Spanien steht offenbar vor der nächsten außergewöhnlichen Hitzewelle dieses Sommers. Nach aktuellen Wetterprognosen soll sich ab Sonntag, dem 10. August, eine sogenannte Hitzeglocke über der Iberischen Halbinsel aufbauen. Diese Wetterlage könnte das Land über mehrere Tage hinweg fest im Griff behalten und in vielen Regionen Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius verursachen. Besonders betroffen wären nach den derzeitigen Berechnungen Andalusien, Extremadura, Madrid, Kastilien-La Mancha, Aragón sowie Teile Murcias.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Bereits in den vergangenen Wochen wurden in zahlreichen Landesteilen außergewöhnlich hohe Temperaturen gemessen. Nun deuten mehrere Wettermodelle darauf hin, dass Spanien unmittelbar vor einer weiteren intensiven Hitzeperiode steht, die voraussichtlich bis weit in die kommende Woche andauern wird.
Was ist eine Hitzeglocke?
Unter einer Hitzeglocke – international als „Heat Dome“ bezeichnet – verstehen Meteorologen ein besonders stabiles Hochdruckgebiet, das sich über einer Region festsetzt. Dieses Hoch wirkt wie ein Deckel und verhindert, dass die heiße Luft entweichen kann. Gleichzeitig sinken die Luftmassen innerhalb des Hochdruckgebiets langsam ab, wodurch sie sich zusätzlich erwärmen. Da sich kaum Wolken bilden und kühlere Luftmassen nicht nachströmen können, steigen die Temperaturen Tag für Tag weiter an.
Die Folge sind lang anhaltende Hitzeperioden mit intensiver Sonneneinstrahlung und oftmals nur geringer Abkühlung während der Nacht. Solche Wetterlagen erhöhen nicht nur die Belastung für Mensch und Natur, sondern lassen auch das Risiko für Waldbrände deutlich ansteigen. Je nach Entwicklung kann eine Hitzeglocke mehrere Tage oder sogar über eine Woche bestehen bleiben.
Warum wird es jetzt so heiß?
Nach Einschätzung der Meteorologen sorgt ein Tiefdruckgebiet über dem Atlantik dafür, dass heiße Luft aus subtropischen Regionen nach Spanien transportiert wird. Gleichzeitig baut sich über der Iberischen Halbinsel ein kräftiger Hochdruckrücken auf, der die warme Luft regelrecht einschließt.
Diese Kombination gilt als typisch für die Entstehung einer Hitzeglocke. Da die Luft unter dem Hochdruckgebiet kaum zirkulieren kann, erwärmt sie sich kontinuierlich weiter. Bereits zum Wochenbeginn rechnen die Wettermodelle deshalb mit einem deutlichen Anstieg der Temperaturen in weiten Teilen Spaniens.
Diese Regionen müssen sich auf extreme Temperaturen einstellen
Nach den aktuellen Prognosen wird sich die stärkste Hitze vor allem über dem Landesinneren ausbreiten. Besonders betroffen sein dürften Andalusien, Extremadura, Madrid, Kastilien-La Mancha, Aragón, Murcia, das südliche Galicien sowie Teile Kataloniens und Mallorcas. In vielen dieser Regionen werden Höchsttemperaturen zwischen 36 und 39 Grad erwartet.
Für einzelne Städte fallen die Prognosen noch höher aus. So könnten in Córdoba bis zu 40 Grad erreicht werden, während Zaragoza bei rund 38 Grad liegen dürfte. In Sevilla und Madrid werden derzeit etwa 37 Grad erwartet. Auf Mallorca könnte das Thermometer auf rund 35 Grad steigen, während Barcelona mit etwa 31 Grad etwas glimpflicher davonkommen dürfte.
Deutlich angenehmer bleibt die Wetterlage voraussichtlich entlang der kantabrischen Nordküste. Dort verhindern kühlere Luftmassen vom Atlantik, dass die Temperaturen auf vergleichbare Werte ansteigen. In vielen Küstenregionen werden deshalb Höchstwerte unter 30 Grad erwartet.
Guadalquivir- und Ebro-Tal besonders betroffen
Besonders kritisch könnte sich die Situation im Guadalquivir-Tal entwickeln. Dort rechnen Meteorologen bereits zu Beginn der kommenden Woche mit Temperaturen von mindestens 40 Grad. Auch im Ebro-Tal zwischen Aragón und Katalonien könnten örtlich Werte erreicht oder sogar überschritten werden, die an die 40-Grad-Marke heranreichen.
Sollten sich diese Prognosen bestätigen, ist davon auszugehen, dass in zahlreichen Provinzen Wetterwarnungen ausgegeben werden. Vor allem während der heißesten Stunden des Tages wird dann mit einer erheblichen Belastung gerechnet.
Tropennächte verschärfen die Belastung
Neben den hohen Tageshöchstwerten bereitet Experten auch die Entwicklung in den Nachtstunden Sorgen. Kühlt die Luft nachts nicht unter 20 Grad ab, spricht man von einer sogenannten Tropennacht. Gerade in dicht bebauten Städten wie Madrid, Sevilla oder Zaragoza können Gebäude die tagsüber gespeicherte Wärme nur langsam wieder abgeben.
Dadurch wird die nächtliche Erholung des Körpers erschwert. Besonders ältere Menschen, Kleinkinder sowie Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten während solcher Wetterlagen als gefährdet. Gesundheitsbehörden empfehlen daher, ausreichend Wasser zu trinken, direkte Sonneneinstrahlung möglichst zu meiden und körperliche Anstrengungen auf die frühen Morgen- oder Abendstunden zu verlegen.
Auch Mitteleuropa spürt die Hitzewelle
Die außergewöhnliche Wetterlage dürfte sich nicht ausschließlich auf Spanien beschränken. Auch in Frankreich, Deutschland, der Schweiz sowie den Benelux-Staaten rechnen Meteorologen mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen. Teilweise könnten die Werte drei bis sechs Grad über dem langjährigen Mittel liegen.
Damit würde sich die Hitzewelle über weite Teile West- und Mitteleuropas ausbreiten und zahlreiche Länder gleichzeitig betreffen.
Bereits jetzt ein außergewöhnlicher Sommer
Schon jetzt zählt der Sommer 2026 in Spanien zu den außergewöhnlichsten der vergangenen Jahrzehnte. Mehrere intensive Hitzeperioden haben vielerorts für neue Temperaturrekorde gesorgt und die anhaltende Trockenheit weiter verschärft. Hinzu kommt eine erhöhte Waldbrandgefahr, die sich bei einer erneuten Hitzewelle weiter verschärfen könnte.
Sollte sich die nun angekündigte Hitzeglocke wie erwartet entwickeln, wäre dies bereits die nächste markante Extremwetterlage innerhalb weniger Wochen. Meteorologen beobachten diese Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit, da sich lang anhaltende Hochdruckgebiete in Kombination mit sehr warmem Mittelmeerwasser und trockenen Böden gegenseitig verstärken können.
Prognosen können sich noch ändern
Obwohl die verschiedenen Wettermodelle derzeit ein ähnliches Bild zeichnen, weisen Meteorologen darauf hin, dass sich die genaue Intensität der Hitzewelle noch verändern kann. Sowohl die höchsten Temperaturen als auch die räumliche Ausdehnung der stärksten Hitze lassen sich erst wenige Tage vor ihrem Eintreffen zuverlässig bestimmen.
Dennoch gilt bereits jetzt als wahrscheinlich, dass Spanien ab Sonntag in eine weitere Phase außergewöhnlich hoher Temperaturen eintritt. Für große Teile des Landes dürfte damit eine weitere äußerst heiße Augustwoche bevorstehen.
