Was als spirituelle Reise begann, wurde zu einer Lebensaufgabe: Als der deutsche Pilger Andreas Senge gemeinsam mit seiner Frau Bettina im Jahr 2017 den Jakobsweg entlangwanderte, erwartete er nicht, dass eine alte, verfallene Kirche im winzigen Ort Villalval sein Leben nachhaltig verändern würde
Redaktion Spanien Press
Die Kirche San Juan Evangelista, ein heute weitgehend unbekanntes Gotteshaus in einer abgelegenen Ortschaft mit nur 25 Einwohnern, liegt nur wenige Kilometer von Burgos entfernt – und ist dennoch vom Vergessen bedroht. Das Gebäude, ein architektonisches Zeugnis der spätgotisch-renaissancezeitlichen Baukunst, steht seit Jahrzehnten leer. Der Turm ist teilweise eingestürzt, das Dach instabil, die Gewölbe kurz vor dem Kollaps. Dennoch erkannte das Ehepaar aus Deutschland in diesem Ort einen kulturellen Schatz.
Ein tragendes Element des kulturellen Erbes
Die Kirche stammt ursprünglich aus der Romanik, wurde aber im 15. und 16. Jahrhundert im Stil des kastilischen Spätgotik-Renaissance umgestaltet. Besonders hervorzuheben sind die kunstvollen Kreuzrippengewölbe, die steinerne Kanzel, sowie eine Empore mit geschnitztem Geländer und gewölbtem Unterbau. Trotz der Schäden ist die Kirche wegen dieser Details weiterhin als „architektonische Perle des Pico-Tals“ bekannt.
Doch weder das spanische Kultusministerium noch regionale Behörden haben der Kirche bislang Denkmalschutz gewährt. Im Juni 2025 wurde sie daher von der Organisation Hispania Nostra auf die „Rote Liste des bedrohten Kulturerbes Spaniens“ gesetzt – ein Weckruf für die Öffentlichkeit.
Von der Pilgerroute zur Herzensangelegenheit
Für Andreas Senge ist die Ruine mehr als ein Denkmal: „Wir haben uns auf dem Jakobsweg in diesen Ort verliebt“, sagt er. Aus diesem Gefühl heraus gründete das Ehepaar die Asociación para la Rehabilitación de la Iglesia de San Juan Evangelista, eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, die Kirche zu sanieren und langfristig zu erhalten. Auf ihrer Webseite informieren sie über Fortschritte, geplante Maßnahmen und laden zur Unterstützung ein.
Auch abseits der Bauarbeiten engagieren sich die Sengens für Villalval. Sie werben aktiv dafür, dass Pilger den Ort in ihre Route aufnehmen – was nicht nur der Kirche Sichtbarkeit verleiht, sondern auch das soziale Leben des Dorfes stärkt. Andreas hat Flugblätter und Wegbeschreibungen erstellt, die er in Pilgerherbergen entlang des Jakobswegs verteilt. Sein Argument: Der Weg über Villalval ist nicht nur schöner, sondern spart sogar Zeit.
Ein globales Problem – ein lokales Beispiel
Der Zustand von San Juan Evangelista steht beispielhaft für viele ländliche Kirchen und Klöster in Spanien, die – aufgrund von Entvölkerung und fehlenden staatlichen Mitteln – zunehmend dem Verfall preisgegeben sind. „Wenn wir nicht handeln, verlieren wir unwiederbringliche Teile unserer Geschichte“, warnt Senge.
Durch das Engagement der Familie Senge wächst die Hoffnung, dass auch lokale oder regionale Behörden auf das Projekt aufmerksam werden. Erste Spenden sind bereits eingegangen, auch Medien beginnen über das Vorhaben zu berichten.
