In Spanien greifen immer mehr Vermieter zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Mietverträge werden zunehmend direkt vor einem Notar unterschrieben. Hintergrund sind wachsende Sorgen über Mietausfälle, langwierige Räumungsverfahren und rechtliche Unsicherheiten auf dem spanischen Wohnungsmarkt.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Mehr Sicherheit für Eigentümer
Der Trend zur notariellen Beurkundung von Mietverträgen soll Vermietern vor allem mehr rechtliche Sicherheit geben. Wird ein Mietvertrag vor einem Notar abgeschlossen, bestätigt dieser die Identität der Vertragsparteien sowie den Inhalt der Vereinbarung.
Dadurch entsteht ein offizielles Dokument mit höherer Beweiskraft, das im Streitfall vor Gericht leichter durchgesetzt werden kann.
Angst vor Mietnomaden und langen Verfahren
Ein Hauptgrund für diese Entwicklung sind zunehmende Konflikte zwischen Vermietern und Mietern. Immer wieder kommt es vor, dass Mieter ihre Miete nicht mehr bezahlen oder sich weigern, die Wohnung zu verlassen.
In solchen Fällen kann ein Räumungsverfahren vor Gericht oft Monate oder sogar Jahre dauern. Während dieser Zeit erhält der Eigentümer in der Regel keine Miete. Nach spanischem Mietrecht ist der Schutz der Mieter relativ stark ausgestaltet, was Konflikte zusätzlich komplizieren kann.
Notarielle Verträge als zusätzlicher Schutz
Durch einen notariell beglaubigten Mietvertrag hoffen Vermieter, ihre Ansprüche schneller durchsetzen zu können. Ein solcher Vertrag dient als klarer rechtlicher Nachweis über die getroffenen Vereinbarungen und kann spätere Streitigkeiten über Vertragsinhalte vermeiden.
Allerdings ersetzt auch ein notarieller Vertrag in den meisten Fällen kein Gerichtsverfahren. Kommt es zu einem Konflikt oder zu Mietrückständen, muss in der Regel weiterhin ein Räumungsprozess eingeleitet werden.
Kosten für die Beurkundung
Die notarielle Beurkundung eines Mietvertrages ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Diese liegen meist zwischen etwa 100 und 300 Euro, abhängig vom Umfang des Vertrags und der Notargebühren.
In vielen Fällen übernimmt der Vermieter diese Kosten selbst oder teilt sie mit dem zukünftigen Mieter.
Angespannter Mietmarkt
Der Trend fällt in eine Phase großer Unsicherheit auf dem spanischen Wohnungsmarkt. Experten gehen davon aus, dass allein im Jahr 2026 mehr als 630.000 Mietverträge auslaufen. Viele Vermieter überlegen deshalb, ihre Immobilien neu zu vermieten, zu verkaufen oder strengere Vertragsbedingungen zu verlangen.
Gleichzeitig steigen in vielen Städten die Mietpreise weiter an, während das Angebot an verfügbaren Wohnungen begrenzt bleibt.
Entwicklung mit ungewisser Zukunft
Die zunehmende notarielle Beurkundung von Mietverträgen zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen Vermietern und Mietern in Spanien teilweise geworden ist. Für Eigentümer bedeutet der Notar vor allem eines: mehr rechtliche Sicherheit.
Ob sich diese Praxis langfristig durchsetzt, wird auch davon abhängen, wie sich der spanische Mietmarkt und die gesetzlichen Rahmenbedingungen in den kommenden Jahren entwickeln.
