Spanien verzeichnet einen historischen Erfolg auf dem Arbeitsmarkt: Im zweiten Quartal 2026 hat die Zahl der Erwerbstätigen einen neuen Höchststand erreicht. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen. Nach den aktuellen Daten der spanischen Arbeitskräfteerhebung (EPA) sank die Zahl der Arbeitslosen um 213.300 Personen, während die Beschäftigung kräftig zulegte.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Rekordzahl bei Beschäftigten in Spanien
Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Zeitraum April bis Juni 2026 um 486.000 Personen gegenüber dem vorherigen Quartal. Damit erreichte Spanien insgesamt 22,779 Millionen Beschäftigte – der höchste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung. Auch im Jahresvergleich zeigt sich ein deutlicher Zuwachs: Innerhalb von zwölf Monaten kamen rund 510.200 neue Arbeitsplätze hinzu.
Der starke Anstieg zeigt eine weiterhin robuste Entwicklung des spanischen Arbeitsmarktes. Besonders der Dienstleistungssektor spielte eine wichtige Rolle, unterstützt durch die traditionell starke Sommersaison, den Tourismus und die steigende Nachfrage in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft.
Arbeitslosenquote fällt unter zehn Prozent
Parallel zur steigenden Beschäftigung ging die Zahl der Arbeitslosen deutlich zurück. Insgesamt waren im zweiten Quartal 2026 noch 2,495 Millionen Menschen ohne Arbeit. Das entspricht einem Rückgang von 213.300 Personen innerhalb eines Quartals. Die Arbeitslosenquote sank auf 9,87 Prozent und lag damit erstmals seit 2008 wieder unter der Marke von zehn Prozent.
Auch langfristig zeigt der Trend nach unten: Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen um 57.800 Personen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Erwerbspersonen auf 25,274 Millionen Menschen – ein Hinweis darauf, dass mehr Menschen aktiv am Arbeitsmarkt teilnehmen.
Wachstum vor allem durch private Beschäftigung
Die neuen Arbeitsplätze entstanden überwiegend im privaten Sektor. Nach aktuellen Auswertungen entfiel ein großer Teil des Beschäftigungszuwachses auf Angestelltenverhältnisse, wobei insbesondere unbefristete Verträge weiter an Bedeutung gewinnen.
Die Entwicklung steht auch im Zusammenhang mit den Reformen des spanischen Arbeitsmarktes der vergangenen Jahre, durch die die Zahl dauerhafter Beschäftigungsverhältnisse erhöht und die Bedeutung befristeter Verträge reduziert werden sollte.
Tourismus bleibt wichtiger Beschäftigungsmotor
Wie bereits in vielen Sommerperioden zuvor profitierte Spanien besonders vom starken Dienstleistungsbereich. Regionen mit hoher touristischer Bedeutung verzeichneten deutliche Beschäftigungszuwächse. Der Reise- und Gastgewerbesektor bleibt damit einer der wichtigsten Faktoren für die saisonale Dynamik des spanischen Arbeitsmarktes.
Neben dem Tourismus entstanden jedoch auch in anderen Bereichen neue Arbeitsplätze. Dazu zählen unter anderem Gesundheitswesen, Bildung sowie professionelle und technische Dienstleistungen.
Positive Entwicklung, aber Herausforderungen bleiben
Trotz der historischen Zahlen warnen Experten davor, die strukturellen Probleme des spanischen Arbeitsmarktes zu unterschätzen. Dazu gehören weiterhin regionale Unterschiede, die Arbeitslosigkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen sowie die Situation vieler Selbstständiger.
Auch wenn die Arbeitslosenquote erstmals seit vielen Jahren unter zehn Prozent liegt, bleibt Spanien im europäischen Vergleich weiterhin eines der Länder mit einer höheren Arbeitslosenquote. Die aktuellen Zahlen gelten jedoch als deutlicher Fortschritt gegenüber den vergangenen Jahren.
Regierung spricht von historischem Meilenstein
Die spanische Regierung bewertet die aktuellen Arbeitsmarktdaten als Beleg für die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft. Der Beschäftigungsrekord und der Rückgang der Arbeitslosigkeit werden als Zeichen gewertet, dass sich der Arbeitsmarkt trotz internationaler Unsicherheiten weiter stabil entwickelt.
Für die kommenden Monate bleibt entscheidend, ob Spanien das hohe Beschäftigungsniveau halten kann und ob die neu geschaffenen Arbeitsplätze dauerhaft bestehen bleiben. Die aktuellen Zahlen markieren jedoch einen der stärksten Momente des spanischen Arbeitsmarktes seit Beginn der Wirtschaftsstatistiken.
