Die litauische Regierung hat beschlossen, Russisch aus dem Lehrplan zu streichen – mitten im Konflikt mit Moskau. Stattdessen entscheiden sich immer mehr Schüler für Spanisch, das sich in ganz Europa als eine der gefragtesten Fremdsprachen etabliert. Laut Daten der Europäischen Union hat das Kastilische den traditionellen Französischunterricht in Ländern wie Großbritannien bereits überholt und ist heute die zweitbeliebteste Fremdsprache Europas
Redaktion Spanien Press
Mitten im politischen Spannungsfeld mit seinem östlichen Nachbarn hat das baltische Land eine Entscheidung getroffen, die weit über seine Grenzen hinaus Aufmerksamkeit erregt: Russisch wird an litauischen Schulen nicht mehr unterrichtet. Zur Wahl stehen nun andere europäische Sprachen – Deutsch, Französisch und vor allem Spanisch, das derzeit einen regelrechten Boom erlebt.
„Jedes Jahr haben wir mehr Schüler“, erzählt Rūta Kazlauskaitė, Spanischlehrerin an einem Gymnasium in Vilnius. „Viele interessieren sich für die Sprache wegen der Kultur, der Musik und des Kinos – aber auch, weil Spanien als offenes, herzliches Land gilt, das sich sehr von unserer aktuellen politischen Stimmung unterscheidet.“
Am Instituto Cervantes in Vilnius bestätigt man den Trend: Die Zahl der Einschreibungen hat sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Der Erfolg bringt jedoch ein neues Problem mit sich – es fehlt an qualifizierten Lehrkräften. „Viele Schulen möchten Spanisch anbieten, aber wir finden nicht genug Lehrer“, heißt es aus der Institution.
In einem von Spannungen geprägten geopolitischen Umfeld ist die Sprache für viele junge Litauer auch zu einem Symbol geworden – ein Ausdruck der Zugehörigkeit zu Europa und der Abkehr von der Vergangenheit.
Der Aufstieg des Spanischen in Europa
Auch wenn die Schlagzeile aus Litauen kommt – Spanisch liegt europaweit im Trend. Laut der Europäischen Kommission ist Kastilisch inzwischen nach Englisch die am zweithäufigsten gelernte Fremdsprache in der EU und hat in mehreren Ländern Französisch und Deutsch überholt.
In Großbritannien etwa hat Spanisch laut einem Bericht des British Council das traditionelle Französisch als meistgelernte Fremdsprache an weiterführenden Schulen verdrängt. 2023 entschieden sich über 38 % der Schüler für Spanisch, während nur 33 % Französisch wählten – ein deutlicher kultureller Wandel, beflügelt durch Musik, Kino und den wachsenden Einfluss der hispanischen Welt im Alltag.
Laut Eurostat lernen rund 27 % der europäischen Schüler Spanisch auf irgendeiner Bildungsebene, verglichen mit 22 % für Französisch und 21 % für Deutsch. Zudem geben 13,4 % der EU-Bürger an, sich auf Spanisch verständigen zu können – damit gehört die Sprache zu den meistgesprochenen des Kontinents.
Doch der Erfolg des Spanischen geht weit über das Klassenzimmer hinaus. Ob in Popkultur, Streaming-Plattformen oder Tourismus – die Sprache Cervantes’ ist längst Teil der globalen Gegenwart. Vom Baltikum bis zu den britischen Inseln breitet sie sich leise, aber stetig aus – und gewinnt Herzen, Bildschirme und Klassenzimmer zugleich.
