8. Oktober 2026
Lesezeit 3 Minuten

Spanien nimmt neue Schulden für zinslose Erstwohnungskredite auf

Der spanische Staat will den Kauf der ersten eigenen Wohnung mit neuen zinslosen Krediten erleichtern (Credit: Mattia Occhi/Unsplash)

Die spanische Regierung will den Zugang zum eigenen Zuhause erleichtern und dafür ein neues Finanzierungsprogramm mit einem Volumen von zehn Milliarden Euro auflegen. Ein Teil der Summe soll über neue Staatsschulden finanziert werden. Mit den sogenannten ICO-Krediten sollen vor allem Menschen unterstützt werden, denen für den Kauf ihrer ersten Wohnung die notwendigen Ersparnisse fehlen.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Das Programm ist Teil des neuen Maßnahmenpakets der Regierung von Pedro Sánchez zur Entlastung auf dem angespannten spanischen Wohnungsmarkt. Die staatlich unterstützten Kredite sollen es ermöglichen, einen größeren Teil des Kaufpreises einer Immobilie zu finanzieren, ohne dass Käufer zunächst über umfangreiche eigene Rücklagen verfügen müssen.

Bis zu 50.000 Euro zusätzlich zur Hypothek

Über das Programm können Käufer einen Kredit von bis zu 20 Prozent des Kaufpreises erhalten. Die maximale Summe liegt bei 50.000 Euro. Der Kredit ist mit null Prozent Zinsen ausgestattet, zudem sollen keine Provisionen anfallen.

Das Modell richtet sich an Menschen, die grundsätzlich eine Hypothek erhalten könnten, aber Schwierigkeiten haben, die üblicherweise erforderliche Eigenleistung aufzubringen. In Spanien finanzieren Banken normalerweise nur einen Teil des Immobilienpreises. Die staatliche Finanzierung soll diese Lücke zumindest teilweise schließen.

Bei einer Wohnung im Wert von 200.000 Euro könnten beispielsweise rund 40.000 Euro über den staatlichen Kredit abgedeckt werden. Bei einem Kaufpreis von 250.000 Euro wären bis zu 50.000 Euro möglich. Die zusätzlichen Kosten des Immobilienkaufs, etwa Steuern, Notar- und Registergebühren, müssen die Käufer jedoch weiterhin selbst tragen.

Rückzahlung erst nach der Hypothek

Besonders ungewöhnlich ist die geplante Rückzahlungsstruktur. Während die reguläre Bankhypothek läuft, soll für den ICO-Kredit eine Tilgungspause gelten können. Diese kann bis zu 30 Jahre betragen. Erst wenn die normale Hypothek zurückgezahlt ist, beginnt die Rückzahlung des staatlichen Kredits. Dafür können anschließend bis zu zehn Jahre zur Verfügung stehen.

Die Regierung setzt damit auf einen langfristigen Finanzierungsmechanismus. Die zehn Milliarden Euro sollen nicht lediglich einmalig ausgegeben werden. Sobald Kreditnehmer ihre staatlichen Darlehen zurückzahlen, können die Mittel erneut für andere Käufer eingesetzt werden.

Ein Teil des Geldes kommt aus neuen Schulden

Für die Finanzierung des Programms greift der spanische Staat unter anderem auf neue Verschuldung zurück. Ein Teil der zehn Milliarden Euro soll über Emissionen des spanischen Schatzamtes aufgebracht werden. Hinzu kommen bereits vorhandene, bislang nicht verwendete staatliche Mittel.

Damit nimmt der Staat bewusst neue Schulden auf, um den Zugang zum Immobilienmarkt zu erleichtern. Die Regierung betrachtet das Modell jedoch als revolvierenden Fonds: Das eingesetzte Geld soll langfristig durch die Rückzahlungen der Kreditnehmer wieder in das System zurückfließen und anschließend erneut für andere Erstkäufer zur Verfügung stehen.

Keine reine Förderung für junge Menschen

Obwohl junge Menschen zu den wichtigsten Zielgruppen gehören, ist das Programm nicht ausschließlich auf eine bestimmte Altersgruppe beschränkt. Eine generelle Altersgrenze ist nicht vorgesehen. Entscheidend ist vielmehr, dass es sich um den Erwerb der ersten eigenen Wohnung handelt und die weiteren Voraussetzungen des Programms erfüllt werden.

Gleichzeitig will die Regierung verhindern, dass die staatliche Unterstützung für Spekulation genutzt wird. Für die geförderten Immobilien gelten deshalb Einschränkungen beim späteren Verkauf und bei einer möglichen Vermietung.

Verkauf und Vermietung werden begrenzt

Wer eine über das Programm finanzierte Wohnung später wieder verkaufen möchte, soll den Preis nicht völlig frei festlegen können. Grundsätzlich soll der ursprüngliche Kaufpreis maßgeblich bleiben und unter bestimmten Voraussetzungen an die Entwicklung der Inflation angepasst werden können. Auch bestimmte Investitionen in die Immobilie können berücksichtigt werden.

Auch bei einer Vermietung gelten Einschränkungen. Die Miete soll den staatlichen Referenzrahmen nicht überschreiten. Die entsprechenden Bedingungen sollen zudem in der notariellen Dokumentation der Immobilie festgehalten werden.

Damit will die Regierung verhindern, dass Käufer zunächst von staatlicher Unterstützung profitieren und die Immobilie anschließend mit hohen Gewinnen weiterverkaufen oder zu besonders hohen Preisen vermieten.

Konkrete Umsetzung steht noch aus

Trotz des beschlossenen Finanzierungsrahmens können Interessenten die neuen Kredite nicht einfach sofort beantragen. Für die praktische Umsetzung müssen noch weitere Einzelheiten festgelegt werden. Dazu gehören unter anderem konkrete Zugangsvoraussetzungen und die endgültigen Preisgrenzen für die Immobilien, die über das Programm finanziert werden können.

Die zehn Milliarden Euro sind damit zunächst der finanzielle Rahmen für ein langfristig angelegtes Instrument. Die Regierung will damit insbesondere denjenigen den Weg zum Eigenheim öffnen, die über ausreichendes Einkommen für eine Hypothek verfügen, aber nicht genügend Ersparnisse für die notwendige Eigenleistung haben.

Das neue Programm ist zugleich ein weiterer Versuch der Regierung, den Druck auf dem spanischen Wohnungsmarkt zu reduzieren. Neben der Unterstützung beim Kauf setzt Sánchez dabei auch auf den Ausbau des bezahlbaren Wohnungsangebots und weitere Maßnahmen zur Begrenzung der Wohnkosten.

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