Redaktion Spanien Press
In Spanien gibt es zwei gesellschaftliche Stereotype, die besonders unter Jugendlichen und in sozialen Netzwerken immer wieder auftauchen – oft karikiert, manchmal stolz übernommen: la pija und la choni. Diese beiden Begriffe beschreiben gegensätzliche weibliche Archetypen, die mehr als nur Mode definieren: Sie spiegeln auch Herkunft, Lebensstil und soziale Zugehörigkeit wider.
Was ist eine Pija?
Pijas sind junge Frauen aus der oberen Mittel- oder Oberschicht. Sie sind meist in Privatschulen ausgebildet worden, sprechen gepflegt und legen großen Wert auf klassische Eleganz und dezente Markenmode. Ihr Stil ist zurückhaltend, aber durchdacht.
Typisch sind langes, naturbelassenes Haar, ein natürliches Make-up und kurze, schlichte Fingernägel in Beige oder Rosé. Accessoires wie eine feine goldene Kreuzkette oder ein Armband in den Farben der spanischen Flagge sind keine Seltenheit.
Die Garderobe: Polohemden, weiße Blusen, Pullover über die Schultern, gut gebügelte Stoffhosen oder Jeans, Loafer oder blitzsaubere Sneaker. In den sozialen Medien zeigen Accounts wie @madrileñosenmadrid oder @basquegirls das Leben dieser jungen Frauen mit Humor und Stil – zwischen Brunches, Wochenenden in Baqueira oder Sommern in Sotogrande.

Im Volksmund werden pijas oft Cayetanas genannt – ein aristokratischer Name, der stellvertretend für diesen Stil steht. Auch die männliche Variante, der pijo, heißt dann Cayetano. Ihre Namen sagen oft schon alles: Mencía, Jimena, Laura, Elisa oder Cayetana bei den Frauen, Beltrán, Alonso, Borja, Rodrigo oder Íñigo bei den Männern – traditionelle kastilische Namen mit „gutem Nachklang“.
Und was ist eine Choni?
Chonis sind das komplette Gegenteil. Sie stehen für einen auffälligen, urbanen und provokativen Stil, der aus Arbeiter- und Vorstadtvierteln stammt. Enge Leggings, bauchfreie Tops, dickes Make-up mit starkem Konturieren, Kunstwimpern und sehr lange, auffällig gestaltete Fingernägel prägen das Bild.
Das Haar ist oft blondiert, gesträhnt oder glatt gebügelt und in hohen Dutts oder Pferdeschwänzen getragen. Der Schmuck ist groß: riesige Creolen, dicke Ketten und gerne auch ein kleines, silbernes Kreuzanhänger – aber in auffälligerer Form als bei den pijas.
Auch hier sagen die Namen viel: Jessica, Vanessa, Jennifer, Yolanda oder Tamara sind typische choni-Vornamen. Die männliche Entsprechung, oft als macarra bezeichnet, heißt nicht selten Jonathan, Joel, Kevin, Cristian oder Jesús Manuel. Macarras kleiden sich in Jogginganzügen, tragen auffällige Sneaker, fahren Roller und zeigen sich gerne mit übertriebener Coolness.
In TikTok-Videos und Instagram-Stories findet man viele chonis und macarras, die sich mit Stolz oder ironischem Augenzwinkern selbst darstellen – oft als bewusster Gegenentwurf zur Welt der pijos.
Mehr als nur Klischees
Obwohl beide Begriffe aus der Karikatur stammen, werden sie heute oft spielerisch oder selbstbewusst verwendet. Junge Menschen inszenieren sich gezielt als pijas oder chonis, mischen Stile oder brechen bewusst mit Erwartungen. Auch in der Mode- und Popkultur Spaniens sind beide Archetypen längst Teil der öffentlichen Bühne.
Ein Spiegelbild der spanischen Gesellschaft
Diese Begriffe stehen für mehr als Mode. Sie spiegeln Klassenzugehörigkeit, gesellschaftliche Dynamiken und unterschiedliche Lebensentwürfe wider. Wer Spanien verstehen will – von der Straße bis zu den sozialen Netzwerken – sollte wissen, was eine Cayetana oder eine choni bedeutet.
