Redaktion Spanien Press
Der spanische Premierminister Pedro Sánchez hat sich gerade zu den Korruptionsvorwürfen gegen seinen bisherigen Parteimanager Santos Cerdán geäußert. In einer unerwarteten Pressekonferenz bat er die Bürgerinnen und Bürger um Entschuldigung und kündigte tiefgreifende Konsequenzen innerhalb der PSOE an – allerdings ohne auf die Forderung der Opposition nach Neuwahlen einzugehen.
„Ich hätte Santos Cerdán niemals mein Vertrauen schenken dürfen“, erklärte Sánchez sichtlich betroffen. Der langjährige Generalsekretär der sozialistischen Partei (PSOE) und bisherige rechte Hand des Premierministers war wenige Stunden zuvor von all seinen politischen Ämtern zurückgetreten. Ein aktueller Bericht der Guardia Civil bringt ihn mit der mutmaßlich korrupten Vergabe öffentlicher Aufträge in Verbindung.
Sánchez zeigte sich in seiner Rede „traurig und wütend“ über die Vorgänge. „Ich bitte die spanische Bevölkerung um Verzeihung. Das, was geschehen ist, ist inakzeptabel“, sagte er. Gleichzeitig versicherte er, niemals Teil einer solchen Praxis gewesen zu sein und kündigte konkrete Maßnahmen an: Eine unabhängige externe Prüfung sowie eine umfassende Neuaufstellung der Parteiführung seien bereits in Vorbereitung.
Trotz des wachsenden Drucks aus der Opposition, der PSOE und seiner Regierung mangele es an Glaubwürdigkeit, wies Sánchez Forderungen nach Neuwahlen klar zurück. Diese Entscheidung sorgt nicht nur bei der Opposition, sondern auch innerhalb seiner eigenen Partei für Fassungslosigkeit. Mehrere PSOE-Mitglieder äußerten hinter vorgehaltener Hand, sie könnten nicht nachvollziehen, warum der Premierminister nicht den Weg zu Neuwahlen freigibt.
Die konservative Partido Popular (PP), die rechtspopulistische Vox und auch linke Parteien wie Sumar und ERC kritisierten Sánchez scharf. „Angesichts der wiederholten Skandale in seiner Umgebung ist das ein Affront gegen die Demokratie“, erklärte Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo.
Während die Justiz ihre Ermittlungen gegen Cerdán vorbereitet – der sich laut eigener Aussage dem Richter am 25. Juni freiwillig stellen will – steht Sánchez vor einer Zerreißprobe. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sein Versprechen eines glaubwürdigen Neuanfangs innerhalb der PSOE greift – oder ob der Druck auf Neuwahlen weiter wächst, auch aus den eigenen Reihen.
