Ein Fall von dreister Immobilienbetrugsmasche erschüttert derzeit die katalanische Hauptstadt. Mehr als 40 Personen berichten, dass sie Opfer eines angeblichen Vermieters wurden, der nach Unterzeichnung von Mietverträgen und Erhalt der Kautionen plötzlich verschwand
Redaktion Spanien Press
Der mutmaßliche Täter – von Betroffenen als ein Mann brasilianischer Herkunft namens Pablo identifiziert – bot Zimmer für rund 500 Euro oder die gesamte Wohnung für 1.800 Euro an. Er führte Interessenten durch die Räume, zeigte seinen Ausweis, unterschrieb Verträge und übergab sogar echte Schlüssel. Erst als die neuen Mieter einziehen wollten, fanden sie die Türen verschlossen, fremde Personen in der Wohnung – und wurden teilweise sogar bedroht: „Wenn ihr zurückkommt, bringen wir euch um“, so die Aussagen mehrerer Opfer.
Einzug mit bösem Erwachen
Eine Betroffene, die hier „Sara“ genannt wird, hatte scheinbar alles richtig gemacht: Ausweis kontrolliert, Vertrag unterschrieben, Quittung über 500 Euro Kaution erhalten. Sie hatte sogar schon Kleidung und Möbel in ihrem zukünftigen Zimmer deponiert. Am 31. August wollte sie endgültig einziehen – doch die Tür war von innen blockiert. Vor dem Haus traf sie auf weitere Betroffene, die sich in derselben Lage befanden.
Binnen weniger Stunden bildete sich eine WhatsApp-Gruppe, in der inzwischen über 40 Geschädigte Informationen, Verträge und Kontaktdaten austauschen. Schnell wurde klar: die gleiche Wohnung war mehrfach vermietet worden.
Drohungen und verschwundene Habseligkeiten
Einige Opfer versuchten, ihre Sachen zurückzubekommen. Doch vieles war verschwunden – Kleidung, Schuhe, Elektrogeräte. Stattdessen wurden sie beleidigt und mit Wasser übergossen. „Sie schrien uns an und sagten, dass wir getötet würden, falls wir zurückkämen“, berichtet Sara.
Auch „Luis“ und „Martín“ erlebten ähnliche Szenen: Sie hatten ebenfalls Kautionen bezahlt, Verträge unterschrieben, Schlüssel erhalten – und standen schließlich mit Sack und Pack vor verschlossenen Türen.
Wie funktionierte der Betrug?
Besonders perfide war die Schlüsselmasche:
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Der falsche Vermieter übergab echte Schlüssel, was Vertrauen schuf.
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Manche Opfer konnten ihre Sachen schon vorab in der Wohnung abstellen.
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Kurz darauf wurde jedoch das Schloss ausgetauscht oder von innen verriegelt.
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So standen die Opfer plötzlich vor verschlossenen Türen, während sich noch Personen im Inneren befanden – angeblich ebenfalls Mieter oder Komplizen.
Unklar ist bis heute, wie der Betrüger überhaupt in Besitz der Originalschlüssel kam. Die Polizei prüft, ob er zuvor selbst Mieter war oder ob es Mitwisser gab.
Ermittlungen der Mossos d’Esquadra
Die katalanische Polizei untersucht den Fall. Sie weist darauf hin, dass Betrugsdelikte im Zusammenhang mit Mietwohnungen mittlerweile die fünfthäufigste Betrugsform in Katalonien darstellen – nach digitalen Maschen wie Vishing, Smishing oder Phishing.
Der Modus Operandi ist immer ähnlich: Die Wohnung wird als ehemaliges Airbnb angeboten, angeblich jetzt für langfristige Vermietung. Verträge laufen über sechs Monate, mit Option auf Verlängerung. Viele Betroffene sind Studierende oder junge Berufstätige, die dringend eine Unterkunft suchten.
Ein Symptom des angespannten Wohnungsmarkts
Für viele der Opfer war der Vorfall ein Schock: Von einem Tag auf den anderen standen sie obdachlos da, mit Habseligkeiten auf der Straße und ohne finanzielle Mittel. Einige konnten provisorisch bei Freunden unterkommen, andere mussten kurzfristig Lagerräume oder Hotels bezahlen.
Der Fall zeigt erneut die angespannte Wohnsituation in Barcelona: Hohe Mieten, Wohnraummangel und ein überforderter Markt schaffen ideale Bedingungen für Betrüger. Die Behörden raten daher dringend, die Identität von Vermietern sorgfältig zu prüfen, Online-Bewertungen zu recherchieren und niemals Bargeld ohne offizielle Quittung zu zahlen.
Für die über 40 Geschädigten kommt diese Warnung jedoch zu spät – sie kämpfen nun darum, ihr Geld und ihre Sicherheit zurückzuerlangen.
