In Spanien nehmen die Covid-Infektionen wieder deutlich zu. Besonders stark ist der Anstieg bei Babys unter einem Jahr. Nach den neuesten Daten des spanischen Instituto de Salud Carlos III (ISCIII) hat sich die Covid-Inzidenz in dieser Altersgruppe innerhalb nur einer Woche von 123,6 auf 225,5 Fälle pro 100.000 Einwohner erhöht. Auch bei Kleinkindern und älteren Menschen steigen die Werte deutlich.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Der Anstieg kommt zu einer Zeit, in der in Spanien nach den Sommerferien wieder Schulen, Kindergärten und Arbeitsplätze stärker besucht werden. Gleichzeitig nimmt auch die Verbreitung anderer Atemwegsviren zu. Von einer allgemeinen Epidemie ist das Land nach den aktuellen Daten allerdings noch entfernt.
Covid-Inzidenz verdoppelt sich bei Babys nahezu
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den jüngsten Kindern. Bei Babys unter zwölf Monaten stieg die Covid-Inzidenz in der Woche vom 14. bis 20. September von 123,6 auf 225,5 Fälle je 100.000 Einwohner. Damit weisen sie derzeit die höchste Inzidenz aller erfassten Altersgruppen auf.
Der Anstieg hatte sich bereits Ende August abgezeichnet und beschleunigte sich in der ersten Septemberhälfte. Bereits in der Woche zuvor hatte sich die Rate deutlich erhöht. Anfang September lag sie noch wesentlich niedriger.
Auch bei Kindern zwischen einem und vier Jahren hat sich die Situation innerhalb einer Woche nahezu verdoppelt. Die Inzidenz stieg von 20,4 auf 39,3 Fälle pro 100.000 Einwohner.
Auch ältere Menschen stärker betroffen
Der aktuelle Anstieg beschränkt sich jedoch nicht auf Kinder. Auch bei älteren Menschen werden deutlich mehr Covid-Fälle registriert. Bei den über 80-Jährigen erhöhte sich die Inzidenz innerhalb einer Woche von 18,1 auf 30,9 Fälle pro 100.000 Einwohner. Bei den 70- bis 79-Jährigen stieg sie von 14,7 auf 30,2.
Auch in den übrigen Altersgruppen nahm die Zahl der Fälle zu. Bei Erwachsenen zwischen 20 und 59 Jahren kletterte die Inzidenz von 9,8 auf 17,8 Fälle. Bei den 60- bis 69-Jährigen stieg sie von 13,1 auf 17,6. Selbst bei den 5- bis 19-Jährigen, die weiterhin eine vergleichsweise niedrige Inzidenz aufweisen, gab es einen deutlichen Anstieg von 4,1 auf 11,8 Fälle pro 100.000 Einwohner.
Insgesamt stieg die Covid-Inzidenz in Spanien von 11,4 auf 20,8 Fälle pro 100.000 Einwohner.
Covid derzeit deutlich stärker nachweisbar als Grippe
Auch beim Blick auf die positiven Tests zeigt sich die derzeit stärkere Verbreitung von SARS-CoV-2. Der Anteil positiver Covid-Tests lag zuletzt bei 24,1 Prozent, nachdem er eine Woche zuvor noch 18,9 Prozent betragen hatte.
Bei der Grippe lag die Positivitätsrate dagegen bei 7,8 Prozent. Sie ging damit gegenüber der Vorwoche zurück, als noch 10,6 Prozent der untersuchten Proben positiv waren. Die Grippeinzidenz befindet sich weiterhin unterhalb der epidemischen Schwelle.
Damit ist Covid derzeit das am häufigsten nachgewiesene der untersuchten Atemwegsviren. Auch Daten auf Grundlage der SiVIRA-Überwachung zeigen, dass die Coronavirus-Zirkulation im September deutlich zugenommen hat.
Insgesamt mehr Atemwegsinfektionen
Parallel zum Anstieg der Covid-Fälle nimmt auch die Zahl der Atemwegsinfektionen insgesamt zu. Die entsprechende Rate erhöhte sich zuletzt von 270 auf 370 Fälle pro 100.000 Einwohner. Damit nähert sich Spanien dem epidemischen Schwellenwert von 400 Fällen pro 100.000 Einwohner. Dieser Wert wurde bislang jedoch noch nicht überschritten.
Die Entwicklung zeigt, dass derzeit mehrere Atemwegsviren gleichzeitig zirkulieren. Neben Covid und Influenza spielt dabei insbesondere das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) eine Rolle.
RSV nimmt bei kleinen Kindern ebenfalls zu
Bei Kindern unter fünf Jahren hat sich die Rate der RSV-Infektionen innerhalb einer Woche ebenfalls nahezu verdoppelt. Sie stieg von 56,4 auf 103 Fälle pro 100.000 Einwohner.
Das Respiratorische Synzytial-Virus ist eine der wichtigsten Ursachen für Atemwegsinfektionen bei kleinen Kindern und kann insbesondere bei Babys eine Bronchiolitis auslösen. In schweren Fällen kann eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich werden.
Zeitgleich haben spanische Forscher drei Fälle von Babys untersucht, bei denen eine RSV-Variante nachgewiesen wurde, die der durch vorbeugende Antikörper aufgebauten Immunität entkommen konnte. Zwei der betroffenen Kinder mussten stationär behandelt werden. Diese Entwicklung steht allerdings unabhängig vom aktuellen Covid-Anstieg.
Rückkehr in Schulen begünstigt Virusübertragung
Der September ist traditionell eine Zeit, in der Atemwegsinfektionen wieder häufiger auftreten. Mit dem Ende der Sommerferien verbringen Kinder wieder mehr Zeit gemeinsam in Schulen und Kindergärten. Auch Erwachsene kehren an ihre Arbeitsplätze zurück.
Covid unterscheidet sich allerdings von der klassischen Grippe: SARS-CoV-2 ist nicht ausschließlich an die Wintermonate gebunden und kann auch während der warmen Jahreszeit stärkere Infektionswellen auslösen. Fachleute sehen den aktuellen Anstieg deshalb nicht automatisch als Beginn einer neuen Winterwelle.
Die meisten Fälle verlaufen weiterhin mild
Trotz des deutlichen Anstiegs der Infektionszahlen gibt es derzeit keine Hinweise auf eine vergleichbare Belastung der Krankenhäuser wie während früherer Phasen der Pandemie.
Die Hospitalisierungsrate wegen akuter Atemwegsinfektionen lag zuletzt bei 8,7 Fällen pro 100.000 Einwohner und damit weiterhin auf niedrigem Niveau. Auch die Covid-Positivität unter den hospitalisierten Patienten lag mit 13,8 Prozent unter den Werten früherer Saisons.
Ärzte weisen zudem darauf hin, dass die meisten aktuell behandelten Covid-Fälle mild verlaufen und keine Krankenhauseinweisung erforderlich machen.
Husten und Schnupfen gehören zu den häufigsten Symptomen
Die derzeit am häufigsten gemeldeten Covid-Symptome sind Husten, eine verstopfte Nase, allgemeines Unwohlsein und Halsschmerzen. Bei rund 59 Prozent der erfassten Covid-Fälle tritt zudem Fieber auf.
Bei der Grippe sind Husten und Fieber noch häufiger. Auch allgemeines Unwohlsein und eine verstopfte Nase gehören zu den typischen Beschwerden. Die Symptome überschneiden sich damit teilweise deutlich.
Spanien beobachtet die Entwicklung der Atemwegsviren
Die aktuellen Daten des ISCIII zeigen vor allem eines: In Spanien nimmt die Aktivität mehrerer Atemwegsviren nach dem Sommer wieder zu. Besonders deutlich ist derzeit der Anstieg bei Covid – mit den höchsten Inzidenzwerten bei Babys unter einem Jahr und einem ebenfalls starken Anstieg bei Kleinkindern.
Noch liegt die allgemeine Rate der Atemwegsinfektionen unterhalb des epidemischen Schwellenwerts. Die Entwicklung der kommenden Wochen dürfte deshalb entscheidend dafür sein, ob sich der aktuelle Anstieg weiter fortsetzt oder wieder abschwächt.
