13. Oktober 2026
Lesezeit 2 Minuten

Spanien: Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Mindestlohn

Die spanischen Gewerkschaften fordern für 2027 eine Erhöhung des Mindestlohns um mindestens sieben Prozent, um die Kaufkraft der Beschäftigten angesichts steigender Lebenshaltungskosten zu stärken (Credit: Alexander Schimmeck/Unsplash)

Die spanischen Gewerkschaften UGT und CCOO fordern für 2027 eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns um mindestens sieben Prozent. Damit würde das monatliche Bruttogehalt bei 14 jährlichen Zahlungen auf rund 1.306 Euro steigen. Die Arbeitnehmervertretungen begründen ihre Forderung vor allem mit der Inflation und dem anhaltenden Kaufkraftverlust. Die endgültige Entscheidung über die Höhe des Mindestlohns liegt bei der spanischen Regierung.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Derzeit beträgt der spanische Mindestlohn (Salario Mínimo Interprofesional, SMI) 1.221 Euro brutto im Monat bei 14 Gehaltszahlungen. Das entspricht einem jährlichen Bruttoeinkommen von 17.094 Euro. Sollte die von den Gewerkschaften geforderte Erhöhung umgesetzt werden, würde der Jahresbetrag auf rund 18.290 Euro steigen. Für Beschäftigte mit Mindestlohn wäre dies ein Plus von knapp 1.200 Euro brutto im Jahr.

Gewerkschaften wollen Kaufkraft sichern

UGT und CCOO halten eine deutliche Anhebung für notwendig, um die Einkommen von Beschäftigten mit niedrigen Löhnen an die gestiegenen Lebenshaltungskosten anzupassen. Ihrer Ansicht nach reichen die bisherigen Lohnsteigerungen nicht aus, um die Auswirkungen der Inflation vollständig auszugleichen.

Neben den Preisen für Lebensmittel, Energie und andere Waren belasten insbesondere die hohen Wohnkosten viele Haushalte. Die Gewerkschaften argumentieren deshalb, dass die Löhne stärker steigen müssen, damit Arbeitnehmer trotz zunehmender Ausgaben ihre Kaufkraft erhalten können.

Mit der geforderten Erhöhung um mindestens sieben Prozent würde der monatliche Bruttomindestlohn gegenüber dem derzeitigen Niveau um rund 85 Euro steigen. Wie stark sich das Plus tatsächlich auf das verfügbare Einkommen auswirkt, hängt unter anderem von den Sozialversicherungsbeiträgen und der steuerlichen Behandlung ab.

Regierung bereitet Entscheidung für 2027 vor

Die spanische Regierung muss nun über die künftige Höhe des Mindestlohns entscheiden. Arbeitsministerin und zweite Vizepräsidentin Yolanda Díaz hat eine Expertenkommission damit beauftragt, eine Empfehlung für die Anpassung im kommenden Jahr auszuarbeiten.

Bei der Bewertung sollen neben der Inflation auch die wirtschaftliche Entwicklung und die Lohnsituation berücksichtigt werden. Als Orientierung dient zudem das Ziel, den Mindestlohn langfristig auf 60 Prozent des durchschnittlichen nationalen Lohns anzuheben. Dieser Richtwert steht im Zusammenhang mit der Europäischen Sozialcharta.

Die Empfehlung der Expertenkommission ist für die Regierung nicht bindend. Die endgültige Entscheidung über die Höhe des Mindestlohns trifft die Exekutive. Der neue Betrag soll ab dem 1. Januar 2027 gelten. Die Gewerkschaften drängen daher auf eine zeitnahe Festlegung.

Arbeitgeberverbände stehen vor weiteren Verhandlungen

Die Forderung von UGT und CCOO dürfte auch die Diskussion mit den Arbeitgeberverbänden beeinflussen. Die Unternehmensorganisationen CEOE und Cepyme haben sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch zu Mindestlohnerhöhungen geäußert, insbesondere wenn diese nicht gemeinsam mit den Sozialpartnern ausgehandelt wurden.

Bei der Entscheidung geht es nicht allein um die Höhe des monatlichen Einkommens. Die Entwicklung des Mindestlohns betrifft auch die Kosten von Unternehmen, vor allem in Branchen mit einem hohen Anteil an Beschäftigten im Niedriglohnbereich. Die Regierung muss deshalb unterschiedliche wirtschaftliche Faktoren berücksichtigen.

Ob die geforderten sieben Prozent tatsächlich umgesetzt werden, ist bislang offen. Erst nach der Empfehlung der Expertenkommission und der anschließenden Entscheidung der Regierung steht fest, wie hoch der gesetzliche Mindestlohn in Spanien im kommenden Jahr ausfallen wird.

Löhne und Wohnkosten als zentrale Themen

Die Forderung nach einem höheren Mindestlohn ist Teil eines umfassenderen Forderungspakets der Gewerkschaften. UGT und CCOO setzen sich neben höheren Einkommen auch für bessere Arbeitsbedingungen und Maßnahmen gegen die steigenden Wohnkosten ein.

Die Themen sollen auch bei den für den 11. November angekündigten Protesten unter dem Motto „Salarios, vivienda, precios“ – Löhne, Wohnen und Preise – eine zentrale Rolle spielen. Die Gewerkschaften wollen damit auf die finanzielle Belastung vieler Haushalte aufmerksam machen.

Aus ihrer Sicht können höhere Löhne nur dann dauerhaft zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen beitragen, wenn die Entwicklung der Wohn- und Lebenshaltungskosten ebenfalls berücksichtigt wird. Ob die Regierung neben einer Anpassung des Mindestlohns weitere Maßnahmen ergreift, bleibt abzuwarten.

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