König Felipe VI hat am gestrigen Dienstag im Königspalast in Madrid vier lateinamerikanische Staats- und Regierungschefs zu bilateralen Gesprächen empfangen. Zu den Gästen gehörten der chilenische Präsident José Antonio Kast, der honduranische Präsident Nasry Asfura, der guatemaltekische Präsident Bernardo Arévalo de León sowie die costa-ricanische Präsidentin Laura Fernández Delgado. Die Begegnungen fanden im Vorfeld des XXX. Iberoamerika-Gipfels statt, der am heutigen 4. und morgigen 5. November in der spanischen Hauptstadt ausgerichtet wird.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Mit den Gesprächen setzte der Monarch seine diplomatischen Kontakte zu den Staats- und Regierungschefs fort, die zur internationalen Konferenz nach Madrid gereist sind. Die Treffen im Palacio Real dienten dem Austausch mit den jeweiligen Delegationen und der Pflege der bilateralen Beziehungen zwischen Spanien und den lateinamerikanischen Staaten.
Vier bilaterale Treffen im Königspalast
Den Auftakt machte am Dienstagvormittag der chilenische Präsident José Antonio Kast. Felipe VI begrüßte ihn im Saal Teniers des Palacio Real, der nach dem flämischen Maler David Teniers dem Jüngeren benannt ist. Anschließend wechselten beide in die Cámara Oficial, wo der König die Mitglieder der chilenischen Delegation empfing.
Kast wurde von Außenminister José Francisco Pérez Mackenna begleitet. Die chilenische Regierung erklärte anschließend, das Treffen habe die historischen diplomatischen Beziehungen und die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern bekräftigt. Auch Kast betonte die engen Verbindungen zwischen Spanien und Chile sowie das Potenzial für eine weitere Vertiefung der Freundschaft.
Am Nachmittag empfing Felipe VI den honduranischen Präsidenten Nasry „Tito“ Asfura. Nach einem gemeinsamen Fototermin stellten die beiden Staatsoberhäupter ihre jeweiligen Delegationen vor und führten ein bilaterales Gespräch.
Es folgten Begegnungen mit dem guatemaltekischen Präsidenten Bernardo Arévalo de León und der costa-ricanischen Präsidentin Laura Fernández Delgado. Arévalo bezeichnete das Treffen anschließend als Gelegenheit, die historischen Beziehungen zwischen Guatemala und Spanien zu bekräftigen und den politischen Dialog sowie die Zusammenarbeit auszubauen.
Kast erhält bereits vor dem Königsempfang eine Auszeichnung in Madrid
Der Besuch des chilenischen Präsidenten in Spanien hatte bereits am Montag begonnen. Vor seinem Treffen mit Felipe VI führte José Antonio Kast Gespräche mit Santiago Abascal, dem Vorsitzenden der spanischen Partei Vox. Anschließend wurde er von Isabel Díaz Ayuso, der Präsidentin der Autonomen Gemeinschaft Madrid, mit der Internationalen Medaille von Madrid ausgezeichnet. Dabei handelt es sich um die höchste Ehrenauszeichnung der Regionalregierung, die an Persönlichkeiten und Institutionen mit internationaler Bedeutung vergeben wird.
Ayuso würdigte Kast im Zusammenhang mit der Auszeichnung insbesondere mit Blick auf Freiheit und Sicherheit. Die Ehrung erfolgte im Rahmen seines Besuchs in der spanischen Hauptstadt und noch vor den offiziellen Terminen zum Iberoamerika-Gipfel.
Iberoamerika-Gipfel bringt 22 Länder nach Madrid
Der XXX. Iberoamerika-Gipfel beginnt am heutigen Mittwoch und dauert bis Donnerstag. Insgesamt gehören der Iberoamerikanischen Gemeinschaft 22 Staaten an. Dazu zählen Spanien und Portugal sowie die lateinamerikanischen Mitgliedsländer und Andorra.
Die diesjährige Konferenz steht unter dem Motto „Iberoamérica. Juntos construimos nuestra Comunidad. Juntos la proyectamos hacia el futuro y hacia el mundo“. Auf Deutsch bedeutet dies: „Iberoamerika. Gemeinsam gestalten wir unsere Gemeinschaft. Gemeinsam richten wir sie auf die Zukunft und die Welt aus.“
Allerdings werden nicht alle 22 Länder durch ihre Staats- oder Regierungschefs vertreten sein. Nach den bisherigen Planungen nehmen lediglich zehn Spitzenvertreter persönlich teil. Neben Spanien gehören Argentinien, Bolivien, Chile, Costa Rica, Guatemala, Honduras, Portugal, die Dominikanische Republik und Andorra zu den Ländern, die auf höchster politischer Ebene vertreten sind.
Die übrigen Staaten entsenden unter anderem ihre Außenminister oder Vizepräsidenten. Damit werden zwar alle Mitgliedsländer an der Konferenz beteiligt sein, die Teilnahme der politischen Spitzen fällt jedoch deutlich kleiner aus als die Gesamtzahl der Mitgliedstaaten.
Lula, Sheinbaum und Rodríguez bleiben dem Gipfel fern
Zu den prominentesten Abwesenden zählen der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum und die venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez. Ihre Länder werden jeweils durch die Außenminister vertreten.
Auch die Teilnahme des argentinischen Präsidenten Javier Milei sorgt für Aufmerksamkeit. Sein Besuch in Madrid erfolgt vor dem Hintergrund der diplomatischen Spannungen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez. Bei einem früheren Spanienbesuch hatte Milei den Regierungschef öffentlich scharf angegriffen. Ein bilaterales Treffen zwischen beiden ist im Rahmen des Gipfels nicht vorgesehen.
Damit treffen in Madrid politische Vertreter mit teilweise unterschiedlichen ideologischen Positionen aufeinander. Die Konferenz soll dennoch Raum für gemeinsame Gespräche und eine engere Zusammenarbeit der iberoamerikanischen Staaten bieten.
Spanien richtet den Gipfel zum vierten Mal aus
Für Spanien ist die Veranstaltung auch institutionell von Bedeutung. Das Land richtet 2026 zum vierten Mal einen Iberoamerika-Gipfel aus. Frühere Konferenzen fanden 1992 in Madrid, 2005 in Salamanca und 2012 in Cádiz statt.
Spanien hatte bei der Konferenz im ecuadorianischen Cuenca 2024 die sogenannte Secretaría Pro Tempore der Iberoamerikanischen Gemeinschaft übernommen. Damit war das Land für die Koordination und Vorbereitung des diesjährigen Gipfels verantwortlich.
Im Mittelpunkt der Gespräche stehen die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika. Die Konferenz soll gemeinsame Positionen fördern und die Zusammenarbeit unter anderem in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und internationale Herausforderungen stärken.