Redaktion Spanien Press
Rechtliche Grundlagen und Risiken für Eigentümer an der Küste – Beispiel Guardamar del Segura (Alicante)
Viele Ausländer, die in Spanien leben oder investieren, wissen nicht, dass selbst jahrzehntealte Immobilien am Meer von Abriss bedroht sein können. Grund ist das spanische Küstengesetz (Ley de Costas), das Eigentümer selbst dann betrifft, wenn die Gebäude einst legal errichtet wurden.
Was ist die „Ley de Costas“?
Das spanische Küstengesetz (Ley 22/1988) schützt das öffentliche maritime-terrestrische Gebiet. Dazu gehören:
- Strände und Meeresufer,
- Dünen und Feuchtgebiete,
- angrenzende Landstreifen mit ökologischer oder öffentlicher Bedeutung.
Ziel ist es, die Verbauung der Küstenlinie zu verhindern, die Erosion zu stoppen und den freien Zugang zu Stränden zu gewährleisten.
Wer ist betroffen?
Vor allem ältere Gebäude, die vor Inkrafttreten des Gesetzes errichtet wurden, können betroffen sein. Auch Immobilien, die in neuen Grenzziehungen („Deslindes“) als öffentliches Küstengebiet ausgewiesen wurden, gelten heute rechtlich als illegal.
Selbst bei alten Baugenehmigungen oder Erbregelungen besteht das Risiko, dass:
- eine Abrissanordnung erfolgt,
- die Eigentümer für die Kosten des Abrisses selbst aufkommen müssen,
- die Immobilie nicht mehr genutzt, verkauft oder vererbt werden darf.
Beispiel: Guardamar del Segura (Alicante)
Ein besonders bekanntes Beispiel ist der Küstenort Guardamar del Segura in der Provinz Alicante. Dort stehen Dutzende historische Strandhäuser – viele davon seit den 1930er Jahren legal mit staatlicher Genehmigung errichtet – vor dem Abriss.
Trotz ihrer historischen Bedeutung als Schutzbauten gegen wandernde Dünen und als Beispiel traditioneller mediterraner Architektur, gelten sie heute als illegal, weil sie laut neuer Grenzziehung im öffentlichen Meeresraum liegen.
Die Eigentümer müssen die Häuser auf eigene Kosten abreißen, ohne Entschädigung. Regionale Initiativen versuchen, diese Gebäude als Kulturerbe (Bien de Interés Cultural) unter Schutz zu stellen oder rechtliche Ausnahmen zu erreichen – bislang jedoch ohne Erfolg.
Was sollte man vor dem Immobilienkauf an der Küste prüfen?
Wer ein Haus in Küstennähe kaufen oder renovieren möchte, sollte unbedingt:
- prüfen, ob es sich im Bereich eines Deslinde befindet,
- klären, ob es im öffentlichen Küstenbereich oder in einer Schutzzone liegt,
- rechtliche Beratung durch einen Fachanwalt für Baurecht und Küstenschutz einholen.
Ein Eintrag im Grundbuch oder Kataster bedeutet nicht automatisch Rechtssicherheit gegenüber dem Küstengesetz.
Die Ley de Costas dient dem Umweltschutz, hat aber in der Praxis auch zu sozialen Konflikten und Rechtsunsicherheit geführt. Besonders problematisch ist, dass keine Entschädigung vorgesehen ist und viele Eigentümer im Unklaren über ihre Rechte sind. Der Fall Guardamar del Segura zeigt, wie schnell selbst jahrzehntealte Häuser unter Druck geraten können.
