6. November 2026
Lesezeit 3 Minuten

Nicht nur die Mieten sind unbezahlbar: Auch der Traum vom Eigenheim wird in Spanien immer teurer

Credit Jakub Zerdzicki (Unsplash)

Wer in Spanien eine Wohnung mieten möchte, muss vielerorts tief in die Tasche greifen. Doch auch der Kauf einer eigenen Immobilie wird für immer mehr Menschen zur finanziellen Herausforderung. Die monatliche Hypothekenrate liegt inzwischen bei durchschnittlich fast 860 Euro und verschlingt mehr als ein Drittel des Einkommens. Besonders dramatisch ist die Situation auf den Balearen und in Madrid.

Redaktion Spanien Press

Lange galt der Kauf einer eigenen Wohnung in Spanien als sichere Alternative zu steigenden Mieten. Wer sich die monatlichen Mietzahlungen sparen wollte, investierte in die eigenen vier Wände. Doch inzwischen wird auch dieser Weg für viele Spanier immer schwieriger.

Die Immobilienpreise steigen, die Finanzierung wird teurer und die Gehälter können mit dieser Entwicklung kaum Schritt halten. Was früher für viele Familien ein realistisches Lebensziel war, entwickelt sich zunehmend zu einem finanziellen Kraftakt.

Fast 860 Euro monatlich für eine Hypothek

Nach den neuesten Zahlen des spanischen Grundbuchregisterverbandes Colegio de Registradores erreichte die durchschnittliche monatliche Rate neu abgeschlossener Immobilienkredite im dritten Quartal 2026 einen Wert von 857,60 Euro.

Das sind rund neun Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allein gegenüber dem zweiten Quartal stieg die durchschnittliche Belastung um vier Prozent.

Besonders besorgniserregend ist dabei das Verhältnis zwischen Einkommen und Kreditrate. Mittlerweile fließen durchschnittlich 35,3 Prozent des Gehalts allein in die Rückzahlung der Hypothek. Vor einem Jahr waren es noch 34,3 Prozent.

Dabei sind laufende Kosten wie Strom, Wasser, Versicherungen, Gemeinschaftsgebühren oder die Grundsteuer noch gar nicht berücksichtigt.

Immobilienpreise erreichen neue Rekordwerte

Der wichtigste Grund für diese Entwicklung ist der anhaltende Preisanstieg auf dem spanischen Immobilienmarkt.

Im dritten Quartal 2026 kostete ein Quadratmeter Wohnfläche durchschnittlich 2.512 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 9,3 Prozent innerhalb eines Jahres.

Gleichzeitig erreichte die durchschnittliche Hypothekensumme mit 179.466 Euro einen neuen Höchststand.

Wer heute eine Immobilie kaufen möchte, muss also nicht nur mehr Eigenkapital mitbringen, sondern häufig auch einen deutlich höheren Kredit aufnehmen.

Hinzu kommen gestiegene Finanzierungskosten. Der durchschnittliche Zinssatz neuer Hypotheken erhöhte sich von 2,99 auf 3,15 Prozent.

Die Kombination aus höheren Kaufpreisen und steigenden Zinsen trifft vor allem junge Familien und Menschen mit mittleren Einkommen.

Balearen und Madrid: Wohneigentum wird zum Luxus

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung auf den Balearen und in der Hauptstadtregion Madrid.

Auf den Balearen liegt die durchschnittliche monatliche Hypothekenrate inzwischen bei 1.510,50 Euro. In Madrid müssen Käufer durchschnittlich 1.354,30 Euro aufbringen.

Auch die Quadratmeterpreise haben dort schwindelerregende Höhen erreicht: 4.565 Euro auf den Balearen und 4.502 Euro in Madrid.

In Katalonien beträgt die durchschnittliche monatliche Kreditrate 916,50 Euro, im Baskenland 858,40 Euro.

Deutlich günstiger ist die Finanzierung dagegen in Extremadura mit durchschnittlich 477,70 Euro monatlich. Auch Murcia und La Rioja bleiben mit 565,70 beziehungsweise 579,60 Euro unter der Marke von 600 Euro.

Die Unterschiede zeigen, wie stark sich der spanische Immobilienmarkt regional auseinanderentwickelt.

Mieten oder kaufen? Für viele wird beides schwierig

Für viele Menschen in Spanien entsteht damit ein Dilemma.

Wer zur Miete wohnt, sieht sich in zahlreichen Städten mit hohen Preisen, knappen Angeboten und einem intensiven Wettbewerb um verfügbare Wohnungen konfrontiert.

Wer stattdessen kaufen möchte, benötigt ausreichend Ersparnisse für die Anzahlung und die Kaufnebenkosten. Gleichzeitig muss das Einkommen hoch genug sein, um die monatlichen Kreditraten dauerhaft tragen zu können.

Gerade für jüngere Menschen wird der Schritt in die eigenen vier Wände dadurch immer schwieriger. Selbst ein regelmäßiges Gehalt garantiert längst nicht mehr, dass eine Bank die gewünschte Finanzierung bewilligt.

Hinzu kommt, dass eine durchschnittliche Hypothekenrate von knapp 860 Euro nicht bedeutet, dass man für diesen Betrag überall in Spanien eine Wohnung finanzieren kann. In den besonders gefragten Küstenregionen und Großstädten liegen die tatsächlichen Belastungen häufig deutlich höher.

Und eine Entspannung ist nicht in Sicht

Die spanischen Grundbuchregistrare sprechen in ihrem aktuellen Bericht von einer erneuten deutlichen Verschlechterung der Erschwinglichkeit von Wohneigentum.

Sie rechnen damit, dass sich diese Entwicklung fortsetzen könnte, wenn Immobilienpreise und Finanzierungskosten weiter steigen.

Zwar könnten längere Kreditlaufzeiten die monatlichen Raten etwas reduzieren. Allerdings steigen dadurch in der Regel die gesamten Zinskosten. Auch höhere Löhne könnten Entlastung bringen, doch bislang reicht das Einkommenswachstum nicht aus, um den Anstieg der Finanzierungskosten auszugleichen.

Damit verschärft sich ein Problem, das längst nicht mehr nur den Mietmarkt betrifft.

Spanien hat nicht nur ein Mietproblem. Es hat zunehmend ein grundsätzliches Problem mit der Bezahlbarkeit von Wohnraum. Und für immer mehr Menschen wird nicht nur das Mieten, sondern auch der Kauf einer eigenen Wohnung zum Luxus.

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