Redaktion Spanien Press
Rincón de la Victoria, 18. Juni 2025
Nach jahrelanger Flucht ist der mutmaßliche Drogenboss Ginés E. G. R., bekannt unter dem Decknamen El Patrón, von der Guardia Civil festgenommen worden. Der Zugriff erfolgte in einer exklusiven Wohngegend in Rincón de la Victoria (Málaga), wo sich der Gesuchte gemeinsam mit engen Angehörigen verborgen hielt.
Im Rahmen der groß angelegten Operation wurden insgesamt neun Personen festgesetzt – darunter der Bruder des Verdächtigen sowie die Ehepartner beider Männer. Die Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Coria del Río ordnete Untersuchungshaft für vier der Festgenommenen an: den mutmaßlichen Bandenchef, seinen Bruder sowie zwei Söhne. Die übrigen vier – allesamt Frauen – wurden gegen Kaution freigelassen, nachdem sie zunächst die Nacht in Polizeigewahrsam verbracht hatten.
Gegen die Beschuldigten wird wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie wegen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung ermittelt.
Verbindung zum größten Kokainschmuggel durch Schnellboote
Die Festnahme steht im Zusammenhang mit einem spektakulären Drogenfund, der im Dezember 2024 in Coria del Río für Aufsehen sorgte. Dort wurden auf einem landwirtschaftlich genutzten Gelände sieben Tonnen Kokain entdeckt – die bislang größte Menge, die in Spanien per Boot eingeschleust wurde.
Die laufenden Ermittlungen, die unter Geheimhaltung stehen, führten in den letzten Tagen zu weiteren vier Festnahmen. Nach Angaben der Behörden war El Patrón die Schlüsselfigur hinter dem Drogentransport und vermutlich auch für weitere Lieferungen entlang des Guadalquivir verantwortlich.
Aufstieg aus der Halbwelt Sevillas
Ginés, aufgewachsen im sozial benachteiligten Stadtviertel Polígono Norte in Sevilla, ist der Polizei seit Langem ein Begriff. Seine kriminelle Karriere begann im Kleinen, doch bereits 2019 wurde er bei einer groß angelegten Operation (Codename: „Vegano“) festgenommen. Damals wurde ein Netzwerk zerschlagen, das jährlich Dutzende Tonnen Haschisch über den Guadalquivir ins Landesinnere transportierte.
Im Jahr 2022 geriet er erneut ins Visier der Ermittler: In der Operation „Traboat-Gorblan“ wurde er wegen seiner Verbindungen zu Schmugglern aus Gibraltar verhaftet. Zu seinen bisherigen Straftaten zählen Waffendelikte, Geldwäsche, Besitz von Narco-Booten und Zwischenfälle im Gefängnis.
Wandel am Guadalquivir: Vom Haschisch zur Kokainroute
Der Fluss Guadalquivir gilt seit Jahren als eine der Hauptrouten für den Drogenschmuggel aus Nordafrika. Während früher vor allem Haschisch transportiert wurde, verzeichneten die Behörden zuletzt einen starken Anstieg an Kokainfunden. Nur wenige Wochen nach dem Rekordfund in Coria wurden in La Puebla del Río weitere drei Tonnen Kokain sichergestellt – bei einem Einsatz, bei dem bewaffnete Wachposten mit Sturmgewehren überwältigt wurden.
Die Guardia Civil kündigte an, die Ermittlungen mit Nachdruck fortzuführen. Weitere Festnahmen seien nicht ausgeschlossen. Offizielle Informationen sollen folgen, sobald das Ermittlungsgeheimnis aufgehoben wird.
