Halloween und seine vergessenen Wurzeln in Galicien

Symbolbild, KI-generiert.

Ausgehöhlte Kürbisse, flackernde Kerzen und Geschichten von umherirrenden Seelen gehörten in galicischen Dörfern schon zum Herbst, als in Spanien noch kaum jemand von Halloween sprach. Viele dieser alten Bräuche sind heute fast vergessen.

Redaktion Spanien Press

Wer in diesen Tagen durch Galicien reist, begegnet einem Fest, das auf den ersten Blick an das amerikanische Halloween erinnert. Kinder schnitzen gruselige Gesichter in Kürbisse, in den Straßen leuchten Kerzen, und vielerorts werden Geschichten über Geister und Verstorbene erzählt. Doch hinter diesen Bildern verbirgt sich eine Vergangenheit, die weit über den amerikanischen Brauch hinausreicht.

In Galicien heißt das Fest Samaín. Sein Name erinnert an Samhain, jenes alte keltische Fest, mit dem vor allem in Irland das Ende der Erntezeit und der Beginn des Winters begangen wurden. Es war die Zeit, in der die Tage kürzer wurden, die Arbeit auf den Feldern ruhte und die Menschen sich auf die dunklen Monate vorbereiteten.

Mit diesem Übergang verbanden sich zahlreiche Vorstellungen über den Tod und das Jenseits. Nach alten Überlieferungen konnten in bestimmten Nächten die Seelen der Verstorbenen in die Welt der Lebenden zurückkehren. Feuer und Licht sollten Schutz bieten, während Speisen und Rituale dazu dienten, die Toten zu ehren.

Wie genau diese Bräuche im antiken Galicien aussahen, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Dass die Region über eine lange Tradition von Totengedenken, Geistergeschichten und volkstümlichen Ritualen verfügt, ist dagegen gut dokumentiert.

Kürbisse mit Kerzen – ein alter Brauch aus galicischen Dörfern

Besonders erstaunlich ist die Geschichte der ausgehöhlten Kürbisse. Was heute weltweit als Symbol von Halloween gilt, war auch in Teilen Galiciens seit Generationen bekannt.

Kinder schnitzten Fratzen in Kürbisse, stellten Kerzen hinein und platzierten sie an Hauseingängen, auf Mauern oder entlang dunkler Wege. Manchmal ging es darum, andere zu erschrecken, manchmal war es einfach ein Spiel, das zur Jahreszeit gehörte.

Je nach Gegend wurden diese Figuren unterschiedlich bezeichnet, etwa als caliveras oder calacús.

Ähnliche Bräuche existierten in Irland, wo ursprünglich vor allem Rüben verwendet wurden. Erst irische Auswanderer machten im 19. Jahrhundert in Nordamerika den Kürbis zum bevorzugten Material. Er war größer, leichter auszuhöhlen und in ausreichender Menge vorhanden.

Daraus entwickelte sich die berühmte Jack-o‘-Lantern, die heute kaum noch jemand mit ihren europäischen Vorläufern in Verbindung bringt.

Dass es auch in Galicien solche Bräuche gab, bedeutet allerdings nicht, dass die amerikanische Tradition von dort stammt. Vielmehr zeigt sich daran, wie ähnliche Vorstellungen in unterschiedlichen europäischen Regionen entstanden und über Generationen weitergegeben wurden.

Die Santa Compaña: Wenn die Toten durch die Nacht ziehen

Wer die galicische Kultur verstehen möchte, kommt an der Santa Compaña kaum vorbei.

Die Legende erzählt von einer nächtlichen Prozession verstorbener Seelen, die durch einsame Wälder und über abgelegene Wege zieht. Die Gestalten tragen Kerzen und bewegen sich schweigend durch die Dunkelheit. In manchen Erzählungen wird die Prozession von einem lebenden Menschen angeführt, der dazu verdammt ist, die Toten zu begleiten.

Eine Begegnung mit der Santa Compaña galt als schlechtes Omen. Manchmal kündigte sie nach dem Volksglauben den Tod eines Angehörigen an, manchmal eine bevorstehende Katastrophe.

Solche Geschichten wurden früher an langen Winterabenden erzählt, wenn sich Familien am Feuer versammelten. Gerade in den ländlichen Gegenden Galiciens waren sie fester Bestandteil des Alltags.

Auch das Gedenken an verstorbene Familienmitglieder nahm einen besonderen Platz ein. In manchen Häusern ließ man in der Nacht der Toten Speisen stehen oder hielt das Feuer im Kamin am Brennen. Die Verstorbenen waren nicht einfach verschwunden. In der Erinnerung und im Volksglauben blieben sie Teil der Familie.

Ob diese Vorstellungen unmittelbar auf die keltische Antike zurückgehen, ist wissenschaftlich umstritten. Sicher ist jedoch, dass sich in Galicien eine außergewöhnlich reiche Überlieferung rund um Tod, Geister und das Jenseits erhalten hat.

Wie Halloween seinen Namen bekam

Mit der Ausbreitung des Christentums veränderten sich die alten europäischen Bräuche. Der 1. November wurde im westlichen Christentum zum Fest Allerheiligen, der 2. November zum Gedenktag für die Verstorbenen.

Der Abend vor Allerheiligen hieß im Englischen All Hallows‘ Eve. Aus dieser Bezeichnung entstand schließlich das Wort Halloween.

Über die Jahrhunderte vermischten sich religiöse Feiertage und regionale Volksbräuche. In manchen Gegenden standen Gebete für die Toten im Mittelpunkt, andernorts entwickelten sich Umzüge, Maskierungen oder Spiele.

Seine heutige Form erhielt Halloween vor allem in den Vereinigten Staaten. Irische Einwanderer brachten im 19. Jahrhundert ihre Traditionen mit nach Nordamerika. Dort entwickelten sich daraus nach und nach die bekannten Kostümfeste, Kürbislaternen und das Sammeln von Süßigkeiten.

Im 20. Jahrhundert machten Film, Fernsehen und Werbung Halloween schließlich zu einem internationalen Ereignis.

In Spanien setzte sich das amerikanisch geprägte Fest erst wesentlich später durch.

Ein Lehrer aus Cedeira holte den Samaín zurück

Dass heute wieder vielerorts in Galicien Samaín gefeiert wird, ist auch einem Lehrer aus der Küstenstadt Cedeira in der Provinz A Coruña zu verdanken.

Rafael López Loureiro begann Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre, sich mit den alten Bräuchen rund um die Nacht der Toten zu beschäftigen. Er sammelte Erinnerungen älterer Dorfbewohner, die noch davon berichteten, wie sie als Kinder Kürbisse ausgehöhlt und mit Kerzen beleuchtet hatten.

Seine Initiative stieß auf großes Interesse. Schulen und Kulturvereine griffen die Idee auf, und nach und nach entstanden in verschiedenen galicischen Gemeinden eigene Samaín-Feiern.

Heute gehören Kürbisschnitzen, Theateraufführungen, Erzählabende und Veranstaltungen für Kinder vielerorts zum Programm.

Dabei ist die moderne Feier keine unveränderte Fort

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