ziehen muss, steht vor hohen Kosten für Miete, Lebensmittel, Transport und Ausbildung. Nach einer Schätzung des Finanzdienstleisters Justalia könnten sich deshalb im Studienjahr 2026/27 rund 240.000 Studierende beziehungsweise ihre Familien verschulden, um die Hochschulausbildung zu finanzieren. Das Unternehmen geht davon aus, dass etwa 15 Prozent der Haushalte mit Studierenden dafür einen Bankkredit aufnehmen könnten.

Die Entwicklung trifft auf einen ohnehin angespannten Wohnungsmarkt. Besonders in den großen Universitätsstädten Spaniens ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Für viele Familien wird deshalb nicht allein das Studium selbst zum Problem – sondern vor allem die Frage, wo der Sohn oder die Tochter während des Studiums wohnen kann.

Bis zu 1.800 Euro im Monat

Nach den Berechnungen von Justalia können die monatlichen Kosten für eine Hochschulausbildung je nach Universität, Region und Wohnsituation zwischen 800 und 1.800 Euro liegen. Darin enthalten sind neben der eigentlichen Ausbildung insbesondere die Kosten für Unterkunft und Lebenshaltung.

Ein erheblicher Teil dieser Summe entfällt auf das Wohnen. Für ein Zimmer oder eine studentische Unterkunft werden laut Justalia etwa 300 bis 1.000 Euro im Monat fällig. Bei zahlreichen Studierenden kann die Miete damit bereits mehr als die Hälfte des gesamten monatlichen Budgets ausmachen.

Wie stark der Druck auf den Wohnungsmarkt inzwischen ist, zeigen auch aktuelle Daten von Spotahome. Der durchschnittliche Preis für ein Zimmer in Spanien lag zuletzt bei rund 425 Euro. In Madrid und Barcelona überschreitet der Preis dagegen bereits die Marke von 550 Euro. Wer mit der Suche bis August wartet, muss im Durchschnitt noch tiefer in die Tasche greifen: Die Preise stiegen zwischen Juni und August von durchschnittlich 550 auf 614 Euro – ein Plus von knapp zwölf Prozent.

680.000 Studierende verlassen ihr Zuhause

Besonders groß ist das Problem für diejenigen, die für ihren gewünschten Studiengang in eine andere Region ziehen müssen. Nach Angaben von Justalia könnten in diesem Zusammenhang bis zu 680.000 Studierende ihr Elternhaus verlassen, um in einer anderen Region Spaniens zu studieren. Die zusätzliche Nachfrage konzentriert sich vor allem auf die großen Universitätsstädte. Madrid und Barcelona gehören zu den besonders betroffenen Märkten, aber auch Valencia, Sevilla und Granada stehen unter Druck.

Hinzu kommen Universitätsstädte wie Salamanca, Santiago de Compostela oder Pamplona, in denen ebenfalls eine hohe Nachfrage nach studentischem Wohnraum besteht.

Der Effekt ist besonders deutlich auf dem Markt für Wohngemeinschaften. Nach Angaben von Justalia ist der Preis für ein Zimmer in einer WG innerhalb von fünf Jahren um 60 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist das Angebot an geeigneten Wohnungen und Studentenunterkünften begrenzt.

Madrid und Barcelona besonders teuer

Aktuelle Zahlen von Spotahome zeigen, wie unterschiedlich die Kosten je nach Stadt ausfallen. In Madrid kostete ein Zimmer bei einer Buchung im Juni für den Studienbeginn durchschnittlich etwa 600 Euro. Wer bis August wartete, zahlte bereits rund 645 Euro.

Auch Barcelona gehört zu den teuersten Märkten. Dort stieg der Durchschnittspreis im gleichen Zeitraum von etwa 675 auf 690 Euro. In Valencia bewegte sich der Preis von 425 auf 450 Euro.

Gleichzeitig nahm die Nachfrage nach Zimmern für den Studienbeginn im September laut Spotahome innerhalb eines Jahres um 22,7 Prozent zu. Damit verschärft sich die Konkurrenz um günstige Unterkünfte zusätzlich.

Familie bleibt wichtigste Finanzierungsquelle

Dass die Kosten zunehmend auf den Familien lasten, zeigt auch eine aktuelle Untersuchung der Fundación CYD auf Grundlage des europäischen EUROSTUDENT-8-Berichts. Demnach geben Studierende in Spanien im Durchschnitt 1.148 Euro pro Monat für Wohnen, Lebensmittel, Transport, Freizeit und studienbezogene Kosten aus. Damit liegt Spanien über dem europäischen Durchschnitt von 1.112 Euro.

Die Familie ist dabei die wichtigste Einnahmequelle: 48,5 Prozent der finanziellen Mittel der Studierenden stammen aus dem familiären Umfeld. Eigene Einnahmen machen 39,7 Prozent aus, während öffentliche Unterstützung lediglich auf 6,9 Prozent kommt.

Fast ein Viertel der Studierenden – 24,8 Prozent – gibt zudem an, mit ernsthaften oder sehr ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten bei der Deckung der materiellen Kosten konfrontiert zu sein.

Auch Studenten arbeiten neben dem Studium

Immer mehr junge Menschen versuchen deshalb, einen Teil der Kosten selbst zu tragen. Laut Fundación CYD arbeiten 33,3 Prozent der Studierenden regelmäßig während des Studienjahres, weitere 15 Prozent gelegentlich.

Das kann die finanzielle Belastung der Familien reduzieren, löst das Grundproblem aber nicht. Wer mehrere hundert Euro für ein Zimmer, dazu Lebensmittel und weitere Ausgaben bezahlen muss, benötigt auch bei einem Nebenjob ein erhebliches monatliches Einkommen.

Besonders schwierig wird die Situation für Familien, deren Kinder nicht in der Nähe einer Universität studieren können. Dann kommen zu den regulären Studienkosten zusätzlich Miete, Kaution, Transport und oftmals auch die Kosten für die Heimfahrten hinzu.

Banken bieten Studienkredite an

Die steigenden Kosten führen gleichzeitig dazu, dass Studienkredite stärker in den Mittelpunkt rücken. Nach Angaben von Justalia bieten einige Banken inzwischen Kredite von bis zu 80.000 Euro für die gesamte Studienzeit an. Die Rückzahlung kann sich über bis zu zehn Jahre erstrecken.

Der Geschäftsführer von Justalia, Carlos Reina, rät Familien und Studierenden deshalb, Kreditangebote genau miteinander zu vergleichen. Entscheidend seien nicht nur die nominalen Zinsen, sondern unter anderem der effektive Jahreszins, die Laufzeit, mögliche tilgungsfreie Zeiten und zusätzliche Gebühren.

Besonders warnt Justalia vor der Finanzierung laufender Kosten über Kreditkarten. Niedrige monatliche Raten könnten darüber hinwegtäuschen, dass die eigentliche Schuld nur langsam zurückgeht. Bei sogenannten Revolving-Kreditkarten können sich dadurch über längere Zeit hohe Zinskosten aufbauen.

Nicht nur die Studiengebühren sind das Problem

Die aktuelle Entwicklung zeigt damit einen grundlegenden Wandel bei den Kosten eines Studiums in Spanien. Für viele Familien sind nicht unbedingt die Studiengebühren der größte einzelne Kostenpunkt. Viel stärker fällt ins Gewicht, dass junge Menschen für ein Studium häufig eine zweite Wohnung finanzieren müssen.

Das betrifft vor allem Familien aus kleineren Städten und Regionen, deren Kinder für bestimmte Studiengänge in größere Universitätszentren ziehen müssen. Je höher die Miete am Studienort ist, desto weniger Geld bleibt für die übrigen Lebenshaltungskosten.

Der angespannte Wohnungsmarkt verstärkt diese Entwicklung zusätzlich. Die Studierenden konkurrieren um Zimmer und Wohnungen mit anderen Mietern – in Städten, in denen das Angebot ohnehin nicht mit der Nachfrage Schritt hält.

Spanien mit besonderem Finanzierungsdruck

Auch im europäischen Vergleich zeigt sich, dass spanische Studierende stark von der finanziellen Unterstützung ihrer Familien abhängig sind. Der aktuelle EUROSTUDENT-Vergleich der Fundación CYD umfasst 25 europäische Länder und basiert auf Daten aus den Jahren 2021 bis 2024. Spanien ist nach mehr als zehn Jahren wieder in diese internationale Untersuchung einbezogen worden.

Nur 29,1 Prozent der spanischen Studierenden erhalten demnach irgendeine Form öffentlicher Unterstützung. Im europäischen Durchschnitt sind es 40 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der Studierenden, die finanzielle Schwierigkeiten melden, mit 24,8 Prozent beträchtlich.

Die Finanzierung des Studiums wird damit für viele Familien zu einer langfristigen Aufgabe – und in einigen Fällen möglicherweise zu einer Verschuldung, die noch Jahre nach dem Hochschulabschluss besteht.

Ein Studium wird zur Wohnungsfrage

Die Entwicklung macht deutlich, wie eng die Bildungs- und die Wohnungsfrage in Spanien inzwischen miteinander verbunden sind. Wer sich ein Studium leisten kann, aber keine bezahlbare Unterkunft am Studienort findet, steht vor einem grundlegenden Problem. Gerade in Madrid, Barcelona, Valencia oder Sevilla kann ein günstiges Zimmer einen entscheidenden Unterschied für die gesamte finanzielle Situation einer Familie machen.

Für das Studienjahr 2026/27 rechnet Justalia deshalb mit rund 240.000 Studierenden beziehungsweise Familien, die einen Kredit zur Finanzierung der Hochschulausbildung benötigen könnten. Die Zahl ist eine Schätzung des Finanzdienstleisters und keine offizielle Statistik über tatsächlich aufgenommene Kredite.

Fest steht jedoch: Die Kosten für ein Studium in Spanien werden zunehmend von der Wohnsituation bestimmt. Und solange bezahlbare Zimmer und Wohnungen in den großen Universitätsstädten knapp bleiben, dürfte der finanzielle Druck auf Studierende und ihre Familien weiter ein zentrales Thema bleiben.

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