Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der irregulären Einreisen um 24 %. Die Route über den Atlantik bleibt jedoch die meistgenutzte. Gleichzeitig verschärft die EU ihre Asylpolitik.
Nach einem Rekordjahr 2024 verzeichnet Spanien im ersten Abschnitt des Jahres 2025 einen deutlichen Rückgang bei der irregulären Migration. Zwischen dem 1. Januar und dem 15. April sind rund 13.000 Menschen ohne gültige Einreisedokumente ins Land gelangt – das entspricht einem Rückgang von 24 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Trotz des Rückgangs bleibt der Inselarchipel der Kanaren das Hauptziel: 166 Boote mit insgesamt mehr als 10.000 Migrantinnen und Migranten erreichten bislang die Küsten der Inseln. Allein auf El Hierro wurde kürzlich ein Boot mit 64 Personen, darunter drei Minderjährige, registriert.
EU verschärft Asylpolitik: Mehr „sichere Herkunftsländer“
Zeitgleich mit der Veröffentlichung der aktuellen Zahlen hat die Europäische Union ihre Liste sogenannter „sicherer Herkunftsstaaten“ erweitert – eine Entscheidung, die den Zugang zum Asylverfahren für viele Betroffene erschwert. Neu auf der Liste: Kosovo, Bangladesch, Kolumbien, Ägypten, Indien, Marokko und Tunesien.
Diese Einstufung bedeutet, dass Asylanträge von Menschen aus diesen Ländern geringere Erfolgschancen haben. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Maßnahme scharf und warnen vor der Gefahr, echte Schutzbedürftige unrechtmäßig abzuweisen.
2024: Rekordzahlen und ein tödlicher Kurs über den Atlantik
Im Rückblick zeigt sich, wie drastisch die Lage im Jahr 2024 war: Mit 63.970 irregulären Einreisen wurde fast der bisherige Höchststand von 2018 erreicht. Im Vergleich zu 2023 stiegen die Zahlen um 12,5 %.
Auffällig ist der Routenwechsel: Während früher vor allem das westliche Mittelmeer und die spanische Festlandküste im Fokus standen, wählten 2024 über 73 % der Migrantinnen und Migranten die Atlantikroute über die Kanaren. Insgesamt kamen 46.843 Personen über diese Route – ein Anstieg von 17,4 % im Vergleich zum Vorjahr.
Gleichzeitig war 2024 ein Jahr der Tragödien: Die Organisation Caminando Fronteras dokumentierte den Tod von 10.457 Menschen, die beim Versuch, Spanien auf dem Seeweg zu erreichen, ums Leben kamen – die meisten auf der gefährlichen Atlantikroute.
Weniger Boote, mehr Einreisen zu Fuß – gemischte Entwicklungen
Während die Zahlen auf See vielerorts zurückgehen, gab es an anderer Stelle Zuwächse. Die maritimen Zugänge zu Ceuta und Melilla verloren an Bedeutung: In Ceuta sank die Zahl der Ankünfte auf 28, in Melilla auf 21. Dafür verdoppelte sich die Zahl der Grenzübertritte zu Fuß oder schwimmend in Ceuta: 2.531 Menschen kamen auf diesem Weg nach Spanien, 2023 waren es noch 1.068.
Auch auf dem spanischen Festland und auf den Balearen gab es einen leichten Rückgang: 14.432 Menschen erreichten diese Regionen per Boot – 6,5 % weniger als im Vorjahr. Insgesamt wurden 1.100 Boote gezählt.
Politischer Druck trotz legaler Mehrheit
Obwohl der überwiegende Teil der Migration nach Spanien auf legalem Weg erfolgt – laut Premierminister Pedro Sánchez sind es 94 % – bleibt das Thema irreguläre Einwanderung ein zentraler Punkt in der politischen und öffentlichen Debatte.
Besonders diskutiert wurden zuletzt der Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten auf den Kanarensowie verschiedene Vorschläge zur Legalisierung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus.
