29. Oktober 2026
Lesezeit 2 Minuten

Bahnstreik in Spanien: Fast 29 Prozent der Zugfahrten fallen aus

Ein Cercanías-Zug von Renfe an einem spanischen Bahnhof: Der Lokführerstreik am heutigen Donnerstag führt zu erheblichen Einschränkungen im Bahnverkehr, insbesondere in den Vorortnetzen von Madrid und Katalonien (Credit: KI generiert)

Besonders betroffen sind die Vorortzüge in Madrid und Katalonien. Auch Fern- und Hochgeschwindigkeitsverbindungen sind eingeschränkt. Die Lokführer fordern Verbesserungen bei der Eisenbahnsicherheit.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Der Bahnverkehr in Spanien ist am heutigen Donnerstag durch einen landesweiten Streik der Lokführer erheblich beeinträchtigt. Nach Angaben des staatlichen Bahnunternehmens Renfe starteten rund 28,6 Prozent der vorgesehenen Fahrten im öffentlichen Zugverkehr nicht. Besonders starke Einschränkungen gibt es bei den Vorortzügen in Madrid und Katalonien. Auch im Fern- und Hochgeschwindigkeitsverkehr kommt es zu Ausfällen.

Der Arbeitskampf wurde von der Lokführergewerkschaft Semaf organisiert und dauert 24 Stunden. Die Gewerkschaft verlangt zusätzliche Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit im Eisenbahnverkehr sowie die Umsetzung früherer Vereinbarungen. Für Reisende bedeutet der Streik längere Wartezeiten, gestrichene Verbindungen und mögliche Änderungen ihrer Reisepläne.

Vor allem Madrid und Katalonien betroffen

Besonders deutlich sind die Auswirkungen im Vorortverkehr. In Madrid wurden 48,29 Prozent der vorgesehenen Mindestdienste im Cercanías-Netz gestrichen. Im katalanischen Rodalies-Netz lag dieser Anteil bei 4,61 Prozent. Gleichzeitig starteten dort 48,85 Prozent der geplanten Fahrten nicht. Damit sind beide Regionen besonders stark von den Einschränkungen betroffen.

Auch in anderen Landesteilen kommt es zu Ausfällen. In Andalusien wurden 29,41 Prozent der vorgesehenen Fahrten nicht aufgenommen. Im östlichen Korridor Spaniens lag der Anteil bei 13,93 Prozent, während in Extremadura 22,22 Prozent der vorgesehenen Mindestdienste gestrichen wurden.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die Auswirkungen regional unterschiedlich ausfallen. Zudem muss zwischen den Ausfällen innerhalb der festgelegten Mindestdienste und dem Anteil aller geplanten Fahrten unterschieden werden.

Auch Fern- und Hochgeschwindigkeitszüge betroffen

Der Streik beschränkt sich nicht auf den Nahverkehr. Auch Verbindungen mit AVE-, Avlo-, Alvia-, Euromed- und Intercity-Zügen sind betroffen. Nach der von Renfe veröffentlichten Bilanz wurden sechs von 48 vorgesehenen kommerziellen Fahrten innerhalb der Mindestdienste gestrichen. Das entspricht einem Anteil von 12,5 Prozent.

Zu den betroffenen Verbindungen gehören unter anderem Strecken zwischen Madrid und Barcelona, Madrid und Valencia sowie Verbindungen nach Figueres. Auch einzelne Fahrten mit Ausgangs- oder Zielbahnhöfen in Alicante, Pamplona, A Coruña, Vigo, Gijón, León und Burgos waren von den Einschränkungen betroffen.

Für die Fahrgäste bedeutet dies, dass sie ihre Verbindung vor der Abfahrt überprüfen sollten. Auch wenn ein Zug im Fahrplan aufgeführt ist, kann es aufgrund der Störungen zu kurzfristigen Änderungen kommen.

Lokführer fordern mehr Sicherheit

Semaf begründet den Streik mit Forderungen nach strukturellen Verbesserungen der Eisenbahnsicherheit und der Umsetzung bereits vereinbarter Maßnahmen. Der Arbeitskampf findet vor dem Hintergrund des Zugunglücks in Urda in der Provinz Toledo statt.

Renfe weist die Kritik teilweise zurück. Das Unternehmen erklärt, dass einige der von der Gewerkschaft angesprochenen Themen außerhalb seiner unmittelbaren Zuständigkeit lägen. Dazu gehörten unter anderem Regelungen zu Lenk- und Fahrzeiten sowie Maßnahmen, für die andere Behörden verantwortlich seien.

Zudem verweist Renfe auf bereits umgesetzte Verbesserungen. Nach Angaben des Unternehmens wurden mehr als 1.200 Beschäftigte neu eingestellt und die Wartungsteams verstärkt. Auch Maßnahmen zur Verbesserung der Zuverlässigkeit des Bahnbetriebs seien ergriffen worden. Renfe betont, die im Februar vereinbarten Verpflichtungen zur Stärkung des Eisenbahnsystems erfüllt zu haben.

Mindestdienste sollen einen Teil des Verkehrs sichern

Damit der Bahnverkehr während des Streiks nicht vollständig zum Erliegen kommt, hat das spanische Verkehrsministerium Mindestdienste festgelegt. Im Cercanías-Verkehr sollen während der Hauptverkehrszeiten 75 Prozent und außerhalb dieser Zeiträume 50 Prozent der regulären Verbindungen angeboten werden. Für Mittelstreckenverbindungen liegt der vorgesehene Anteil durchschnittlich bei 65 Prozent, für den Hochgeschwindigkeits- und Fernverkehr bei 73 Prozent.

Die festgelegten Mindestdienste konnten die Auswirkungen des Streiks jedoch nicht vollständig verhindern. Renfe meldete, dass ein Teil der vorgesehenen Verbindungen trotz dieser Vorgaben ausfiel.

Kostenlose Umbuchungen für betroffene Reisende

Renfe bietet Fahrgästen mit betroffenen Fahrkarten kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an. Das Unternehmen empfiehlt, vor Reiseantritt den aktuellen Status der jeweiligen Verbindung zu prüfen und bei Bedarf alternative Reisemöglichkeiten zu nutzen.

Zusätzliche Einschränkungen gibt es auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Andalusien. Diese bleibt nach dem Zugunglück in Urda gesperrt. Die Sperrung ist unabhängig vom Streik, verschärft aber die ohnehin angespannte Lage im spanischen Bahnverkehr. Auch Verbindungen nach Málaga und Sevilla sind davon betroffen.

Damit treffen am heutigen Donnerstag zwei unterschiedliche Ursachen für Zugausfälle zusammen: der landesweite Arbeitskampf der Lokführer und die unfallbedingte Sperrung einer wichtigen Hochgeschwindigkeitsstrecke.

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