Immer häufiger taucht in spanischen Immobilienportalen ein Begriff auf, der für viele Ausländer zunächst verwirrend sein kann: „nuda propiedad“ – auf Deutsch: „nacktes Eigentum“. Dahinter steckt ein rechtlich geregeltes Modell, das vor allem unter älteren Menschen in Spanien immer beliebter wird.
Bei der Verkauf der nackten Eigentumsrechte verkauft eine Person ihr Haus oder ihre Wohnung, behält jedoch ein lebenslanges Wohnrecht (Nießbrauchrecht). Der Käufer zahlt deutlich weniger als den Marktwert – zwischen 30 % und 50 % Rabatt, abhängig vom Alter und der Lebenserwartung des Verkäufers – erhält aber erst nach dem Tod des Verkäufers das volle Nutzungsrecht über die Immobilie.
Für den Verkäufer bedeutet das: Liquidität im Alter, ohne das Zuhause verlassen zu müssen. Die Auszahlung erfolgt entweder einmalig oder in monatlichen Raten. Für den Käufer ist es eine langfristige Investition mit Preisvorteil.
Alternative: Die umgekehrte Hypothek
Neben dem Verkauf des nackten Eigentums gewinnt auch die umgekehrte Hypothek (hipoteca inversa) an Bedeutung. Hier bleibt der Eigentümer vollständig im Besitz der Immobilie, erhält aber regelmäßige Zahlungen oder eine Einmalzahlung vom Kreditinstitut, das die Immobilie als Sicherheit einbehält. Nach dem Tod verkauft die Bank die Immobilie, es sei denn, die Erben zahlen den Betrag zurück.
Ein wachsender Trend
Diese Modelle gewinnen in Spanien zunehmend an Bedeutung – nicht nur wegen der hohen Eigentumsquote älterer Menschen, sondern auch wegen der niedrigen durchschnittlichen Renten (rund 1.300 € monatlich) und der steigenden Immobilienpreise in Städten wie Madrid, Barcelona oder Valencia.
Für viele Spanier bleibt Immobilienbesitz der wichtigste wirtschaftliche Rückhalt – und mit diesen Modellen lässt sich daraus im Alter zusätzliches Einkommen gewinnen, ohne auf das gewohnte Zuhause verzichten zu müssen.
