Spanien intensiviert seinen Kampf gegen die unkontrollierte Ausbreitung von Ferienwohnungen. Ab diesem Donnerstag tritt eine Reform des Wohnungseigentumsgesetzes (Ley de Propiedad Horizontal) in Kraft, die Eigentümergemeinschaften ein Vetorecht bei der touristischen Nutzung von Wohnungen einräumt.
Bisher konnten einzelne Wohnungseigentümer ihre Immobilie an Touristen vermieten, ohne die Zustimmung der übrigen Eigentümer einholen zu müssen. Mit der neuen Regelung ist künftig eine vorherige und ausdrückliche Genehmigung der Gemeinschaft erforderlich, zusätzlich zur obligatorischen Tourismuslizenz.
Bislang war es lediglich möglich, die touristische Nutzung nachträglich zu untersagen – und nur mit einer qualifizierten Mehrheit von drei Fünfteln. Nun verlagert sich die Entscheidung an den Anfang des Prozesses, wodurch das kollektive Mitspracherecht deutlich gestärkt wird.
Reaktion auf wachsenden gesellschaftlichen Druck
Die Gesetzesänderung ist eine direkte Reaktion auf die wachsende Ablehnung in der Bevölkerung gegenüber der massiven Zunahme von Ferienwohnungen, insbesondere in historischen Stadtvierteln und beliebten Touristenzentren. Im Jahr 2023 kam es zu landesweiten Protesten – etwa in Sevilla, Barcelona, Palma de Mallorca und San Sebastián –, bei denen Anwohner steigende Mieten, Verdrängung und den Verlust an Wohnraum beklagten.
Mehrere Städte haben bereits eigene Maßnahmen ergriffen:
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Benidorm will Vermieter illegaler Ferienwohnungen mit Bußgeldern belegen und die erzielten Mieteinnahmen einziehen.
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Málaga plant ein generelles Moratorium für neue Ferienwohnungs-Lizenzen.
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Sevilla droht bis zu 5.000 illegalen Unterkünften mit der Einstellung der Wasserversorgung.
Auch der spanische Oberste Gerichtshof hat jüngst regionale Beschränkungen bei der Lizenzvergabe für rechtmäßig erklärt – ein wegweisender Präzedenzfall, der zukünftige Regulierungsmaßnahmen untermauert.
Mit der Reform setzt Spanien ein deutliches Zeichen: Die Regulierung des Ferienwohnungsmarktes und der Schutz des sozialen Gleichgewichts in Wohngebieten haben politische Priorität – und die Ära der nahezu uneingeschränkten touristischen Vermietung scheint sich dem Ende zu nähern.
