4. November 2026
Lesezeit 3 Minuten

Vom Management zur Kunst: Wie Alice Brennhausen an der Costa del Sol einen Neuanfang wagte

Alice Brennhausen

Nach 27 Jahren im Management tauschte Alice Brennhausen den Berufsalltag gegen Pinsel und Leinwand. Heute lebt die gebürtige Norddeutsche an der Costa del Sol, wo sie ihre Leidenschaft für die abstrakte Malerei wiederentdeckt hat. Im November stellt sie ihre Werke in Estepona aus.

Von Dana Nowak

Manchmal beginnt ein neuer Lebensabschnitt mit einer mutigen Entscheidung. Für Alice Brennhausen kam dieser Moment mit 60 Jahren. Nach fast drei Jahrzehnten im Management einer deutschen Optikerkette in der französischsprachigen Schweiz entschied sie sich, ihre berufliche Laufbahn zu beenden und nach Spanien zu ziehen.

Heute lebt sie in La Cala de Mijas, genießt das mediterrane Lebensgefühl und widmet sich wieder intensiv einer Leidenschaft, die sie seit ihrer Jugend begleitet: der Malerei.

Die Suche nach ihrem neuen Zuhause dauerte zwei Jahre. Zunächst erkundete sie verschiedene Orte an der spanischen Mittelmeerküste, darunter Dénia und Alicante. Doch der Funke sprang nicht über.

„Ich war im Winter da, und da war um diese Jahreszeit überhaupt nichts los“, erinnert sie sich.

Erst in La Cala de Mijas fand sie, wonach sie gesucht hatte. „Ich habe diesen Ort in der Nähe des Golfplatzes hier entdeckt, obwohl ich keine Golfspielerin war und auch nicht bin – und war sofort verliebt in diesen Platz.“

Von Norddeutschland über Frankreich in die Schweiz

Alice Brennhausen wurde 1964 in der Nähe von Hamburg geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Augenoptikerin, bevor sie für mehr als ein halbes Jahr nach Frankreich ging. Anschließend studierte sie Betriebswirtschaftslehre in Lüneburg.

Schon damals gehörte die Malerei zu ihrem Leben.

„Auch als Studentin habe ich immer mal wieder gemalt und abstrakt gemalt. Aber ich habe damals nie ausgestellt, sondern habe das einfach so für mich gemacht“, erzählt sie.

Eine klassische künstlerische Ausbildung hat sie nie absolviert. Stattdessen entwickelte sie ihren eigenen Stil durch Experimentieren und Ausprobieren.

„Ich habe nie einen Kurs belegt, sondern mir stattdessen selbst verschiedene Techniken angeeignet und ausprobiert.“

Während ihres Studiums verbrachte sie unter anderem ein Semester in Nizza und einige Zeit in Irland. Ihre Sprachkenntnisse und internationalen Erfahrungen sollten später auch ihren beruflichen Weg prägen.

Zunächst arbeitete sie im Marketing, doch die Tätigkeit erfüllte sie nicht. Durch einen Freund erfuhr sie schließlich von einer Stelle bei einer deutschen Optikerkette, die Unterstützung beim Aufbau ihres Geschäfts in der französischsprachigen Schweiz suchte.

Mit ihrer Ausbildung zur Augenoptikerin, ihrem BWL-Studium und ihren Französischkenntnissen brachte Brennhausen ideale Voraussetzungen mit.

Sie nahm die Herausforderung an, übernahm Managementaufgaben und blieb 27 Jahre. In dieser Zeit perfektionierte sie auch ihr Französisch, das sie heute nahezu auf muttersprachlichem Niveau spricht.

Für ihre künstlerische Leidenschaft blieb während der intensiven Berufsjahre allerdings kaum Raum.

„Während meiner 27 Jahre in der Westschweiz hatte ich gar keinen Kopf dafür“, sagt sie. „Ich war sehr eingespannt.“

Ganz aufgegeben hatte sie die Malerei dennoch nie. Vor einigen Jahren stellte sie bereits in Frankreich aus. Doch erst mit dem Ende ihrer beruflichen Laufbahn konnte sie sich wieder regelmäßig ihrer Kunst widmen.

Andalusiens Licht als Inspirationsquelle

In ihrer Wohnung in La Cala de Mijas hat sich Alice Brennhausen ein kleines Atelier eingerichtet. Hier entstehen überwiegend großformatige abstrakte Gemälde, geprägt von intensiven Farben, ungewöhnlichen Materialien und reliefartigen Strukturen.

Besonders das Licht Andalusiens hat ihre künstlerische Arbeit beeinflusst.

„Natürlich ist man hier durch das Licht inspiriert und durch diese vielen schönen Dinge, die man jeden Tag sieht.“

Die Farben der südspanischen Landschaft, das Meer und die Sonnenuntergänge spiegeln sich in ihren Bildern wider. Kräftiges Rot, leuchtendes Orange, Gelb und unterschiedliche Blautöne bestimmen viele ihrer Kompositionen.

„Ich finde es einfach immer wieder spannend. Ich sehe jeden Tag etwas, was mich glücklich macht. Und das setze ich dann teilweise in meine Kunst um.“

Dabei geht es ihr nicht allein um Farbe. Brennhausen experimentiert mit Strukturpaste, Stoffen und Collage-Elementen. Manche Materialien werden so verarbeitet, dass sie beim Trocknen aufbrechen und reliefartige Oberflächen entstehen lassen.

„Ich mag es gern, wenn ein Bild einen 3D-Effekt, also ein bisschen Relief hat und die Grenzen des Bildes überschritten werden.“

Ihre abstrakten Arbeiten lassen viel Raum für persönliche Interpretationen. Dennoch spielen die Titel ihrer Werke eine wichtige Rolle: Sie geben Hinweise auf die Gedanken und Vorstellungen, die hinter den Bildern stehen.

Ausstellung in Estepona vom 5. bis 18. November

Nun erhält ihre Kunst eine größere Bühne.

Vom 5. bis 18. November 2026 präsentiert Alice Brennhausen rund 25 bis 30 ihrer Werke in der Casa de Las Tejerinas in der Altstadt von Estepona.

Die Ausstellung kam durch einen Kontakt zum Bürgermeister von Estepona zustande. Das städtische Kulturhaus bietet neben einer Dauerausstellung auch Raum für wechselnde künstlerische Präsentationen.

Für Brennhausen ist dies eine Gelegenheit, ihre Arbeiten einem breiteren Publikum vorzustellen und neue Kontakte innerhalb der regionalen Kunstszene zu knüpfen.

Ein neuer Lebensabschnitt zwischen Kunst und Mittelmeer

Nach einem langen Berufsleben voller Verantwortung genießt Alice Brennhausen heute die Freiheit, ihren Alltag selbst zu gestalten.

Spanien war für sie schon immer mehr als nur ein Urlaubsziel.

„Meine Eltern sind mit mir immer in den Sommerferien nach Spanien gefahren und meine Verbindung zu Spanien ist schon sehr früh entstanden.“

Die Entscheidung für ein Leben an der Costa del Sol verbindet deshalb zwei Leidenschaften, die sie seit vielen Jahren begleiten: ihre Liebe zu Spanien und ihre Begeisterung für die Kunst.

Was während ihrer beruflichen Karriere oft in den Hintergrund treten musste, steht heute im Mittelpunkt ihres Lebens.

Aus 27 Jahren Management wurde ein neuer Lebensabschnitt voller Farben, Kreativität und persönlicher Freiheit – und aus einem lang gehegten Wunsch ein erfüllter Traum an der Costa del Sol.

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